Düsseldorf: Bisher ungekannte Idiotien: Satire von Hans Holzbecher

Düsseldorf: Bisher ungekannte Idiotien: Satire von Hans Holzbecher

Ein Indikativ. So hieß das früher einmal, wenn eine Musik, die jeder kannte, etwas ankündigte, das jeder kannte. Im "Kom(m)ödchen" hörte man am Wochenende den Indikativ von "Star Trek". Und Hans Holzbecher kündigte an, mit seinem virtuellen Raumschiff in Idiotien vorzudringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Ein Satz von Angela Merkel aus dem letzten Wahlkampf hat es ihm dabei angetan: "Nur Person und kein Programm, das kann ich nicht empfehlen." Dieser Erkenntnis folgend baut Holzbecher in sein Zwei-Stunden-Programm so ziemlich alles ein, was die Menschen in der Realität aufzuregen vermag.

Dazu gehört auch der Kölner Dom. Wie das? In einem Bewertungsportal für die Sehenswürdigkeiten unserer Nachbarstadt schreibt doch tatsächlich ein User: "Also ich war drin, aber das lohnt sich nicht wirklich." Da geht das Publikum zusammen mit dem Kabarettisten und Hausregisseur des "Kom(m)ödchens" auf die Barrikaden. Ein Weltkulturerbe, auf dem Fundament eines römischen Tempels in 600 Jahren erbaut, mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige, das soll sich nicht lohnen?

Mit eigenen Songs und intelligenten Texten dockt Holzbechers Raumschiff auch in der Welt der Wirtschaft an. Hemmungslose Gier der Manager, gepaart mit rücksichtsloser Personalführung, etwas ist faul im Staat der Dax-Vorstände. Jetzt ist es nicht mehr die Kanzlerin sondern Berti Vogts, der ihm auf die Gedankensprünge hilft: "Die Realität sieht manchmal anders aus als die Wirklichkeit." Schnell weiter in eine neue Idiotie. Ein echter Höhepunkt des Abends ist die Welt der Verschwörungstheorien. Holzbechers Powerpoint-Präsentation kommt hier ohne Beamer aus. Mittels Magnetklötzchen auf einer Schautafel weist er nach, wie Florian Silbereisen, der "Osama der Volksmusik", mit der Katastrophe vom 11. September zusammenhängt. Unerhört ist das, unglaublich, aber hat Gott nicht auch die Welt in nur einer Woche mit seinem Thermomix geschaffen?

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"3-Sterne-Eden" heißt Hans Holzbechers neues Programm. Der Name verweist auf ein heruntergekommenes Berliner Hotel, "so dreckig, dass selbst die Silberfische Badelatschen tragen". Dort ruht der Kommandant des virtuellen Raumschiffs gelegentlich aus und jammert auf galaktischem Niveau. Zur Begeisterung des Publikums.

(RP)