"Alpensinfonie" in der Düsseldorfer Tonhalle

Symphoniekonzert : Musikalisches Gipfelglück

Richard Strauss’ „Alpensinfonie“ erklang im Symphoniekonzert in der Tonhalle.

Sagenhafte 117 Jahre ist es her, dass die Düsseldorfer Symphoniker Mozarts Klavierkonzert KV 450 zuletzt aufgeführt haben. Wie kann das sein, mozartet es doch in jeder Spielzeit rauf und runter, auch mit seinen insgesamt „nur“ 23 Klavierkonzerten?

Es scheint ein Spiegel des Marktes zu sein, dass dieses in der Musikgeschichte ob seiner erstmals so prägnant eingesetzten Holzbläser revolutionäre Werk aus dem Repertoire der Tastenstars verschwunden ist. Zu wenig brillant, nicht übermäßig sanglich, dann auch noch ganz schön knifflig. Da kriegt der Künstler zu wenig Sonne ab von Mozart, meinen die Agenten.

Nicht so Sergei Babayan, Armenier mit Wohnsitz New York. Er muss niemandem mehr beweisen, dass er ein hervorragender Pianist ist, er spielt diese wunderbar galante Preziose so leicht und licht und liebenswert, dass man ganz angetan ist von dieser Mischung aus Raffinement und Einfachheit.

Gerade im an Synkopen reichen Andante mit seinen entzückenden Variationen perlt Babayan pures Silber aus den Fingern. Asher Fisch am Pult der auf Kammerorchester geschrumpften Symphoniker kann mit wenigen Akzenten die Details modellieren und zugleich die wunderbaren Proportionen der drei Sätze.

Die wenigsten der Sternzeichen-Besucher in vollbesetzter Tonhalle werden sich jedoch von dieser Spielplan-Rarität von einem Sonntagssonnenspaziergang haben abhalten lassen, eher schon von großformatiger Spätestromantik. Auf dem Programm steht Richard Strauss‘ „Alpensinfonie“, die so üppig besetzt ist, dass sogar die Seitenaufgänge zum Parkett überbaut – und damit geschlossen – werden mussten, damit das Orchester, so gerade eben, auf der Bühne Platz findet.

Für das 50-minütige Alpenpanorama bemüht der Soundmagier Windmaschine, Kuhglocken, Gewitterblech, setzt (neben sieben Schlagwerkern zwei Harfen, Orgel und Celesta) ein bis zum seltenen Heckelphon differenziertes Holz ein. Und rund 60 Streicher. Die Düsseldorfer Symphoniker lassen sich mitreißen von diesem nah am Kitsch gebauten Auf- und Abstieg mit seinen ohrenbetäubend mitreißenden Höhepunkten bei Sonnenaufgang und Gipfelglück, denen sich immer wieder Klänge beimischen, die 1915 auf der Höhe der Zeit waren.

Dafür ist dieses Orchester geschaffen. Und Asher Fisch hat offenbar den Ton gefunden, neben der Lust am Stück auch Klangdynamik und Zusammenspiel zu optimieren. Hinterher tobt der Saal.

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