Düsseldorfer Marionettentheater: 1000 Mal "Wunschpunsch"

Düsseldorfer Marionettentheater : 1000 Mal "Wunschpunsch"

Seit 21 Jahren spielt das Düsseldorfer Marionettentheater seine Adaption des Michael-Ende-Romans "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch". Vor der 1000. Vorstellung sprachen wir mit Tante Tyti über das Alter und ihre größten Hängepartien.

Die Geschichte ist böse: Ein Zauberer und dessen geldgierige Tante Tyti haben zu wenig schlechte Taten vollbracht. Nun müssen sie ihr Soll begleichen und arbeiten an einem üblen Gebräu, das ihren bösen Willen bezeugen wird. Mit seiner Adaption dieses Romans von Michael Ende hat das Düsseldorfer Marionettentheater einen Klassiker geschaffen. Für viele Familien zählt der Besuch des "Wunschpunsch" seit Jahrzehnten zum Vorweihnachtsritual. Am 10. Dezember spielen Theaterleiter Anton Bachleitner und sein Ensemble die 1000. Vorstellung. Zum Jubiläum ein Gespräch mit der Marionette Tante Tyti.

Wie ist es, wenn man mit einer Rolle alt wird?

Tante Tyti Ach, man wird klappriger. Ich hatte während all der Jahre mehrere Hüft-OPs, hab neue Armgelenke bekommen und schon zwei Kleider völlig durchgeschlissen. Sogar mein Schmuck musste mal saniert werden. Aber wenn die Kunst ruft, steh' ich natürlich stramm.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Auftritte vor?

Tante Tyti Tagsüber häng' ich meistens ab, trinke mal einen Becher Schirlingstee und lass meine Gedanken baumeln. Aber kurz vor der Vorstellung geh' ich auf die Bühne und schau, ob die Fäden in der Kulisse richtig liegen, damit alle Türen passend aufgehen und ich glatt durch den Schornstein rutsche.

Ist da schon mal was schief gegangen?

Tante Tyti Klar verheddert man sich mal. Und ich hab auch schon ein Bein verloren — also natürlich hing es noch dran, aber ich musste von der Bühne humpeln. Der Ersthelfer hat das aber gleich hinter der Kulisse wieder hingebracht. Allerdings nicht eben sanft, das muss ich sagen. Man hat allerdings auch so seine Tricks beim Spielen. Ich setze mich zum Beispiel öfter mal auf der Bühne, weil ich ziemlich schwer bin. Eine schmale Taille war mir ja leider nicht vergönnt.

Wer hat Ihre Figur denn entworfen?

Tante Tyti Unser Theaterleiter persönlich. Er hat mir auch all den Schmuck besorgt, als Geldhexe darf ich schließlich zeigen, was ich besitze. Und dann hatte er noch die Idee, bei mir mal was Neues zu wagen und so wurde ich nicht geschnitzt, sondern aus Stoff modelliert. Ich bin also nicht aus grobem Holz, wenn ich dieses Bild einmal bemühen darf.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie Gestalt angenommen hatten?

Tante Tyti Na, Kindchen, neun Monate natürlich. (lacht)

Und wie lange wurde für den "Wunschpunsch" geprobt?

Tante Tyti Drei Wochen. Bei uns steckt ja so viel Arbeit im Ensemble und im Bühnenbild, da ist jeder Gang durchdacht, darum sind wir bei den Endproben dann schnell.

Wird einem denn nach all den Jahren nicht langweilig mit demselben Text?

Tante Tyti Das ist wirklich erstaunlich, aber dieser Text altert nicht. Das beweist seine Qualität. Vor Jahren, als der erste Golfkrieg ausbrach, da hat der Theaterleiter eine Passage aus dem Stück an die Tür gehängt, so genau traf er auf die Situation damals. Und heute erscheinen einem all die Gedanken zum Thema Geld wie ein Kommentar zur aktuellen Krise. Allerdings mussten wir das Zaubergeld umstellen von DM auf Euro.

Sind Sie Michael Ende mal begegnet?

Tante Tyti Ja, war das eine Freude! Er war ja mit unserem Theaterleiter Bachleitner befreundet. Der hat ihn sogar dazu animiert, den "Wunschpunsch" zu schreiben, weil er von Ende immer ein Stück für sein Theater gefordert hat. Und der hatte den "Wunschpunsch" schon entworfen, hat ihn dann aber erst wieder hervorgeholt, weil er dachte, dass sich der Stoff für ein Ensemble wie das unsre eignen würde. Es gibt übrigens auch ein Foto von Ende und mir, da war ich so kess, mich auf seine Schulter zu setzen. (seufzt) Ja, wir waren uns wirklich nahe.

Wie feiern Sie die 1000. Vorstellung?

Tante Tyti Da stoßen wir selbstverständlich mit einem Glas alkohöllischem Wunschpunsch an.

Dorothee Krings führte das Interview.

(RP/jco)
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