Düsseldorf: Blumio rappt gegen Gewalt und für mehr Toleranz

Düsseldorf: Blumio rappt gegen Gewalt und für mehr Toleranz

Der Düsseldorfer Künstler Blumio wurde jüngst mit dem Kulturförderpreis der Stadt ausgezeichnet.

Fumio Kuniyoshi, genannt Blumio, macht gerne Faxen. Er faltet die Hände vor der Brust, verdreht die Augen Richtung Himmel, schaut halb unschuldig, halb verschmitzt. Was das darstellt? "Keine Ahnung", sagt der 28-Jährige und lacht kurz. Er improvisiert eben gerne, probiert Neues aus und lässt sich treiben. Mit 13, als Kuniyoshi Rap und HipHop-Musik für sich entdeckte, stieß er damit noch an manche Grenzen. "Anfangs war ich das schwarze Schaf in der Familie. Ich habe in der Schule den Rebellen raushängen lassen. Statt Hausaufgaben zu machen, habe ich immer nur Texte geschrieben", sagt der in Hilden geborene Sohn japanischer Eltern. Aus dieser Zeit stammt auch sein Künstlername. Den erfand ein Freund im Rausch. ",Du siehst aus wie eine Blume, wie Blumio eben', hat er gesagt. Von da an haben mich alle Blumio genannt", erklärt Kuniyoshi.

Seine Eltern hätten ihn damals gerne als erfolgreichen Geschäftsmann gesehen, mit Studium. Doch dazu kam es nicht. "Ich bin dreimal sitzengeblieben, und damit war meine gymnasiale Karriere beendet." Als Rapper allerdings kam er ein ganzes Stück weiter. Mit 17 Jahren gewann er einen Rap-Wettbewerb, Produzenten wurden auf ihn aufmerksam. "Damals trug ich noch Pilzkopf und Zahnspange", erinnert sich der Künstler. Der Titel des Liedes war so provokant wie seine Haltung: "Küss meinen Arsch". Darin ging es allerdings um die kritische Betrachtung des Weltgeschehens, sagt der Rapper. Das ist ihm nach wie vor wichtig. In Liedern wie "Hey Mr. Nazi" thematisiert er Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile, will aber damit vor allem für Toleranz werben und für den Glauben, dass ein Mensch sich ändern kann. "Viele anti-rechte Lieder beschimpfen Neo-Nazis oder machen sich über sie lustig", sagt Kuniyoshi. "Politische Lieder brauchen aber einen Lösungsansatz, sie sollen schließlich zum Umdenken anregen."

Um noch direkter auf das politische Geschehen eingehen zu können, präsentiert Blumio jetzt auch Nachrichten in Rap-Form im Internet. Dabei versucht er, einen anderen Blickwinkel auf die aktuellen Themen zu finden, als dies in den Medien gängig ist. "Eigentlich sind meine Rap-Nachrichten eher kritische Kommentare", sagt der Rapper. Als musikalisches Vorbild nennt er eine Band, die mit seiner Musik nichts gemein zu haben scheint: die Beatles. "Die haben sich immer wieder neu ausprobiert und weiterentwickelt und sind dabei immer gut geblieben", sagt er bewundernd.

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Weiterentwickeln will er sich mit seinem neuen Album "Blumiologie", das in diesem Jahr erscheinen soll. Ein Traum sei es außerdem, einmal ein Album auf Japanisch zu produzieren. "Im Mai fahre ich nach zehn Jahren wieder nach Japan. Dort gibt es eine große HipHop-Szene", sagt er. Nach dem Atomunglück in Fukushima geht er außerdem regelmäßig zu Demonstrationen gegen Atomkraft in Düsseldorf. "Düsseldorf vereint alles, was ich gern habe, und das in ziemlich kompakter Form." Mittlerweile wohnt Blumio in Derendorf. "Mit Hund und Freundin." Er hat sich eine Nudelmaschine zugelegt und kocht für sein Leben gern. Blumio grinst. "Ich bin ein Spießer geworden."

Der Düsseldorfer Rapper Blumio arbeitet derzeit an seinem vierten Album "Blumiologie".

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