Buch-Talk in der Stadtbücherei

In der Stadtbücherei stellten Düsseldorfer ihre Lieblingsbücher vor: Was Düsseldorf liest

„Buch-Talk Ddorf“ in der Stadtbibliothek: Die persönlichen Schätze der Literaturfreunde kommen auch ohne Preise aus.

Die Situation wirkt wie aus der Zeit gefallen: Menschen sitzen zusammen in einer Bibliothek und unterhalten sich miteinander – über Bücher. Sie reichen ihre Lieblingsexemplare im Kreis herum, nicht auf einem E-Reader, sondern in echt. Im Plenum erzählen sie einander die Handlung, am Ende wird geklatscht. Ja, wo sind wir denn? Hat hier keiner einen Netflix-Account? Doch, wahrscheinlich schon. Trotzdem haben sich die rund 40 Besucher an diesem kalten Abend für den „Buch-Talk Ddorf“ in der Düsseldorfer Stadtbibliothek entschieden. Sie berichten leidenschaftlich über die 20. Fortsetzung einer Krimi-Reihe, einen philosophischen japanischen Roman und ein Sachbuch mit Landkarten, die nicht stimmen.

Die Sanduhr wird umgedreht – die vorgesehenen fünf Minuten laufen. Michael Arounopoulos räuspert sich, er ist einer der zwei „normalen“ Besucher, die sich schon bei dem ersten „Buch-Talk“ trauen, ihr Lieblingswerk vorzustellen. An diesem Abend kommen die Mitarbeiter der Bibliothek häufiger als die Besucher zu Wort. Arounopoulos hat sich für „Die Moselreise“ entschieden. Geschrieben von dem damals elfjährigen Hanns-Josef Ortheil ist es mehr als nur ein Tagebuch. „Man beobachtet einen Autor bei seiner Entstehung. Für ein Kind sind die Tiefe der Erkenntnisse und die Genauigkeit der Beobachtungen erstaunlich.“ Es ist kein neues Buch und auch kein Pulitzerpreisträger. Hört man Arounopoulos zu, will man es trotzdem am liebsten sofort kaufen. „Es ist ein kleines Juwel“, sagt er.

Die Bücher, die einem am Herzen liegen, müssen eben nicht immer preisgekrönt oder aktuell sein. Manchmal führen sie ein Nischendasein. So wie das Lieblingsbuch von Sonja Meier, der „Atlas der erfundenen Orte“ von Edward Brooke-Hitching. Es ist ein Band mit Landkarten, die allesamt falsch sind: Man findet Inseln, die mal entdeckt wurden, aber später im Ozean versanken, eine Skizze vom paradiesischen Land Atlantis und eine Zeichnung von der Erde als Scheibe. Meier hat Geschichte studiert, heute arbeitet sie in der Stadtbibliothek. Das Buch mit den zahllosen Karten hat sie zufällig durch einen E-Mail-Verteiler gefunden. Seit zwei Jahren steht es in ihrem Bücherregal, immer wieder blättert sie darin. „So ein Buch hätte ich mir im Studium gewünscht“, sagt sie.

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Ein Werk aus einer ganz anderen Nische hat Tobias Schegerer mitgebracht: „Sanshiros Wege“ von Natsume Soseki. Es ist ein Werk aus dem frühen 20. Jahrhundert, welches das Leben im damaligen Japan schildert, politisch und philosophisch. „Je mehr man liest, desto mehr Ebenen eröffnen sich einem“, sagt der Manga-Liebhaber.

Auch Norbert Kamp, der Direktor der Stadtbibliothek, hat sich dazu gesetzt – seinen Beruf verrät er den anderen Teilnehmern nicht, dafür aber sein Lieblingsbuch. Es ist kein Einzelwerk, sondern eine ganze Reihe – eine, die ihn schon sein Leben lang begleitet. Es sind die Inspector-Lynley-Romane von Elizabeth George, mittlerweile sind 20 von ihnen erschienen. Den ersten las Kamp mit 30, bald wird er 60, die Faszination von damals bleibt ungebrochen. „Es sind zeitlose Bücher, insgesamt 17.000 Seiten, aber jede einzige lohnt sich“, sagt der Direktor. Er muss es wissen, denn er hat sie (in 30 Jahren) alle verschlungen.

Info Der nächste „Buch-Talk Ddorf“ findet statt am Dienstag, 24. April, ab 18.30 Uhr in der Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1.

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