Düsseldorf: Kritik an hohen Preisen für Kurse für Analphabeten

Düsseldorf : Kritik an hohen Preisen für Kurse für Analphabeten

Daniela Völzke besucht seit acht Jahren die Kurse für Analphabeten an der Volkshochschule (VHS). Ihre Stelle als Filialleiterin bekam die 46-Jährige damals nur unter der Bedingung, richtig lesen und schreiben zu lernen. Eine deutlich Gebühren-Erhöhung lässt sie und ihre Mitschüler nun um die Möglichkeit fürchten, die Kurse weiter zu besuchen.

Gesellschaftlicher Druck und Scham lasten schwer auf den Teilnehmern. Nur in ihrer Lerngruppe können sie sich aus der Anonymität wagen. Rund 15 Euro Anmelde- und Materialkosten wurden in den letzten Jahren für die Kurse verlangt, die offiziell "umsonst" waren. Wegen dieser Formulierung musste die VHS nach einer Beschwerde 2012 die Kosten erlassen. Daraufhin änderte sie ihre Entgeltordnung, um weiter Geld verlangen zu können.

Im folgenden Semester wurden aber nicht wie zuvor 15 Euro verlangt, sondern ein Euro pro Unterrichtsstunde. Pro Semester macht das je nach Kurs bis zu 76 Euro pro Person; im Jahr weit über 100 Euro. Zwar wird besonders Bedürftigen auf Antrag die Hälfte der Gebühren erlassen, doch auch für sie haben sich die Kosten mehr als verdoppelt. Die Behördengänge sind zudem schwierig für die Analphabeten. Kürzlich wurde die VHS Mitglied im Netzwerk "Alphanetz NRW", dessen Ziel es ist, die Beteiligung an Alphabetisierung und Grundbildung in NRW zu erhöhen. "Als ich das gehört habe, fühlte ich mich komplett verhöhnt. Wir zittern und hoffen, dass unsere Kurse weiter stattfinden können", sagt Daniela Völzke.

Die wenigen Anträge auf Ermäßigung seien sachgerecht geprüft worden, sagt Hans-Walter Samuel, kommissarischer Leiter der VHS. Es seien nicht viele Beschwerden gewesen. Außerdem seien die Teilnehmerzahlen seit der Erhöhung weder massiv gesunken noch habe ein Ansturm auf die Plätze stattgefunden, als das Angebot kurzzeitig gratis war. Die Kostenbeteiligung an den Grundbildungskursen sei vor allem ein "pädagogisches Entgelt" zur Motivation, so Samuel. Wären die Kurse kostenlos, könne der Eindruck entstehen, sie seien nichts wert. Daniela Völzke hat einem Mitschüler schon mit Geld ausgeholfen und weiß sogar von Dozenten, die ihren Schülern die Hälfte des Kurses bezahlt haben sollen. Sie fühlt sich ignoriert und diskriminiert: "Ich würde mir wünschen, dass wir als Menschen wahrgenommen werden, die die Chance wahrnehmen, etwas aus ihrem Leben zu machen."

(RP)
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