1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Kultur

Kunststreit in Düsseldorf: Beuys-Weggefährte verteidigt Fettecken-Schnaps-Aktion

Kunststreit in Düsseldorf : Beuys-Weggefährte verteidigt Fettecken-Schnaps-Aktion

Im Streit um die Verarbeitung der Reste von Joseph Beuys' berühmter Fettecke zu Schnaps hat ein alter Weggefährte die Kunstaktion verteidigt. Mit der Destillation sei lediglich der unwürdige Zustand der Reste der staatlich zerstörten Fettecke beendet worden, teilte Heinz Baumüller mit, der die Aktion mit einer Rede begleitet hatte. Dies sei eigentlich "ein wunderbarer Gedanke".

Er verstehe den Zorn der Beuys-Witwe daher nicht. Schließlich sei kein Beuys-Werk zerstört worden, dieses sei bereits vor 28 Jahren durch den Staat geschehen. "Als Freund und Mitarbeiter von Beuys setze ich mich gegen diesen Trugschluss vehement zur Wehr. Denn Beuys selbst kann dies ja leider nicht mehr", schreibt Baumüller.

Die Künstler-Witwe Eva Beuys hatte empört auf die Performance-Aktion reagiert und lässt sie juristisch prüfen. Eva Beuys hatte die Destillierungsaktion dreier Künstler als "unglaubliche Unverschämtheit" verurteilt. Sie sieht darin eine Verletzung des Urheberpersönlichkeitsrechts ihres 1986 gestorbenen Mannes.

Die Ausstellung und Verbreitung der Schnapsflasche mit dem Etikett verletze die Urheberrechte von Joseph Beuys, heißt es in einer Stellungnahme der Berliner Kanzlei. Die auf dem Etikett abgebildete Fotografie der Reste der Fettecke sei eine "unzulässige Vervielfältigung". Durch die Hervorhebung des Namens von Joseph Beuys werde der "unzutreffende Eindruck" erweckt, es handele sich bei den Resten der Fettecke auch nach ihrer Destillation zu Schnaps noch um ein Beuys zuzurechnendes Objekt.

Kunstpalast-Direktor Beat Wismer hatte die Aktion damit gerechtfertigt, dass der Fettrest nach der Zerstörung und Entfernung der gesamten Fettecke aus Beuys' Professorenatelier 1986 "kein Kunstwerk mehr war". Diese Auffassung hatte auch der Beuys-Schüler Johannes Stüttgen vertreten, der den Fettecken-Rest für die Schnapsbrennerei zur Verfügung gestellt hatte.

(dpa)