Düsseldorf : Abba aus der Hölle

Die Band Propaganda veröffentlichte eines der besten Alben der 1980er Jahre. Nun wird es mit einer Luxus-Edition gewürdigt.

Es war 1982, da hatte Ralf Dörper eine Idee. Er wollte Musik machen, die nicht bloß gut klingen, sondern auch super aussehen sollte - "irgendwie nordisch", um genau zu sein. Dörper notierte sich ein paar Stichworte: "Weimar", "Film", "Expressionismus". Dann nahm er mit Andreas Thein und Susanne Freytag ein Lied auf, eine Coverversion des Titels "Discipline" der britischen Industrial-Brutalos Throbbing Gristle. Er sandte das Stück an einen Journalisten des damals maßgeblichen Magazins "New Musical Express" in London und hoffte auf die Sensation. Der Journalist antwortete bald: Er riet ihm, mit der Veröffentlichung zu warten. Dörper hielt sich dran. Zwei Jahre später war er ein Popstar.

Gerade ist eines der besten Alben der Düsseldorfer Musikgeschichte in einer Luxus-Ausgabe erschienen. 33 Jahre nach Veröffentlichung wird "A Secret Wish" von Propaganda mit einer Neuauflage in der Reihe "Art Of The Album" gewürdigt. Man muss sich die Platte noch einmal anhören, Titel wie "Dr. Mabuse", "P:Machinery" und vor allem das herrliche Stück Pop namens "Duel". Man wird erstaunt sein, wie frisch diese Musik anmutet, die zuletzt von vielen jüngeren Künstlern als Einfluss genannt wurde. Im 34 Seiten langen Begleit-Essay zur Ausgabe nennt der Musikjournalist Ian Peel die Erben dieses Sounds: Lana Del Rey, Ellie Goulding, FKA Twigs, Marina & The Diamonds.

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Dabei ist dem Zufall zu verdanken, dass es dieses Album überhaupt gibt. Jener englische Journalist, dem Ralf Dörper einst seine Aufnahme zugeschickt hatte, fand das Stück nicht schlecht, im Gegenteil: Er empfahl Dörper seinem Ex-Kollegen Paul Morley, der soeben mit der Produzenten-Legende Trevor Horn (Grace Jones, ABC, Lisa Stansfield) eine neue Plattenfirma, ZTT, gründete. Dörper holte Claudia Brücken und Michael Mertens ins Boot, sie nannten sich Propaganda, und sie waren die zweite Band, die ZTT unter Vertrag nahm. Die erste war Frankie Goes To Hollywood. Andreas Thein verließ Propaganda bald, und als 1984 deren erste Single "Dr. Mabuse" herauskam und in England zum Hit und in Deutschland zum Super-Hit wurde, erschienen Zeitungsartikel mit diesen Überschriften: "Abba aus der Hölle", "Die Programmierer des Grauens". Fritz Lang, Giorgio Moroder und Edgar Allan Poe wurden als Ahnen dieser düsteren und zugleich vorwärtsgerichteten Musik herausgearbeitet. Das war Avantgarde mit Pop-Appeal, die Kreuzung von Wham! und "Metropolis".

Propaganda war erfolgreich, das Problem war aber, dass die Kollegen Frankie Goes To Hollywood noch viel erfolgreicher waren. Das Skandal-Lied "Relax" hielt die ganze Welt in Atem, die junge Plattenfirma konzentrierte sich ganz auf dessen Vermarktung, da blieb kaum Zeit für Propaganda. Es dauerte dann auch bis zum nächsten Jahr, bis die Nachfolge-Singles "Duel" und "P:Machinery" erschienen. Und schließlich auch das Album "A Secret Wish".

In der Band gab es Spannungen. Claudia Brücken hatte eine Beziehung mit ZTT-Mitinhaber Paul Morley begonnen, und obwohl es Goldene Schallplatten regnete, etwa für einen Nummer-eins-Hit in Spanien, floß kaum Geld. "Der Vertrag von Propaganda war auf 60er-Jahre-Niveau", so Dörper. Außerdem gab es Unstimmigkeiten mit Trevor Horn, der der Band laut Dörper das Studioequipment vermietete und dafür so viel Geld nahm, dass sie sich von jedem gemieteten Synthesizer drei eigene Exemplare hätte kaufen können. Brücken verließ die Gruppe, die mit neuer Sängerin zu Virgin wechselte und ihr wenig beachtetes zweites Album veröffentlichte.

Wirtschaftlich sei Propaganda fern von dem gewesen, was man erleben wolle, sagt Dörper, der später als Analyst bei der WestLB arbeitete und heute Mitglied der Band Die Krupps ist. Unter dem Pseudonym Rififi veröffentlichte er 1989 den Top-20-Hit "Dr. Acid & Mr. House", der sei einträglicher gewesen als die gesamte Zeit bei Propaganda. Immerhin wurden die Streitigkeiten so weit beigelegt, dass die Band 2004 beim Benefizkonzert des "Prince's Trust" von Prinz Charles im Wembley Stadium auftreten konnte.

Trotz allem: "Propaganda hat jeden von uns auf eine andere Plattform gehoben", sagt Dörper. Die Erfahrung habe das Leben aller Beteiligten verändert. Er zumindest wirkt ziemlich glücklich. Was vielleicht auch daran liegt, dass er auf dem Cover der Neuauflage von "A Secret Wish" erstmals in 30 Jahren nicht mehr als Dorper ausgewiesen wird. Dörper hat seine Ö-Punkte zurück.

Schon schön.

(hols)