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Krimi-Autorin aus Düsseldorf hat Corona-Buch geschrieben

Literatur aus Düsseldorf : Eine Frage der Perspektive

In der Pandemie verlor Krimiautorin Kerstin Lange die Lust am Formulieren von Geschichten. Geholfen hat ihr ein ganz anderes Buch, das sie schrieb – eben über Corona und wie das Virus das Leben der Menschen verändert hat. 

Kerstin Lange schreibt Krimis. Oder um genau zu sein: Sie schrieb. Denn mit dem Beginn von Corona stellte sich bei ihr eine Art Schreibblockade ein. „Ich hatte keinen Input mehr, verlor meinen Rhythmus“, erzählt die Autorin, die in den Jahren zuvor vor allem erfolgreich Regional-Thriller veröffentlicht hatte – aus Neuss, wo sie früher mit ihrem Mann gewohnt hat, nach ihrem Umzug dann aus Speyer. „Aber schon mein letztes Buch ,Lügenbilder‘ ist in der Pandemie vollkommen untergegangen“, sagt sie. Lange wurde in ihrer Not auf eine Initiative des Landes aufmerksam: Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft vergab Stipendien im Rahmen der Corona-Hilfen. Und die Schriftstellerin bewarb sich – mit einem Corona-Buch.

„Ich bin ein grundsätzlich positiver Mensch, der in allem Schlechten auch etwas Gutes sieht“, sagt Lange. So entstand das Buch „Anderssichtig – Eine Frage der Perspektive“. Kerstin Lange ging wieder vor die Tür und mit offenen Augen durch die Stadt, in die Natur, oft in Eller, wo sie wohnt und meist begleitet von ihrem Mann, der fotografierte – Alltagsmotive, aber aus einem anderen Blickwinkel. „Es gibt ja auch in der Krise Momente der Hoffnung und Zuversicht. Diese Momente wollte ich einfangen, aber verbunden mit einem Perspektivwechsel.“

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Lange sprach Freunde und Fremde an, fragte sie nach ihren Erfahrungen und Erlebnissen, die sie trotz Corona (oder gerade deswegen) im Lockdown und darüber hinaus gemacht haben. Und diese vermeintlich banalen Berichte kleidete sie in Geschichten, entwickelte sie weiter, fügte Biografisches hinzu, sodass eine Mischung aus Realität und Fiktion gelang. 19 Kapitel sind so entstanden, über das Rauchen und die Schwierigkeit, damit aufzuhören, über kulinarische Genüsse, die Liebe, das Reisen, den Kreislauf des Lebens und die Welt zu Hause.

„Corona hat mich irgendwie gerettet“, sagt Kerstin Lange, denn dieses Buch hat sie als eine Befreiung empfunden. Sie schreibt jetzt wieder, motiviert wie früher, aber keine Krimis mehr. Die Autorin arbeitet an einem Familienroman mit zwei Zeitebenen – im Hier und Jetzt sowie in Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, als die Resistance sich gegen die deutsche Besatzung auflehnte. „Die Recherche ist sehr aufwendig, und je mehr ich mich einlese, desto erschreckender sind die Parallelen zu der aktuellen Lage“, spielt Lange auf den Einmarsch der Russen in die Ukraine an.

Jedenfalls ist die Autorin jetzt wieder voller Tatendrang. „Das Corona-Buch hat mir sehr geholfen, auch weil es ein viel kleineres Projekt war, das ich ohne Druck angehen konnte“, so die 55-Jährige. Dass der ein oder andere es nicht verstehen konnte, warum die Pandemie ihr so zugesetzt hat, „wo ich doch ohnehin immer nur am Schreibtisch sitze und schreibe“, kann sie nachvollziehen. „Aber da spielen eben auch ganz andere Faktoren ein Rolle: Keine Lesungen mehr, Verlage verschieben Veröffentlichungen, und was halt besonders schlimm war: Es fehlte komplett die Inspiration, du bist stattdessen in einem Gedankenkarussell gefangen.“

Kerstin Lange war früher Bilanzbuchhalterin, erst als die Tochter aus dem Haus war, fing sie vor elf Jahren mit dem Schreiben an. „Für meinen ersten Roman habe ich fürchterlich lange gebraucht“, sagt sie. Gut möglich, dass das jetzt mit ihrem neuen Buch auch wieder so sein wird, „aber ich bin wieder top motiviert, gehe ganz anders an die Sache heran als noch vor zwei Jahren“. Kerstin Lange hat für sich persönlich Corona überwunden, die innerliche Blockade gelöst, durch das Schreiben eines Buches – aber eben verbunden mit einer anderen Sichtweise.