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Künstler in Düsseldorf-Heerdt trotzen Corona 

Kultur in Düsseldorf : Künstler in Heerdt trotzen Corona

Zwar darf der Kulturhafen nicht zur Vernissage einladen, wohl aber den Vorhang für Passanten lüften.

Noch sind die großen Fenster des Kulturhafens verhangen, schließlich sollen die Heerdter nicht schon sehen, was sie ab Samstag um 11 Uhr an der Werftstraße 1 erwartet. Der Aufbau der ersten Kunstausstellung des Kulturhafens „Kunst im Kulturhafen #1“ ist in den letzten Zügen. Von dem Coronavirus lassen sich die Veranstalter und auch die Künstler nicht entmutigen. „Wir werden die Ausstellung auf jeden Fall eröffnen. Und wenn das nur heißt, den Vorhang aufzuziehen und die Bilder von außen für alle sichtbar zu machen“, sagt Anja Bahners, Gründerin der Stiftung Heerdt, die das Kulturhafen-Projekt ins Leben gerufen hat.

„Wir sind flexibel und planen jeden Tag um“, sagt sie. Eine Absage sei aber keine Alternative. „Vielleicht ist das die letzte Ausstellung vor der holländischen Grenze. Schon darum muss sie stattfinden“, setzt Aktionskünstler HA Schult humorvoll hinzu. Vernissagen seien eh oft langweilig, findet Künstler Rudolf Gottschlich. Stattdessen könne man ja ein Mini-Happening vor dem Kulturhafen veranstalten, schlägt er vor.

So sind die Heerdter. Sie nehmen es, wie es kommt und gehen spontan mit der Situation um. Genauso locker ging es auch bei der Organisation der ersten Kunstausstellung zu. Neun Künstler, die in Heerdt wohnen oder sich künstlerisch mit dem Stadtteil beschäftigen, sagten ohne lange nachzudenken zu. Die Auswahl der Werke trafen sie gemeinschaftlich. Herausgekommen ist eine Vielfalt an unterschiedlichen Stilen, die auch den künstlerischen Leiter der Ausstellung Stefan Grütter begeistert. „Manchmal scheint es, als ob die Künstler bei der Produktion an der gleichen Stelle gesessen hätten und doch sind die Bilder ganz unterschiedlich“, erzählt der Werbefotograf.

So werden die Besucher Landschaftsmalerei, Fotos, Objektkunst und Zeichnungen finden. Mit dabei sind Gordon Bussiek (Fotografie), Richart (Objektkunst), Rudolf Gottschlich (Zeichnungen), Ellen Rosenthal (Malerin), Wolfgang Rupek (Maler), Horst Alfred Surall (Heimatmaler), Mirko Akira Suzuki (Portraits verstorbener Rap-Artisten), Stephanie Vennemann (Bloggerin und Fotografin) und eben HA Schult als Nicht-Heerdter. Mitte Februar hat er am Heerdter Rheinabschnitt wieder einen seiner berühmten Wasserwürfe gemacht. Aus dem dort entnommenen Tropfen entsteht ein besonderes Kunstwerk, das erstmalig im Kulturhafen gezeigt wird – eine Weltpremiere.

Grütter sieht sich selber ein wenig als Direktor eines Flohzirkus. „Das sind hier alles kleine Seelen, die sich zeigen wollen, und ich koordiniere das gerne“, sagt er. Künstlern eine Plattform zu geben und Kunst mitten in das Herz von Heerdt zu bringen, sei genau das, was der Kulturhafen möchte. Darum soll die Ausstellung auch nur die erste von vielen sein.

„Wir wollen die Idee gerne weiterverfolgen“ so Bahners. Die Veranstalter fänden es schön, wenn in Zukunft Menschen, die sich auf irgendeine Weise künstlerisch betätigen, bei ihnen ausstellen und sind jederzeit offen für alle möglichen Anfragen. „Die Idee des Kulturhafens ist, dass alle mitmachen“, so die Gründerin.

Ob es feste Öffnungszeiten für die Ausstellung geben wird, ist noch fraglich. Das hängt von der Entwicklung der Corona-Krise ab. Wer sich die Ausstellung aber komplett und nicht nur durch die großen Fenster anschauen möchte, kann einen privaten Termin im Kulturhafen vereinbaren. Das ist auch ein großer Vorteil, denn der jeweilige Künstler, der dabei ist, kann einiges zu seinen Bildern erzählen. Und Angst, dass man ihm Bilder andrehen will, muss keiner haben, „Kunst im Kulturhafen #1“ ist keine Verkaufsausstellung.   „Wir werden die Ausstellung aber auf jeden Fall verlängern, damit alle die Möglichkeit haben, auch die Werke zu sehen, die im unteren Bereich stehen“, bekräftigt Anja Bahners.