Düsseldorf: Axel Kober dirigiert auch 2015 in Bayreuth

Düsseldorf: Axel Kober dirigiert auch 2015 in Bayreuth

Der Generalmusikdirektor der Rheinoper leitet jetzt abermals "Tannhäuser " bei den Festspielen. 2015 übernimmt er den "Holländer".

Das Pult des Dirigenten im Orchestergraben ist in jeder Hinsicht ein Platz an der Sonne. Der Dirigent sieht gut, hört gut, keine Nachbarin dieselt ihm schweres Parfüm in die Nase, kein Nachbar schnarcht - und er, der Dirigent, bestimmt allein, wie laut und wie schnell der Abend vorübergeht.

In Bayreuth ist alles anders. Im berühmten mythischen Graben ist es warm wie in der Hölle, es klingt völlig anders; die Balance zwischen Bühne und Graben ist extrem kompliziert herzustellen. In Bayreuth darf der Dirigent aber in kurzen Hosen arbeiten, denn keiner sieht ihn.

Axel Kober, der Generalmusikdirektor (GMD) der Deutschen Oper am Rhein, wird heute in einer Woche die diesjährigen Bayreuther Festspiele eröffnen, die Kanzlerin wird gewiss jubeln - vielleicht umso mehr, als der von Kober dirigierte "Tannhäuser" jedenfalls in der Inszenierung von Sebastian Baumgarten sehr gewöhnungsbedürftig ist. Schon im Premierenjahr sah man etliche Besucher am Grünen Hügel, die den Aufführungen mit geschlossenen Augen beiwohnten. Bei Kober kamen sie im vergangenen Jahr auf ihre Kosten (die nicht unerheblich sind) - als Bayreuth-Neuling schlug er sich so ausgezeichnet, dass ihm sogleich das Angebot unterbreitet wurde, dass er auch 2014 wieder den "Tannhäuser" dirigieren möge.

Wer gestern mit Kober telefonierte, erlebte den Musiker im Moment des großen Durchatmens. Vorgestern Abend war Generalprobe des diesjährigen "Tannhäuser", und jetzt hat Kober eine Woche Pause bis zur Premiere am 25. Juli. "Derzeit ist es hier sehr angenehm, natürlich sonnig, aber noch kein Brutkasten - das Festspielhaus heizt sich erst während der Spielzeit in den kommenden Wochen auf", berichtet Kober von der Probenarbeit.

Diesmal, in seinem zweiten Jahr, sei die Arbeit für ihn schon "deutlich entspannter". Der aus dem nahen fränkischen Kulmbach stammende GMD erzählt weiter: "Ich habe im vergangenen Jahr die besonderen Verhältnisse hier am Haus kennengelernt. Die Arbeit geht jetzt zwar unvermindert weiter, wenn man eine Wiederaufnahme plant, aber bei vielen Dingen weiß ich jetzt schon im Vorhinein, wie sie ablaufen und wie sie klingen werden."

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Das Festspielorchester sei ihm zu Teilen schon aus dem vergangenen Jahr vertraut, "obwohl natürlich immer auch Neulinge dabei sind". Das macht die Arbeit spannungsreich, weil jedes Mal aufs Neue an der Koordination gefeilt werden muss. Und immer wieder dieser einzigartige Platz am Dirigentenpult: "Es gibt keinen anderen Ort der Welt, der mit diesem hier im Bayreuther Graben vergleichbar wäre."

Kober genießt also das uneingeschränkte Vertrauen der Festspielleitung, die bekanntlich nur noch in diesem Jahr aus dem Konkordat der beiden ungleichen Schwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier besteht. Letztere möchte in Zukunft ausschließlich beratend für Bayreuth tätig werden, weil man diese Mischung aus Schlangengrube und Rumpelkammer auf Dauer nicht ohne Schäden an Leib und Seele erträgt. Immerhin haben die Geschwister Wagner dieser Tage Kober gefragt, ob er im kommenden Jahr den "Fliegenden Holländer" übernehmen möchte. Das wäre dann die zweite Bayreuth-Produktion, bei der er der direkte Nachfolger Christian Thielemanns ist. Kober hat jedenfalls zugesagt, was ihn nun in absehbarer Zeit in den Rang des Bayreuth-Veteranen erheben wird.

Ohnedies hat Kober guten Grund, seine weitere Karriere entspannt zu betrachten. Neben seinen Verpflichtungen an der Düsseldorfer und Duisburger Rheinoper macht er in der kommenden Saison "Tannhäuser" an der Deutschen Oper Berlin, "Tristan und Isolde" in Straßburg und "Carmen" an der Hamburgischen Staatsoper. Wer Kober kennt, der weiß, dass ihn das Hamburger Engagement besonders freut. Er mag es nicht so sehr, als Wagner-Spezialist angesehen zu werden. Und in der Tat, wer unlängst erleben konnte, wie hochmusikalisch, blitzgescheit und auf dem Boden der historisch informierten Aufführungspraxis er eine unschuldig scheinende Haydn-Sinfonie in der Tonhalle geleitet hat, der weiß, dass dieser bescheidene und sehr kompetente Musiker viele musikalische Neigungen hat.

Trotzdem ist es nicht verwerflich, in einem Bereich Spezialist zu sein. Und wenn es den Effekt hat, dass man regelmäßig am Grünen Hügel arbeiten darf, schon mal gar nicht. Kober fügt sich dort in die Liste großer Rheinopern-Dirigenten, die in Bayreuth einschlugen wie Wagners Schwert Nothung, nahtlos ein.

(RP)
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