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Düsseldorf: Kritischer Carlsplatz-Händler kann bleiben

Düsseldorf : Kritischer Carlsplatz-Händler kann bleiben

Krisengespräch bei der Stadtspitze. Ordnungsdezernent Keller verlangt Einhaltung der Öffnungszeiten.

Bei ihrem Dauerstreit sind die Händler des Carlsplatzes nicht mehr unter sich. Die Stadtspitze will klare demokratische Regeln, sprich eine Beteiligung aller Händler an den Gemeinschaftsentscheidungen. Außerdem drängt sie darauf, dass die im Marktvertrag abgemachten Regelungen eingehalten werden. Darauf weist Ordnungsdezernent Stephan Keller im Gespräch mit der Rheinischen Post hin. "Es ist vereinbart, dass die Stände auf dem Markt von Dienstag bis Samstag besetzt sind und geöffnet haben. Die Durchsetzung dieses Zieles war schon mit den letzten Geschäftsführern so vereinbart, ist aber nicht umgesetzt worden."

Keller deutet an, dass die Toleranz der Stadt in diesem Punkt erschöpft sei. Auch macht der Jurist klar, dass es jetzt endlich mit der Zweiklassengesellschaft auf dem Markt ein Ende haben soll. "Wir unterstützen das Ziel, dass alle Nicht-Mitglieder in den Marktverein aufgenommen werden. Die Selbstverwaltung kann nur funktionieren, wenn alle die gleichen Rechte und Pflichten haben." Die Satzungsänderung sei in Arbeit, nach der Prüfung soll die Aufnahme rasch umgesetzt werden.

 Bernd Mittelstädt verkauft auf dem Carlsplatz Puppen und Spielzeug aller Art. Er würde gerne bleiben.
Bernd Mittelstädt verkauft auf dem Carlsplatz Puppen und Spielzeug aller Art. Er würde gerne bleiben. Foto: Bretz, Andreas
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Keine Sorgen mehr muss sich Wolfgang Harste machen. Der streitbare Pfannenhändler hatte bei mehr als 20 der insgesamt 60 Händler Unterschriften gesammelt und sich mehrfach mit dem Marktvorstand angelegt. Am Montag hatte ihm der neue Carlsplatz-Geschäftsführer Andre Zalbertus die Kündigung überreicht. Dazu Keller: "Die Stadt muss bei einem solchen Schritt befragt werden. Das ist aber nicht geschehen." Mithin meint Keller, er wisse gar nicht, ob es überhaupt eine Kündigung gebe. Mit anderen Worten: Die Kündigung ist unwirksam.

 Gestern waren einige Stände auf dem Carlsplatz wieder nicht besetzt.
Gestern waren einige Stände auf dem Carlsplatz wieder nicht besetzt. Foto: Bretz, Andreas

Bei der Weiterentwicklung des Marktes, der laut Keller "eine Visitenkarte für Düsseldorf" sein soll, muss Geschäftsführer Zalbertus sich also intensiver mit der Stadtverwaltung abstimmen. Der Medien- und Marketingmann will den Wochenmarkt mit der Leitlinie Genuss und Qualität gegen die Konkurrenz von modernen Supermärkten und Internet-Händlern wappnen. Seine Ankündigung, weitere Kündigungen gegen Händler, die nicht mehr in dieses Konzept passen, auszusprechen, hat für Unruhe auf dem Wochenmarkt gesorgt.

"Ich bin der letzte Schuhmachermeister in Alt- und Carlstadt", sagt etwa Joachim Djürken (54), der mit seiner Familie (drei Kinder) in der Carlstadt lebt und sich nun Sorgen macht. Er ist seit sieben Jahren auf dem Markt, "ich habe dafür mein Geschäft aufgegeben". Spielzeugverkäufer Bernd Mittelstädt (47), der übrigens über ein abgeschlossenes Mathematik-Studium verfügt, verweist auf Zalbertus' Antrittsrede. "Da hat er für mehr Angebote für Kinder geworben. Genau das biete ich doch an." Jupp Volke (77) steht seit 15 Jahren mit seinen Uhren und Armbändern auf dem Carlsplatz. "Ich liebe diesen Markt, war mit meinem Vater schon als Kind hier." Er will nun mehr Kroko-Armbänder ordern — "die kosten bis zu 150 Euro. Wir sind doch Luxus."

(RP)