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Nach Bluttat von Yanqing T: Kripo gibt Düsseldorfer Kanzlei nach Amoklauf frei

Nach Bluttat von Yanqing T : Kripo gibt Düsseldorfer Kanzlei nach Amoklauf frei

Zwei Büros der beiden ermordeten Rechtsanwälte sind noch immer beschlagnahmt. Die Kanzlei, in der ihr Mörder Feuer gelegt hat, bietet ein Bild der Verwüstung,

Eigentlich hatte Martin Lauppe-Assmann, der vergangenen Woche im Urlaub war, als ein mit Messern und Pistole bewaffneter Mann in seine Kanzlei eindrang, die Räume im dritten Stock des Straßenverkehrsamts behalten wollen. "Ich lasse nicht einen Verbrecher mein Leben verändern", hatte der Anwalt noch am Montag nach seiner Rückkehr gesagt. Doch jetzt hat er den Schauplatz des Verbrechens gesehen, dem zwei seiner Kollegen zum Opfer fielen. Und er hat mit den Überlebenden gesprochen. "Sie wollen nicht mehr hierher zurück."

Vor allem der Anwalt, dem Yanqing T. zuerst eine Pistole an den Kopf gehalten und zweimal abgedrückt haben soll, ist schwer traumatisiert. Wegen einer Ladehemmung hatte sich kein Schuss gelöst, der Angreifer habe dem Juristen die Waffe dann auf den Kopf geschlagen, sagt Lauppe-Assmann. "Ich kann verstehen, dass er nicht mehr hier arbeiten will." Zwei Büros, die von den Getöteten genutzt wurden, sind noch von der Polizei beschlagnahmt. Warum, weiß der Jurist nicht. "Da ist doch nichts passiert."

Es war der Eingangsbereich der Kanzlei, in den durch die verrußten Fensterscheiben spärliches Licht auf das verbrannte Mobiliar fällt, in dem sich unbeschreibliche Szenen abgespielt haben müssen. Mit dem Rücken zur Tür hatte dort Ulrike F. am Schreibtisch gesessen, als ihr früherer Mandant in die Kanzlei gestürmt war. "Er war schon mehrmals ohne Termin aufgetaucht und hatte sie beschimpft", sagt Lauppe-Assmann. Nach dem Kampf mit dem ersten Anwalt, der ihn hatte stoppen wollen, soll T. die Waffe gewechselt und ein Messer gezogen haben, mit dem er sich auf seine frühere Anwältin stürzte. Sie hatte ihn 2012 vertreten, als er wegen Körperverletzung angeklagt war. Ihr warf er vor, dass er zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

An ihrem Arbeitsplatz rammte er ihr sein Messer in den Kopf. Unklar ist, wann und wie und warum er im hinteren Bereich der Kanzlei auf einen weiteren Anwalt traf. "Der hatte wirklich absolut nichts mit seinem Fall zu tun", sagt Lauppe-Assmann. Auch ihn soll der rasende T. niedergestochen, ihm mit dem Messer schwerste Kopfverletzungen beigebracht haben, bevor er im Entree der Kanzlei Benzin ausgoss und Feuer legte.

Anschließend war er nach Erkrath gefahren, wo er kaltblütig die Mitarbeiterin einer weiteren Anwaltskanzlei erschoss, einen im Rollstuhl sitzenden Rechtsanwalt in den Bauch schoss und hilflos zurückließ, nachdem er auch diese Kanzlei angezündet hatte. Deren Besitzer hatte ihm davon abgeraten, Ulrike F. zu verklagen. Auch ihn soll er deshalb mehrfach bedroht haben. Der Mann war allerdings nicht im Büro, als T. am Freitag dort eintraf und die Waffe zog. Erst in Goch, wo der 48-Jährige seinen Rachefeldzug offenbar bei seiner früheren Chefin, die ihn vor Gericht gebracht hatte, fortsetzen wollte, war er gefasst worden. Staatsanwalt Christoph Kumpa beschrieb seine Taten später als "von äußerster Brutalität gekennzeichnet".

Die Ermittlungen, insbesondere zur Herkunft der Waffe, für die T. keine Erlaubnis hatte, dauern an.

(RP)