Danila Tkachenko im Kulturbahnhof Eller: Bilder, die vom Aussteigen erzählen

Danila Tkachenko im Kulturbahnhof Eller : Bilder, die vom Aussteigen erzählen

Der Kulturbahnhof Eller zeigt „Fotografische Projekte“ des Künstlers Danila Tkachenko.

Sie sind einander nie begegnet. Da jedoch die Kraft der Fotografien von Danila Tkachenko so sehr nachklang, war es, als habe man viele Abende zusammengesessen und gemeinsam darüber nachgedacht, was wohl dahinter steckt, dass manche Menschen für den Fortschritt glühen und andere vom Leben und Streben in einer Gemeinschaft ganz krank werden. Im Kulturbahnhof Eller gab es im vergangenen Jahr eine Ausstellung zum Thema Wald und in diesem Rahmen auch Aufnahmen Tkachenkos von Einsiedlern in russischen Wäldern zu sehen. Gerolf Schülke, Vorsitzender des Fördervereins des Kulturbahnhofs, war damals auf den Künstler gestoßen. Jetzt hat er ihm eine Einzelausstellung gewidmet.

Danila Tkachenko wurde 1989 in Moskau geboren und hat Fotojournalismus studiert. Seine Serie über Eremiten fand international große Anerkennung und bescherte ihm Preise, etwa im „30-under-30“-Wettbewerb der Fotoagentur Magnum. Auch die aktuelle Ausstellung im Kulturbahnhof zeigt Werke aus der Eremiten-Serie „Escape“ (Flucht). Inmitten von Fliegenpilzen und grünem Dickicht steht ein schmaler Mann und schaut bang in die Ferne. Als müsste er Obacht geben, dass die sozialen Systeme, die er einst verließ, nicht doch wieder nach ihm greifen.

Tkachenko ist durch die Wildnis gereist und hat mit Menschen gesprochen, die sich entschieden haben, allein zu leben. Ein Einsiedler erklärte dem Fotografen: „Es hat mich immer in die Natur gezogen. Für mich ist sie ein Platz, an dem ich mich verstecken und das wirkliche Ich fühlen kann.“ Das mag kauzig klingen. Ein bisschen irre. Oder selbstbewusst? Tkachenko bewertet nicht. Seine Fotografien sind Dokumente einer alternativen Lebensform, nicht Geschichten über die Beweggründe, die zu ihr geführt haben.

Hier Rückzug, dort das Drängen nach vorn: Dem utopischen Streben des Menschen nach technischem Fortschritt widmet sich Tkachenko in dem Projekt „Restricted Areas“ (Sperrgebiete). Eine Auswahl an Aufnahmen dieser Reihe ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Gespenstische Raketenstationen und Betongerippe monumentaler Produktionshallen stehen inmitten silbergrauer Schneelandschaften in Kasachstan und Bulgarien. Einst waren sie erschaffen worden, weil Menschen hofften, sie könnten helfen, nach den Sternen zu greifen. Heute sind es bedrückende Zeugnisse vom Begehren nach Macht, namenlose Orte, auf die man nur zufällig stößt. Wie traurig, dass dies auch für die verlassenen Dörfer und orthodoxen Kirchen gilt, die Tkachenko aufgespürt hat und in ihnen eindrucksvoll die Vergangenheit den Bedürfnissen der Gegenwart gegenüberstellt.

Info Bis 23. Februar im Kulturbahnhof Eller, Vennhauser Allee 89; dienstags bis sonntags, 15 bis 19 Uhr.