Eklat bei Intendantensuche in Düsseldorf: Ausweg im Schauspielstreit gesucht

Eklat bei Intendantensuche in Düsseldorf : Ausweg im Schauspielstreit gesucht

Nach dem Eklat bei der Intendantensuche für das Schauspielhaus wollten NRW-Kulturministerin Ute Schäfer und OB Dirk Elbers gestern über das weitere Vorgehen sprechen. Die Öffentlichkeit sollte zunächst nicht informiert werden.

Der Schock sitzt tief in Düsseldorf nach dem Zerbrechen der Findungskommission für einen neuen Schauspielhaus-Intendanten. Der Aufsichtsrat des Theaters wird zu einer Sondersitzung zusammenkommen, doch noch suchen die Beteiligten nach einem Termin.

Auch ist noch unklar, wer das weitere Verfahren der Intendantensuche in die Hand nehmen wird. Eine kleine Expertenrunde wäre denkbar, auch könnte der Kulturdezernent oder ein Vertreter des Landes die weitere Erkundung in Vieraugengesprächen mit Bewerbern vorantreiben. So sind frühere Intendanten in Düsseldorf gefunden worden, und auch andere Städte haben mit diesem vertraulichen Verfahren gute Erfahrungen gemacht. In Köln etwa gelang es dem noch amtierenden Kulturdezernenten Georg Quander, den Schweizer Regisseur Stefan Bachmann ans Schauspielhaus zu holen. Nach den heftigen Auseinandersetzungen der dortigen Kulturpolitik mit der erfolgreichen Intendantin Karin Beier hatte auch Quander keine leichte Mission.

Damit nun aber auch in Düsseldorf die Intendantensuche erfolgreich fortgesetzt werden kann, müssten das Land NRW und die Stadt Düsseldorf sich darauf verständigen, wer die Gespräche weiter führt. Und mit welchem Ziel. Dass es in dieser Frage geknirscht hat zwischen Stadt und Land, hatte schon die mit elf Mitgliedern üppig besetzte Findungskommission gezeigt.

Denn in die waren nicht nur Experten berufen worden, sondern auch paritätisch Vertreter von Stadt und Land - anscheinend mussten also von vornherein unterschiedliche Interessen ausgeglichen repräsentiert werden. NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) und Düsseldorfs Oberbürgerbürgermeister Dirk Elbers (CDU) wollten das weitere Vorgehen in einem persönlichen Telefonat klären, gaben aber keine Auskunft dazu, ob es dazu bereits gestern gekommen ist.

SPD und Grüne im Düsseldorfer Stadtrat wollen morgen Fragen zum Eklat bei der Intendantensuche in den Stadtrat einbringen. Sie möchten vom Oberbürgermeister unter anderem wissen, wie er den Schaden für das Schauspielhaus einschätzt, die Indiskretionen aufklären und bei der Intendantensuche weiter vorgehen will. Der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion und des Kulturausschusses, Friedrich Conzen, griff dagegen das Land an, wehrte sich gegen Verdächtigungen gegenüber der Stadtspitze und mahnte, dass das Schauspielhaus wieder in das ruhige Fahrwasser zurückgelenkt werden müsse, in das es zuletzt gefunden hatte.

Spricht man mit führenden Theaterleuten außerhalb der Stadt, trifft man auf recht einhellige Meinungen dazu, warum die Intendantensuche in Düsseldorf sich so schwierig gestaltet. In der Szene gilt die Stadt als wenig theaterfreundlich. Schon die Lage des Schauspielhauses mit seiner von der Stadt abgewandten Front und dem großen, öden Vorplatz dokumentiere, wie viel Distanz es zwischen Bühne und Bürgern gebe, hört man da. Außerdem fürchten viele Theatermacher, dass in Düsseldorf vor allem repräsentatives Theater mit prominenten Schauspielern gefragt sei, es dagegen nicht den langen Atem gebe, einen vielleicht noch nicht so etablierten Theaterleiter und sein Ensemble wachsen zu lassen.

Was an diesem Bild Klischee ist, was Wahrheit, ist dabei nicht die Frage. Entscheidend ist, dass sich Düsseldorf bei der weiteren Intendantensuche darauf einstellen muss, bei möglichen Kandidaten auf Vorbehalte zu stoßen. Und das, obwohl das Schauspielhaus mit dem Central über hervorragende Probenmöglichkeiten verfügt, als Staatstheater finanziell gut ausgestattet ist und auf eine Theatertradition zurückblicken kann, die jungen Theatermachern Herausforderung und Ansporn sein könnte. Stadt und Land haben also einen Schatz zu vergeben und benötigen nun einen oder mehrere Botschafter, die das zu vermitteln wissen.

Wie viel Transparenz dieses Verfahren verträgt, darüber sind sich auch Fachleute uneinig. Die Befürworter von Findungskommissionen betonen, dass es dem Auswahlprozess guttut, wenn Experten über die Kandidaten diskutieren und ihre Vorschläge im kleinen Kreis verteidigen müssen.

Doch setzt das idealtypisch voraus, dass herrschaftsfrei gesprochen werden kann. Gegner dieser Verfahren führen dagegen ins Feld, dass in Findungskommissionen oft Lobbyarbeit betrieben werde und das Verfahren auch keine Transparenz biete. Radikale Vertreter dieser Position fordern daher, dass die Spitzenposten in öffentlich finanzierten Theatern auch in öffentlichen Verfahren besetzt werden sollten. Dies hätte aber negative Folgen für das Ansehen abgelehnter Kandidaten. Daher dürften solche Vorschläge wohl Theorie bleiben.

(jco/top)