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Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig spielen in "Alle unter eine Tanne“

Schauspieler-Ehepaar spielt im Theater an der Kö : Ein Herz und eine Seele

Im Theater an der Kö muss der weihnachtliche Frieden hart erkämpft werden. Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig, privat ein Ehepaar, drehen bei „Alle unter eine Tanne“ genüsslich auf.

Wirklich nicht einfach, „Alle unter eine Tanne“ zu kriegen. Da kracht es ganz schön in der Familie, bis sich die ersehnte weihnachtliche Harmonie einstellt. Was auch im wahren Leben vorkommen soll, nicht bloß in dieser gelungenen Komödie von Lo Malinke, die den Zuschauern im „Theater an der Kö“ gerade viel Vergnügen bereitet.

Anders als auf der Bühne ist das Ensemble privat ein Herz und eine Seele, mit tatkräftiger Beteiligung des Schauspieler-Ehepaars Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig. Sie legt ihren Kollegen jeden Abend ein Mitbringsel in die Garderobe, er überreicht den Damen freitags galant eine Rose. Seit dem „Tanne“-Gastspiel vor zwei Jahren in Köln sind die acht Darsteller freundschaftlich verbunden. „Einmal haben wir an unserem freien Tag einen gemeinsamen Ausflug zum Drachenfels gemacht“, erzählt Rüdiger Joswig, „das spricht für sich.“ In Düsseldorf geht es ähnlich vertraut zu, nach den Vorstellungen sitzt man gerne noch beieinander.

Das Berliner Ehepaar wohnt während des Gastspiels in der Hohe Straße. „Wir haben uns die Stadt auf langen Spaziergängen angeeignet und fühlen uns sehr wohl“, sagt Claudia Wenzel. „Der Hofgarten und die historische Altstadt gefallen uns am besten.“ Mit besonderem Interesse stand Rüdiger Joswig vor Heines Geburtshaus. Er ist dem Dichter zugeneigt und hat ein eigenes Heine-Programm entwickelt: „12 Lieder und Gedichte, dabei singe ich sogar Schumann.“ Der Schauspieler stammt aus Anklam, Claudia Wenzel aus Wittenberg. Beide waren mit exzellenter Ausbildung bereits in der DDR erfolgreich.

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Sie begegneten sich auf der Bühne in Leipzig und verliebten sich ineinander. Zunächst ohne Happy-end und unter seltsamen Umständen: Joswig hatte da bereits einen Ausreiseantrag gestellt und durfte trotz seines Berufsverbots ausnahmsweise noch einmal auftreten. Dem Ensemble wurde von der Intendanz eingebläut: „Es kommt ein Dissident, ein Verräter des Staates. Wir bitten Euch, keine privaten Worte mit ihm zu wechseln.“ Erst nach vier Jahren im Abseits konnte Rüdiger Joswig die DDR 1987 verlassen. Wie hält man das aus? „Indem man ein Ziel hat und weiß, es gibt kein Zurück mehr“, antwortet er, „ich wollte unbedingt aus diesem Land heraus.“

Nach der Wende traf sich das Paar wieder. „Wir hatten beide das Glück, in Westdeutschland wahrgenommen zu werden und nach kurzer Zeit mit großen Fernsehserien starten zu können“, sagt Claudia Wenzel. Er wurde als Kapitän Ehlers in der Serie „Küstenwache“ bekannt und spielte die Rolle 16 Jahre lang. Sie hatte es nach „Unser Lehrer Dr. Specht“ häufig mit Ärzten zu tun. Erst in „Dr. Stefan Frank“, seit 2008 als Gesundheitsdezernentin bei „In aller Freundschaft“ und aktuell beim „Bergdoktor“. Während der Düsseldorfer Zeit reiste sie sonntags einmal mit dem Nachtzug zu Dreharbeiten in den Schnee und stand montags vor der Kamera. Der Rückflug am Dienstag hatte so viel Verspätung, dass sie gerade noch pünktlich ankam.

„Da habe ich mit ihr gezittert“, sagt Rüdiger Joswig. Am liebsten spielen sie zu zweit, so wie jetzt, die langen Trennungen von früher vermeiden sie. Schon deshalb sei „Alle unter eine Tanne“ ein Glücksfall. Der Reiz der Komödie, sagt Joswig, läge in dem weiten Bogen, den sie schlägt: „Du kannst herzhaft lachen, aber dazwischen blitzt Ernsthaftigkeit auf. Die Zuschauer erkennen sich an vielen Stellen wieder.“ Wenn Elli als reife Frau von ihrem Leben mit einem viel jüngeren Liebhaber erzählt und ihre seelischen Nöte nicht verschweigt, wird es still im Saal. Bis sich am Ende alles in Heiterkeit auflöst.

„Natürlich hatten wir Bedenken, ob sich in diesen Wochen überhaupt jemand ins Theater traut, obwohl hier alles sicher ist“, sagt Claudia Wenzel. „Das Stück hat nach anfänglichem Zögern jetzt einen guten Zulauf. Beim Applaus bedanken wir uns immer bei den Leuten, dass sie gekommen sind.“

Viel Grund also, die Adventszeit fern der Heimat zu genießen. Die Schauspielerin hat die Wohnung weihnachtlich geschmückt und backt Plätzchen, „Bärentatzen und Vanillekipferl nach Großmutters Rezept“. Heiligabend werden in ihrer Familie traditionell Biersuppe, Kartoffelsalat und Würstchen aufgetischt. Nach der Weihnachtspause geht es zurück ins „Theater an der Kö“. Richtig sportlich wird es beim Silvester-Marathon mit gleich drei Vorstellungen. Trotzdem freuen sie sich darauf: „Bei der letzten ab 22.30 Uhr begrüßen wir um Mitternacht gemeinsam mit dem Publikum das neue Jahr.“