Pilotprojekt der Stadt: Kritik an Haltestellen-Gong

Pilotprojekt der Stadt: Kritik an Haltestellen-Gong

Die Zahl der in Düsseldorf verunglückten Fußgänger unter 15 Jahren ist im ersten Halbjahr um rund ein Viertel gestiegen. 57 junge Menschen waren in Unfälle verwickelt (im Vorjahreszeitraum waren es 46), 55 wurden dabei verletzt (44), zehn davon schwer (7). Wie solche Unfälle vermieden werden, darüber gehen die Meinungen in der Landeshaupstadt auseinander.

Das Düsseldorfer Amt für Verkehrsmanagement hat ein Pilotprojekt gestartet, in dem es an Haltestellen und Gleisüberquerungen neben gelben Lichtsignalen auch akustische Warnzeichen gibt, die wie ein Gong klingen. Der Düsseldorfer Verkehrspsychologe Kai Lenßen und das Forsa-Institut widersprechen dem Ansatz: "An den Gong gewöhnt man sich schnell, dann geht er im allgemeinen Krach unter."

Der Psychologe sieht alle Verkehrsteilnehmer durch zahlreiche "Stressoren" überlastet, etwa Verkehrslärm, Lichtsignale, Luftverschmutzung, Platzmangel und die schlechte Übersicht. "Das menschliche Gehirn kann nur eine bestimmte Zahl an Reizen aufnehmen, danach schalte es ab und blendet Risiken aus", sagt er. Deshalb brauche es weniger nicht mehr Reize (wie den Gong an den Haltestellen) im Straßenverkehr.

"Der Gong ist dezent"

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Lenßen schlägt vor, den Autoverkehr und mit ihm Lärm und Luftverschmutzung auf zwei Wegen zu verringern: mehr verkehrsberuhigte Zonen sowie bessere Angebote im Nahverkehr und für Radfahrer und Fußgänger, damit mehr Menschen vom Auto auf Bus, Bahn oder Fahrrad umsteigen. An Haltestellen müsse es zudem mehr Bedarfsampeln geben, damit Fußgänger nicht dazu verleitet würden, die Verkehrsregeln zu brechen, um eine Straßenbahn zu erreichen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam das Forsa-Institut, das die Stressfaktoren in den größten deutschen Städten untersucht hat. 90 Prozent der Düsseldorfer empfinden die Belastung durch den Verkehr als hoch oder sehr hoch. (Durchschnittswert: 85 Prozent). Zugleich vermissten viele Befragte Grünanlagen als Rückzugsmöglichkeit und bemängelten das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche.

Roland Hahn, stellvertretender Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, verteidigt den Ansatz seiner Behörde. "Der Gong ist dezent und erinnert zugleich diejenigen, die in Eile oder unaufmerksam sind, an die mögliche Gefahr." Deshalb habe das Amt ihn gezielt an Orten aufgestellt, die als Gefahrenpunkte gelten, "und zwar bevor etwas passiert."

(RP)
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