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Düsseldorf: Akrobatik und Provokationen beim Poetry Slam im Schauspielhaus

Düsseldorf : Akrobatik und Provokationen beim Poetry Slam im Schauspielhaus

"Dead Or Alive" heißt die Veranstaltung, bei der junge Dichter gegen die Texte toter und berühmter Kollegen antreten. Langweilig wurde es nicht.

Zum dritten Mal begegneten sie sich, junge Dichter - oder Poetry Slammer, wie es zeitgemäß heißt - und tote Kollegen. Die sind glücklicherweise nicht ganz so tot, werden ihre Worte doch von Mitgliedern des Ensembles des Schauspielhauses vorgetragen, "Dead Or Alive", die Kooperation mit dem Kulturzentrum Zakk, wo der "normale" Poetry Slam regelmäßig an jedem dritten Mittwoch im Monat stattfindet, ist beliebt, das Große Haus ist fast ausverkauft.

Die Jungen sind keine "Knallpfeifen", wie Moderatorin Pamela Granderath gleich zu Beginn gewohnt launig meinte, sondern preisgekrönte Meister ihres Faches. Interessante Begegnungen sind also zu erwarten, die einzelnen Auftritte werden von einer Jury mit Punkten bewertet, aber dass es am Ende einen Sieger gibt, ist nicht das Wichtigste an diesem Abend, an dem das Trio Beasting mit Cello, Saxofon und Beatbox für musikalische Pausen sorgt.

Ansonsten regiert das Wort. Die toten Dichter sind nicht die Klassiker, sondern eine jüngere Generation, die der frühe Tod vereint. Der österreichische Bühnenautor Werner Schwab starb mit 35 an einer Alkoholvergiftung, seinen grotesk-provokativen Text über "das Mariele" trägt Stefanie Reinsperger vor, einer der Höhepunkte des Abends. Die Geschichte von der Klofrau, die im Abort Geschenke vorfindet, lässt den Atem stocken, bis sie von einem magischen Realismus aufgelöst wird.

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Auch der Rapper Notorious B.I.G. (der im Alter von 25 Jahren erschossen wurde) kommt zu Worte. Warum er in gelbem Friesennerz und Gummistiefeln dargestellt wird, ist nicht ganz offensichtlich, er kommt jedenfalls gut an beim vorwiegend jungen Publikum. Das freut sich noch mehr über die Lebenden, über den skurrilen Humor der Schweizerin Hazel Brugger, die Schwäne am liebsten mit einem ganzen Schwarzbrot füttert, auch wenn das Tier darüber "schwansinnig" wird, oder über Jan-Philipp Zymny, der von der unerwiderten Liebe als "das schlimmste Gefühl - außer Langeweile" spricht, vorgetragen in einem absurd deklamatorischen Stil.

Stilistisch lassen sich die Jungen kaum einordnen, ihre toten Kollegen wie David Foster Wallace, der sich mit 46 umbrachte, haben aber offensichtlich weitaus mehr am Leben und an sich selbst gelitten.

Gewinner des Abends wird Sulaiman Masomi, ein Wortakrobat und Schnellsprecher, der mit einer SMS ("Ich weiß es") sehr interessante Reaktionen auslöst. Passend, dass seine fulminante "Konferenz der Wörter" den Abend beendete.

Info Am Sonntag, 18. Mai, beginnt der nächste Poetry Slam um 20 Uhr im Zakk.

(RP)