Alice Schwarzer bei den „Düsseldorfer Reden“ im Schauspielhaus

Alice Schwarzer in Düsseldorf : „Die Musliminnen haben wir im Stich gelassen“

Die Journalistin Alice Schwarzer trat bei den „Düsseldorfer Reden“ im Schauspielhaus auf. Bei der Auseinandersetzung mit dem „Scharia-Islam“ hält sie besänftigende Zwischentöne für falsch.

Der Düsseldorf-Marathon konnte die Interessierten nicht davon abhalten, sich am Sonntagvormittag auf den Weg zum Schauspielhaus zu machen. Schon seit Monaten ausverkauft, füllten sich nur wenige Minuten nach dem offiziellen Beginn der Matinee mit Alice Schwarzer auch die letzten Plätze. In der Reihe „Düsseldorfer Reden“, die das Schauspielhaus gemeinsam mit der „Rheinischen Post“ veranstaltet, sprach die bekannteste deutsche Feministin über „Sexualgewalt, Macht und Parallelgesellschaften“.

Die 1942 in Wuppertal geborene Journalistin gehört sicherlich zu den kontroversesten Figuren des Landes. Sie sagt, was sie denkt, und sie tut es laut. Wer sie in eine Talkshow einlädt, weiß, dass es ordentlich zur Sache gehen wird. Das durfte auch bei den Organisatoren dieser von häufigem Zwischenapplaus des Publikums begleiteten Rede vermutet werden. Für das Ressort Kommunikation des Theaters lobte Marion Troja bei ihrer Einführung den Mut Schwarzers, „sich mit ihrer Meinung gegen die Mehrheit zu stellen.“

Zunächst aber ein Beginn mit dem, was die Rhetorik „Captatio benevolentiae“, also eine Umgarnung der Zuhörer nennt: Alice Schwarzer betonte ihre besondere Sympathie für Düsseldorf: „Für eine Elberfelderin, die als junge Frau mal etwas erleben wollte, war die Großstadt am Rhein so etwas wie die Vorstufe zu Paris.“ Danach aber kam sie richtig zur Sache. Dabei ging leer aus, wer sich ein weiteres Plädoyer in der „#Metoo-Debatte“ oder neue Weisheiten in der Gender-Frage erhofft hatte. Schwarzers zentrales, mit aller Verve präsentiertes Thema war der Vormarsch des politischen Islams, des „Scharia-Islams“, wie sie das von ihr beobachtete und bekämpfte Phänomen nennt. „Als Religion ist der Islam nicht mein Interesse, ebenso wenig wie dies das Christentum oder das Judentum wäre.“ Vielmehr ist sie davon überzeugt, dass ein international agierender Islamismus die Lebens-Freiheiten moderner Gesellschaften massiv bedroht.

Bei der Ankunft türkischer Gastarbeiter in den 70er Jahren habe die Religion noch keine besondere Rolle gespielt: „Die Deutschen nahmen ihre neuen Arbeitskollegen wohl als Fremde, vor allem aber als fleißige Mitarbeiter wahr. Es gab kaum Moscheen, und über die Religion des Morgenlands wussten nur wenige Bescheid.“ Eigentlich wäre es daher zu erwarten gewesen, dass die nachwachsenden Generationen der Türken in der deutschen Gesellschaft ihren voll integrierten Platz gefunden hätten. „Das Gegenteil ist leider der Fall. Mit der Agitation radikaler Islamisten seit den neunziger Jahren und der Ankunft hunderttausender junger Muslime kommt es zu einer neuen Apartheid der Geschlechter, zu einer Zurückdrängung der Frauen in die Privatsphäre.“

An Warnern vor diesem Rückfall in die Vormoderne habe es nicht gefehlt, so Alice Schwarzer weiter und meint damit nicht zuletzt ihre Zeitschrift „Emma“. Doch die 1997 mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren an den Start gegangene Publikation konnte dem negativen Trend aller Printmedien nicht standhalten: Inzwischen verkauft sich das alle zwei Monate erscheinende Heft weniger als 30.000 Mal. Dennoch: Lange vor den Ereignissen der Sylvesternacht 2015/2016 hat die Journalistin gemahnt, dass unsere Gesellschaft dem beginnenden Fundamentalismus in den Multikulti-Vierteln nicht energisch genug begegne. Damals schrieb sie in einem Beitrag für die „Frankfurter Sonntagszeitung“: „Dreißig Jahre lang gefiel sich der Westen in der Attitüde einer falschen Toleranz, die keineswegs alarmiert war von der Entrechtung der Frauen. Der Agitation von Islamisten setzte er nichts Positives entgegen, sondern sah weg. Gerade die Musliminnen haben wir im Stich gelassen, indem wir lieber über das Recht auf Kopftuch debattieren als über die Menschrechte für Frauen.“

In ihrer Auseinandersetzung mit dem „Scharia-Islam“ hält Alice Schwarzer besänftigende Zwischentöne für nicht angemessen. Weder die Religionsbehörde Ditib („ein Instrument des türkischen Präsidenten“) noch der Zentralrat der Muslime („gegründet von bekennenden Islamisten“) seien Partner für eine bessere Integration. Für noch gefährlicher aber erachtet sie „den Schulterschluss des Islamismus mit der radikalen Linken“ in Deutschland und Frankreich. Das bringt ihr natürlich keine Sympathien: „Für die Linken bin ich rechts, Rassistin und Nazi.“ Das Publikum am Gustaf-Gründgens-Platz sah die Sache wohl anders. Nach begeistertem Schlussapplaus erfuhr Alice Schwarzer auch in einer öffentlichen Fragerunde große Zustimmung für ihre Thesen.

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