Düsseldorf: Alexandra Waierstall tanzt den Hauschka

Düsseldorf: Alexandra Waierstall tanzt den Hauschka

Im Tanzhaus wurde "Abandoned Cities", das Album des Pianisten, auf die Bühne gebracht.

Die Menschentraube schiebt sich über die Bühne, kaum fassbar, dass die sechs Tänzerinnen und Tänzer nie den Kontakt miteinander verlieren. Sie sind Getriebene, wie Blätter im Wind, aber sie klammern sich aneinander, weil sie kaum mehr haben als sich selbst. Eine der bewegendsten Szenen an diesem Abend. "A City Seeking its Bodies" heißt das Stück, für das sich Tanzhaus-Factory-Artist Alexandra Waierstall und der Düsseldorfer Pianist und Komponist Volker Bertelmann alias Hauschka in einer Uraufführung zusammengetan haben.

Hauschka hat im letzten Jahr das Album "Abandoned City" vorgelegt, Alexandra Waierstall hat sich davon inspirieren lassen. Die Musik schließt motivisch an das Album an, durch Streicher verstärkt gewinnt sie neue, düstere Klangfarben, zu denen auch Kai Angermann mit Elektronik und Perkussion beiträgt. Alexandra Waierstall illustriert das Thema Menschen, deren ursprünglicher Lebensraum zerstört ist, und wer denkt in diesen Tagen nicht an Bürgerkrieg und Terror, zerstörte Städte und Menschen auf der Flucht?

Immer wieder tauchen diese Bilder auf, in der etwas zögerlichen Eröffnungsszene liegen die Tänzer auf der Bühne wie bewusstlos, rollen sich langsam nach hinten, dort, wo starke Videosequenzen winterliche, karge Flusslandschaften zeigen, die Natur hat wieder an Boden gewonnen, dort, wo die Menschen die urbanen Landschaften dem Boden gleichgemacht haben. Hauschkas Musik hat fast jeden versöhnlichen, besänftigenden Tonfall verloren, er setzt den präparierten Flügel nur sparsam ein, als wäre hier jeder Laut zu viel.

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Eine weibliche Stimme zählt die Orte auf, die von den im Titel angesprochenen Körpern gesucht werden. Sie gehört der Tänzerin Dani Brown, die nicht nur hier einen beeindruckenden Beitrag liefert. In einer Szene entledigt sie sich ihres Oberteils, flüchtet sich schutzsuchend unter die Arme der anderen. Ganz ohne plumpe Zurschaustellung geht das, es ist die Suche nach Behausung, die hier thematisiert wird. An anderer Stelle laufen die Akteure über die Bühne, passieren eine Art menschlichen Schlagbaum, ein Hindernis, das sie überwinden müssen.

Diese Szene zeigt jedoch auch etwas von der Problematik der Inszenierung auf: Manches Mal scheinen die Bilder zu sehr am Thema zu sein, neigen auch zu einer Ästhetisierung, wo vielleicht etwas Raueres gefragt sein könnte. Dennoch, ein beeindruckender Abend vor fast voll besetztem Haus, der mit Spannung erwartet worden war und letzten Endes überzeugte, auch wenn er nicht alle Erwartungen erfüllen konnte.

Dennoch, eine konsequente Weiterführung der neuen Wege im Tanzhaus, auch eine Verknüpfung von Talenten.

(RP)
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