Bamberger Symphoniker in der Tonhalle: Glänzender Abend mit der Stradivari „Joachim“

Bamberger Symphoniker in der Tonhalle : Glänzender Abend mit der Stradivari „Joachim“

In der Tonhalle spielten die Bamberger Symphoniker unter der Leitung von Jakub Hrúsa und mit Geiger Ray Chen ein großes Konzert.

Wie ein Korb voller erlesener Gaben, so fühlte sich das Programm des Gastspiels der Bamberger Symphoniker in der so gut wie ausverkauften Tonhalle an. Mit keinerlei quälenden Dissonanzen wurde das Publikum konfrontiert – hier durfte es nur genießen.

Die Bamberger – seit 2016 unter der Leitung des Tschechen Jakub Hrúsa, dessen Vertrag bereits bis 2026 verlängert wurde – kamen in großer Besetzung, sodass sowohl der Dirigent als auch die Musiker klanglich aus dem Vollen schöpfen konnten. Hrúsa tat ein Übriges, indem er mit zwar genauer, aber leichter Hand ordnend tätig war, was bei Instrumentalisten solcher Güte offensichtlich eine motivierende Wirkung hat.

Am Anfang schenkten die international renommierten Gäste dem Düsseldorfer Publikum ein Vorspiel zu Richard Wagners „Lohengrin“ vom Allerfeinsten. Nach dem vielstimmigen und gefürchteten Einstieg der makellosen Violinen steigerte sich das Orchester ganz organisch mehr und mehr und endete in einem ekstatischen Klangrausch.

Solist Ray Chen, der 30-jährige taiwanesisch-australische Geiger, der am Curtis Institute of Music in Philadelphia studierte, hatte eines der beliebtesten Violinkonzerte mitgebracht: das Erste in g-Moll op.26 von Max Bruch. Chen, der seine Stradivari „Joachim“ (1715) beherrscht, als sei das alles ein Kinderspiel, überzeugte nicht nur mit virtuoser Leichtigkeit und, wenn nötig, mit beherztem Zugriff. Er wusste auch die kompositorischen Tiefen des Mittelsatzes mit faszinierender Klangschönheit und unendlicher Ruhe auszuloten. Das Orchester, dem er am Schluss immer wieder ausdrücklich dankte, ließ sich von seinem einnehmenden Spiel gerne mitreißen. Dem frenetischen Beifall entsprach der freundliche Solist gerne mit zwei hoch anspruchsvollen Zugaben.

In Johannes Brahms‘ 1. Sinfonie c-Moll op.68, einem Werk, das den stets mit sich hadernden Tonsetzer zehn Jahre lang beschäftigte und das dann zu einer seiner bedeutendsten Kompositionen geriet, konnten alle Instrumentengruppen ausgiebig glänzen – von ihrem jede Nuance auslotenden Dirigenten Jakub Hrúsa stets aufmunternd geleitet. Vor allem der Solooboist, aber auch alle anderen Holzbläser-Solopulte, die tonschönen Hörner, das im letzten Satz so dezent wie feierlich agierende Blech, der ausgezeichnete Paukist und immer wieder die bewundernswert flexiblen und homogenen Streicher, ihnen allen gelang eine Brahms-Interpretation, die in jeder Phase faszinierte. Das galt dank deren Durchsichtigkeit für die ersten drei Sätzen und dank der symphonischen Wucht auch für das Finale.

Vom Beifall umtost, spielten Hrúsa und die Bamberger Symphoniker noch eine temperamentgeladene Zugabe.