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Düsseldorfer Schauspielhaus: Corneilles "Illusion" enttäuscht

Düsseldorfer Schauspielhaus : Corneilles "Illusion" enttäuscht

Ein Theater der vielen Stile hatte Staffan Holm angekündigt, Theater von internationalem Niveau für Düsseldorf. Noch bevor sich der Intendant mit seiner "Hamlet"-Produktion verspätet am 4. November vorstellen wird, schickt er die Vorboten. Nach der enttäuschenden Inszenierung von Janne Tellers Jugendstück "Nichts" kam "Medea" im Jungen Schauspiel ordentlich über die Bühne. Im Kleinen Haus am Gustaf-Gründgens-Platz überzeugte Falk Richter mit Michel Houellebecqs Roman-Dramatisierung von "Karte und Gebiet". Als zweite Inszenierung stellte Marie-Louise Bischofberger nun die Tragikomödie "Illusion" nach Pierre Corneilles "L'Illusion comique" aus dem 17. Jahrhundert vor.

Nach dem Drei-Stunden-Abend bleibt man ratlos: Kann das pralle Stück Barocktheater so banal abgebildet werden, wie es in dieser Bearbeitung letztendlich erscheint? So oberflächlich komisch? So eindimensional, wo doch mehrfache Illusionsebenen vorgegeben sind? Corneille selbst hat von seinem Stück als einem "seltsamen Monstrum" gesprochen. Er hat einen Prolog, drei Akte Komödie und eine Tragödie zusammengebaut — eine gleichermaßen kunstvolle wie vertrackte Konstruktion. Die Düsseldorfer Inszenierung ist an dieser Herausforderung gescheitert.

Ganz schwarz ist der Raum, das Spiel beginnt aus dem Bühnenboden heraus, eine Klappe öffnet sich, das Thema — unglücklicher Vater sucht reuevoll seinen verstoßenen Sohn — wird anklingen. Der Vater wird an einen Magier verwiesen, dessen Reich keine Grenzen kennt, der ein Theater im Theater und eine Welt in der Welt eröffnet. Als Bild dafür steht die Grotte auf der Bühne, spiegelndes Wasser, unergründlich tief. An ihr werden die Schauspieler sich niederlassen, Wahrheiten aussprechen, jenseits des Geschehens Grundsätzliches. Die Grotte liefert einen Bilderspeicher: Je tiefer man hineinschaut, desto illusionistischer der Blick.

Die Handlung des Fünfakters dreht sich — verkürzt gesagt — um die Dinge des Lebens, Liebe, Eifersucht, Macht, Intrige und Wohlstand. Großartige Sprache ist zu vernehmen, und es finden kernige psychologische Durchleuchtungen des menschlichen Charakters statt, der vor rund 400 Jahren nicht besser und nicht schlechter war als heute. 16 Einzelrollen sind besetzt, auf gutem Niveau. Das Publikum lernt neue Schauspieler wie den suggestiv sprechenden Willem Menne als Zauberer kennen, der anklingen lässt, worum es in diesem Stück gehen könnte. Rainer Galke als brillant aufgelegte Knallcharge lenkt anderswo hin. Die interessante Betty Freudenberg spielt ein elfenhaft liebendes Wesen, ihre Gegenspielerin Patrizia Wapinska das durchtrieben schlaue Fräulein.

Das Spiel ist exzentrisch, diabolisch, theatralisch, komödiantisch-überspitzt — doch fügt es sich in dieser Regie nicht zusammen. Zu lang ist die Inszenierung und langweilig auch, dabei zu kurz gedacht, stilistisch uneindeutig, veralbernd. Matter Applaus am Ende.

Kleines Haus, Düsseldorf, Gustaf-Gründgens-Platz, Nächste Termine: 25. und 26. Oktober. Karten: 0211 369911

(RP/rai)