Künstlerin Silke Nieveler-Rutz stellt in Düsseldorf-Flingern aus

Kunst in Düsseldorf : Die zwei Facetten der Schönheit

Silke Nieveler-Rutz arbeitet im Bereich Beauty Care. Und sie ist Künstlerin. Jetzt hat sie ihre erste Einzelausstellung.

Dieses Verlangen, kreativ sein zu wollen, hatte Silke Nieveler-Rutz schon, als sie zusammen mit ihrer Oma genäht hat. Daraus entstand später der Wunsch, zu malen. Lange nur für sich selbst, mit dem Eintritt in eine Neusser Künstlergruppe um die Jahrtausendwende herum lebte dann plötzlich die Lust auf, sich von anderen inspirieren zu lassen, sich auszutauschen. Seit sechs Jahren ist Silke Nieveler-Rutz jetzt in der Mönchengladbacher Kunstakademie von Günter von Kannen. Es ist für sie der konsequente Schritt gewesen, vorhandenes Talent in strukturierte Bahnen zu lenken. Immer einen Traum vor Augen, den sie sich jetzt mit 50 Jahren endlich erfüllt hat. Denn nach einigen Gruppenausstellungen hat Silke Nieveler-Rutz nun ihre allererste Einzelausstellung. In der Ars-Vivendi-Treppenhausgalerie an der Degerstraße zeigt die Künstlerin, warum es an der Zeit war, ihr die Wände allein zu überlassen.

Eigentlich kommt Silke Nieveler-Rütz aus einer ganz anderen Ecke. Sie arbeitet bei Henkel im Bereich Beauty Care, führt Probanden-Studien durch, testet Produkte auf ihre Hautverträglichkeit. Die gebotene Vorsicht in ihrem Beruf hat sie sich auch für ihr Parallelleben übertragen. „Es kostet Mut, mit seiner Kunst an die Öffentlichkeit zu gehen. Jedes Bild ist ein Teil von mir, man macht sich angreifbar, verletzbar“, erklärt die in Niederkassel wohnhafte Künstlerin. Auch der Aufwand für eine eigene Ausstellung sei nicht zu verachten: Flyer drucken, Presse, da sie ihre Fotos am Computer veredelt, kam noch ein Crash-Kurs in Photoshop und Indesign dazu. „Ohne die Unterstützung vieler Freunde hätte ich das alles so nicht geschafft.“

„Diversitiy“ hat Silke Nieveler-Rutz die Ausstellung in Flingern betitelt, und diese Vielfalt im Sinne van Goghs, sich eben nicht auf einen Stil festlegen zu lassen, beschreibt ganz gut die breite Palette an Techniken, Motiven und Formaten, die in der Treppenhausgalerie ausgestellt sind. Die 50-Jährige ist dabei stets bereit, dazuzulernen, „die Kunst lebt von Neugierde“, sagt sie. So hat sie sich etwa mit der Lasurtechnik vertraut gemacht, bei der die Farben in mehreren Schichten aufgetragen werden. Damit der Betrachter diese Entwicklung nachvollziehen kann, hat Nieveler-Rutz die einzelnen Stadien in einer Fotoserie festgehalten.

Natürlich sind es Reisen, die sie inspirieren, die Eindrücke sind dann vielfach in Foto-Arbeiten festgehalten. Die Natur ist eine zweite Quelle bei der Motivsuche. Je höher man in der Treppenhausgalerie gelangt, desto offensichtlicher wird die Vielfalt der Arbeiten: Impressionistische Aktmalerei, eine Wolkenserie, als letztes Bild ein verfremdetes Werk in Öl des Schauspielers Kevin Spacey, „das ist natürlich vor der Me-too-Debatte entstanden“, betont Nieveler-Rutz, die einräumt, dass es bei ihr im Atelier auch schlechte Tage gibt. „Aber dann lerne ich mehr über mich selbst, lerne meine Grenzen kennen, lote sie aus. Und meine Ausdauer und mein Durchhaltevermögen werden oft auf die Probe gestellt.“ Um so erfüllender sei das Gefühl, ein Bild vollendet zu haben.

Auftragsmalerei, das würde sie nie machen, erklärt die Künstlerin, „ich will bei mir selbst, in meinem Element bleiben“. Was sie dagegen anstrebt, ist die Aufnahme in eine Künstlergemeinschaft, unter anderem auch, um neue Kontakte zu knüpfen. Denn die Ausstellung in Flingern soll auf keinen Fall ihre letzte sein. Silke Nieveler-Rutz hat Blut geleckt.