Düsseldorf: Akademie-Studenten zeigen, was in ihnen steckt

Düsseldorf: Akademie-Studenten zeigen, was in ihnen steckt

Erstmals lädt die Staatliche Kunstakademie in diesem Jahr die Öffentlichkeit zu einem "Sommerrundgang" ein.

Der Sommerrundgang der Düsseldorfer Kunstakademie ist nicht so neu, wie er sich anhört. Denn intern gab es diesen kleinen Bruder des traditionellen, jährlich von Tausenden gefeierten Frühjahrsrundgangs schon immer. Schließlich stehen zwei Examenstermine zur Wahl. In diesem Jahr allerdings ist der Sommerrundgang entlang den Abschlussarbeiten der Studierenden erstmals öffentlich. Und siehe da: Er ist zwar kleiner als das winterliche Pendant, doch qualitativ kann er es mit seinem großen Bruder aufnehmen.

40 Studentinnen und Studenten verlassen in diesen Tagen die Akademie und legen in den Ateliers Zeugnis davon ab, was sie gelernt haben, was in ihnen steckt und was einmal aus ihnen werden könnte. Viele Ateliers sind abgeschlossen, nur hier und da steht eine Tür offen und lädt ein, sich ein Bild zu machen von den neuesten Trends der bildenden Kunst. Hinter einer trifft man auf Mercedes Neuß, die gerade ihrem Examen entgegenfiebert und um Verzeihung bittet dafür, dass sie so kurz angebunden ist. Sie lässt lieber die Galionsfigur sprechen, die sie als Modell aus Gips geschaffen hat und die vielleicht einmal ein Schiff zieren könnte: eine weiße Meerjungfrau mit üppigem Dekolleté. Mercedes Neuß, Schülerin von Katharina Fritsch, hat sich in der Düsseldorfer Kunstszene bereits einen Namen gemacht, indem sie im KIT ihre dreibeinigen Wölfe postierte.

Thorben Eggers vor seinen Bildern in der Klasse Eberhard Havekost. Foto: Schaller,Bernd

Eine Etage höher, im Atelier der Klasse Andreas Gursky, erläutert uns gelöst der junge Fotograf Moritz Wegwerth seine Arbeiten an den Wänden. Er hat sein Examen soeben bestanden und erzählt, was es mit einem Bild auf sich hat, das eine Reklame für eine Luxusuhr zeigt. Wegwerth hat aus dieser Straßenszene alle Schriftzüge entfernt, um den Blick des Betrachters allein auf die Stellung der Uhrzeiger zu lenken: zehn nach zehn - ein Ausdruck der Harmonie, den auch alle Uhrengeschäfte der Welt nutzen. Eine andere Fotografie gibt einen Tisch mit elektronischem Gerät wieder, von dem Kabel in seitlich gestapelte Kartons führen. "Mich interessiert das Absurde", so begründet der Gursky-Schüler seine Motivwahl.

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Blickt man von den Fluren nach links und rechts in die Schauräume, so fällt generell auf: Spätestens seit Markus Lüpertz seinen Platz zugunsten von Gursky geräumt hat, gibt es keine Salonmalerei mehr, auch kaum noch Grelles. Die Malerei dieses Rundgangs wirkt hintergründig, und sie bewegt sich bevorzugt am Rande zur Ungegenständlichkeit. Objektkunst und Fotografie beherrschen das Feld, und im Dachgeschoss gesellen sich Video-Arbeiten hinzu.

Betrachter einer Fotografie von Moritz Wegwerth in der Klasse Gursky. Foto: Schaller,Bernd

Manche der ausgestellten Werke scheinen zwischen den Genres zu vermitteln, zum Beispiel die Kunst von Thorben Eggers aus der Klasse Eberhard Havekost. "Malerei als analoge Sentimentalität", so hat er seine kleine Schau genannt. Einige seiner Gemälde gründen sich auf Fotografien, die er aus einem Taxi durch eine regenverschleierte Fensterscheibe aufgenommen hat. "Ich hole die fotografische Vorlage zurück in die Malerei", so erläutert er wortgewandt sein Verfahren - und es klingt, als nutze er unser Gespräch souverän als Generalprobe für die bevorstehende mündliche Prüfung.

Einer der Räume zwischen den Ateliers trägt den Namen "Sparta", doch das täuscht. Denn spartanisch geht es darin ganz und gar nicht zu. "Sparta" ist eine alternative, von Studenten betriebene Kleinkantine, aus der es verführerisch duftet und deren bizarre Sitzgelegenheiten sich schon auf den ersten Blick als Kunst zu erkennen geben. Hervorgegangen ist sie erstens aus einem allgemeinen Unbehagen an der Akademie-Kantine, zweitens aus einer Initiative der Studentin Liza Dieckwisch, die sich zunächst mit einer mobilen Verpflegung auf den Fluren Freunde gemacht hatte. Heute wird sie von Svenja Lanke und Tomas Kleiner mehrmals wöchentlich bei der Verwirklichung ihrer konkreten Utopie unterstützt. Auch so etwas kann Kunst sein, wird - wer weiß? - vielleicht sogar einmal examensrelevant.

(RP)
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