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Christopher von Deylen spielte live fürs Autoradio

Konzert im Autokino : Schiller muss improvisieren

Beim Konzert im Autokino hatte der Elektro-Musiker mit einigen Technikproblemen zu kämpfen, für die er jedoch spontane Lösungen fand. Mit dabei: Thorsten Quaeschning, der musikalische Leiter von Tangerine Dream.

Der elektronische Musik Schiller hat sich auf sein erstes Autokino-Konzert gefreut – auch weil viele Fans ihm berichten, dass sie seine Musik gern beim Autofahren hören. Nach der Premiere auf dem Düsseldorfer Messeparkplatz wird ihm allerdings klar geworden sein, dass das kein Konzept für die Zukunft ist, allenfalls ein Behelfsinstrument, um im Moment überhaupt Live-Konzerte zu geben.

Gegen halb zehn, die Sonne ist hinter einer dichten Wolkendecke längst untergegangen, spricht der 49-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Christopher von Deylen heißt, mit nervöser Stimme zum Publikum: „Ich bitte, euch einfach einzulassen auf diesen durch technisches Ungemach verursachten Abend.“ Zum zweiten Mal hat er seinen Auftritt da schon abbrechen müssen, weil die Technik hakt, auf einmal kein Ton mehr über die FM-Frequenz auf die Auto-Lautsprecher dringt.

Der Musiker entscheidet kurzerhand, einen Teil, der eigentlich erst für das letzte Drittel vorgesehen war, vorzuziehen. Thorsten Quaeschning kommt auf die Bühne, der seit fünf Jahren musikalischer Leiter von Tangerine Dream ist, der Ambient-Elektro-Gruppe, die in den 1980er-Jahren Pionierarbeit leistete und Schiller ein großes Vorbild ist. Es kommt zur absurden Situation, dass Quaeschning hinter einem Elektronikturm am linken Bühnenrand verschwindet, während Schiller rechts hinter Keyboards und Samplern und Synthesizern steht. Sie trennt eine Distanz von geschätzt 20 Metern und ein Technik-Mitarbeiter muss hin- und herlaufen, um den Musikern bei Absprachen zu helfen. Schließlich informiert Christopher von Deylen sein Publikum, das nur mit aufblitzenden Scheinwerfern und Hupgeräuschen kommunizieren darf. Wer das Fenster zu weit runterdreht, wird verwarnt: „Wir beginnen in a-Moll, das hat den Vorteil, dass es nur weiße Tasten hat.“ Die beiden Legenden einigen sich also tatsächlich auf eine Improvisation in einer Tonart – wie Bluesmusiker nach dem fünften Whisky?

Immerhin erlebt das Publikum in der Folge rund eineinhalb Stunden elektronische Musik, die wie eine Vermählung der Klassiker „Berlin – Moskau“ von Schiller und „Love On A Real Train“ von Tangerine Dream klingt – echte Fernweh-Trigger also. Über die große Leinwand laufen Bilder von Landschaften und Städten, die Schiller auf Reisen mit einer Drohne aufgenommen hat. Eine Lasershow inszeniert den Nieselregen, bildet ein gemeinsames Dach über den 350 Besuchern, die isoliert in ihren Blechboxen sitzen, sich im besten Fall von der Musik wegtragen lassen, von fernen Orten träumen und sich fragen, wann sie sie wieder bereisen dürfen – oder wenigstens das Fenster runterdrehen.