Düsseldorf: Kriminalstatistik: Wie sicher ist Düsseldorf?

Düsseldorf : Kriminalstatistik: Wie sicher ist Düsseldorf?

Im demnächst erscheinenden Jahrbuch des Bundeskriminalamts hat die Landeshauptstadt die Rolle der zweitgefährlichsten Stadt Deutschlands. In unserer Serie vergleicht die RP Düsseldorfs Zahlen mit denen anderer Städte.

Im Jahrbuch 2012 des Bundeskriminalamts wird es schwarz auf weiß zu lesen sein: Nur in Hessens Metropole Frankfurt müssen die Menschen mehr Kriminalität ertragen als in Düsseldorf. Auf 100 000 Einwohner kamen im vergangenen Jahr knapp 15 000 Straftaten. Nicht einmal in Berlin waren es mehr.

Trotzdem fühlen sich die Düsseldorfer offenbar sicher in ihrer Stadt. Das hat erst vorige Woche eine von der EU in Auftrag gegebene Studie ergeben. Mit der Sicherheit in ihren Wohnquartieren sind demnach 88 Prozent der Düsseldorfer "eher" bis "sehr" zufrieden. Und das, obwohl die Polizei seit einigen Jahren regelmäßig über den deutlichen Anstieg gerade der Wohnungseinbruchszahlen berichtet.

Lässt man die statistische Größe der Häufigkeitszahl außer Acht, die sich aus der Zahl der Straftaten je 100 0000 Einwohner ergibt, lässt sich der scheinbare Widerspruch ihn gezählter und gefühlter Sicherheit klären. Denn tatsächliche Opfer von Straftaten wurden im vergangenen Jahr nur knapp 1,6 Prozent der Düsseldorfer. In Berlin waren es mehr als zwei, ebenso in Stuttgart, das in der bundesweiten Kriminalitäts-Parade mit Platz 29 als weitgehend friedlich gilt.

Dabei waren die 10 345 im vorigen Jahr registrierten Opfer längst nicht alle Düsseldorfer. Die Statistik berücksichtigt weder die Zahl der täglichen Pendler, noch die der Besucher von Großveranstaltungen oder die der Reisenden, die am Flughafen Opfer von Straftaten werden. Auch am Stuttgarter Flughafen gibt es Taschen- und Gepäckdiebstähle — doch die werden nicht von der Stuttgarter Polizei bearbeitet — und deshalb auch nicht dort gezählt. Eine weitere Erklärung dafür, warum die Düsseldorfer mit ihrer Sicherheit eigentlich zufrieden sind, mag daran liegen, dass die im vorigen Jahr registrierten 88 659 Straftaten längst nicht von allen Bürgern wahrgenommen wurden. Und wenn, dann nicht als bedrohlich für die eigene Person. Beispiel Schwarzfahren: Das macht immerhin rund acht Prozent der Gesamtdelikte aus, stört zwar die Rheinbahn, nicht aber den einzelnen Bürger. Verzichtete die Rheinbahn ganz auf die Kontrollen, wäre die Düsseldorfer Kriminalstatistik voriges Jahr um 7430 Fälle leichter gewesen. Tatsächlich aber wurden 2012 so viele Schwarzfahrer ermittelt wie nie.

Auch die Zahl der Rauschgiftdellikte stieg im vorigen Jahr an. Die 3284 Fälle machen 3,2 Prozent der Gesamtkriminalität aus. Es liegt in der Natur der Drogenschäfte, dass sie heimlich abgewickelt und der Öffentlichkeit kaum bekannt werden — auch hier ist der Unsicherheitsfaktor für die Bevölkerung gering. Für Polizeipräsident Herbert Schenkelberg ist die Krux der Statistiken im Bereich der Rauschgiftkriminalität gut zu erkennen: Drogendelikte werden nur selten angezeigt. Die Polizei kommt ihnen nur durch Fahndung auf die Spur. Arbeiten also die Drogenfahnder gut, produzieren sie Fälle, die die Statistik erhöhen. "Wenn wir diese Arbeit einstellen, sinkt rein statistisch die Drogenkriminalität in Düsseldorf auf Null", sagt Schenkelberg.

Der Ruf der wohlhabenden Landeshauptstadt dagegen trägt tatsächlich zur Gefährdung bei. Diebe jeder Art reisen täglich an, um zu stehlen, was sie tragen können. Die reisenden Banden sind nur schwer zu überführen, was mit ein Grund dafür ist, dass die Aufklärungsquote der Düsseldorfer Polizei mit 46,59 Prozent nicht zu den besten gehört. Ihre Münchener Kollegen klärten laut Statistik 60,5 Prozent der Taten auf. Dabei gilt jedoch: Was nicht geklärt ist, muss nicht zwingend als ungeklärt erfasst werden. Fälle, die noch nicht abgeschlossen sind, gehen nicht in die Statistik ein.

Polizeigewerkschafter fürchten deshalb, dass Statistiken geschönt sein könnten — etwa, um das Thema Personalmangel erst gar nicht aufkommen zu lassen.

(RP)