Ádám Fischer dirigiert in der Tonhalle Béla Bartók („Blaubarts Burg“).

Konzert in der Tonhalle : „Das ist eine Oper, die einen erschlagen kann“

Ádám Fischer dirigiert im nächsten Symphoniekonzert Werke von Claudio Monteverdi („Il Combattimento“) und Béla Bartók („Herzog Blaubarts Burg“).

Von einem Hype wollen wir nun nicht gerade sprechen, aber es ist schon eine besondere Form der Zuneigung, die das hiesige Musikpublikum für Ádám Fischer, den ungarischen Chefdirigenten der Düsseldorfer Symphoniker, entwickelt hat. Fischer hat in seinen Aufführungen vorzugsweise von Werken der Großmeister Joseph Haydn und Gustav Mahler die Messlatte für Orchesterqualität deutlich angehoben, was sich auch im medialen Echo spiegelt: Viele Mahler-Aufnahmen sind bislang bereits als CD produziert, von der Fachkritik teilweise hymnisch bewertet und mit einigen Preisen dekoriert worden.

Nun macht sich Fischer Gedanken, wie das weitergehen kann. Wir er im Gespräch erzählt, prüft er die Möglichkeiten, „in der Tonhalle halb- oder viertelszenische Produktionen zu spielen“. Das nächste Symphoniekonzert (Freitag, 15., Sonntag, 17., und Montag, 18. November) wird ihm als Indikator dienen: „Je nachdem, wie das gelingt und angenommen wird, könnten wir bei der Programmplanung der nächsten Jahre in diese Richtung weiterdenken.“

Fischer hat sich nicht irgendein x-beliebiges Programm ausgesucht, sondern zwei weit entfernt voneinander entstandene Werke angesetzt: das „Combattimento di Tancredi e Clorinda“ von Claudio Monteverdi sowie, nach der Pause, Béla Bartóks Operneinakter „Herzog Blaubarts Burg“. Fischer erklärt diese Kombination so: „Mit der Kombination der beiden Werke möchte ich zeigen, wie sehr sich menschliche Gefühle und die konfliktbeladenen Beziehungen zwischen Mann und Frau über die Jahrhunderte hinweg ähneln. Beide Werke erzählen die Geschichte einer unglücklich endenden Liebe. Es liegen fast 300 Jahre zwischen den Kompositionen, doch die Gefühle sind die gleichen.“

Nun ist es selbst für gewiefte Opernfüchse wie die Düsseldorfer Symphoniker ein stilistischer Spagat zwischen den Werken der beiden Komponisten. Fischer bestätigt das: „Die Stücke sind eine Herausforderung für das Orchester. Monteverdi muss ganz anders gespielt werden als Bartók. Für mich dient diese Arbeit der stilistischen Erweiterung der Spielweise des Orchesters.“ Fast gerät er da ins Schwärmen: „Die Düsseldorfer Symphoniker sind zu so viel fähig! Wir haben in Düsseldorf ein Orchester, das sowohl 17. als auch 20. Jahrhundert spielen kann, und das will ich zeigen.“

Nun ist Bartóks „Blaubart“ ein wegweisenden Werk in der Musikgeschichte, auch für den Ungarn Fischer: „Bartóks ‚Blaubart’ fällt in eine sehr intensive Zeit der Musikliteratur – Mahler ist zeitlich nicht weit davon entfernt –, die ich in Düsseldorf erarbeiten möchte. Es geht um diese ,Weltschmerzperiode‘ zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der ‚Blaubart’ ist Bartóks erstes großes Meisterwerk. Er wollte in der ungarischen Musik machen, was Wagner für die deutsche Oper gemacht hat – auch der Librettist spielt mit den Wörtern, nutzt Stabreime, fügt selbst kreierte Wörter hinzu. Damals gab es eine ganz interessante Aufbruchsstimmung in der ungarischen Musik.“

Die knapp einstündige Bartók-Oper fordert das Publikum ganz gewiss, kann aber wie eine Droge wirken. Fischer kennt diese Emotionslage: „Wenn man den ‚Blaubart’ zum ersten Mal hört, verfällt man ihm entweder sofort oder gar nicht, da gibt es nichts dazwischen. Das ist ein Stück, das einen erschlagen kann, wenn man es richtig interpretiert.“

Die Aufführung könnte aber auch Konsequenzen fürs Publikum haben, glaubt Fischer: „Eine gute Aufführung von ‚Blaubart’ ist für mich, wenn ein Ehepaar, das sich das Konzert anhört, anschließend den ganzen Abend über seine Beziehung spricht, nicht über die Aufführung. Das wäre mein Ziel für die Konzerte in der Tonhalle.“

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