Die Schweizer Künstlerin Bettina Grossenbacher bietet Einblicke in das Leben zweier Schwestern: Krieg und Frieden im Hotel

Die Schweizer Künstlerin Bettina Grossenbacher bietet Einblicke in das Leben zweier Schwestern : Krieg und Frieden im Hotel

Düsseldorf (dto). Die Videoinstallation der Schweizerin Bettina Grossenbacher 'You will recognize the place' lässt den Zuschauer in die Rolle des voyeuristischen Beobachters schlüpfen. Sie gewährt ihm einen Einblick in das Leben zweier Zwillingsschwestern. Ein schwelender Streit, Nähe und Flucht, An- und Abwesenheit sind zentrale Elemente, losgelöst aus ihrem Kontext bieten sie, trotz der festen Perspektive durch die Kamera, genug Platz für eigene Erfahrungen, Erlebnisse und Ideen.

Vier große Videoleinwände sind alles, was im kargen Kunstraum den Blick auf sich zieht. Die Fenster sind verklebt, keine Dekoration an den Wänden oder auf dem Boden lenkt den Blick und die Gedanken ab. Auf den Leinwänden ist ein Hotelzimmer zu sehen - zwei Räume, zwei Menschen. Die beiden Zwillingsschwestern unterscheiden sich nur durch die Frabe ihrer Bluse: rosa und blau. Doch die beiden sind getrennt, sicht- und spürbar. Sichtbar durch die Trennung der Leinwände, eine Säule in der Mitte, spürbar durch die knisternde Spannung, die den Bildern anhaftet.

Ein Konflikt liegt in der Luft, keine der Schwestern mag die andere im gleichen Raum haben, und doch tun sie gleiche Dinge. Während die Schwester mit der blauen Bluse im einen Raum auspackt, schaut die 'rosane' aus dem Fenster. "Es geht auch um Rituale des Ankommens", erklärt Bettina Grossenbacher. Ankommen, Auspacken, Aus-dem-Fenster sehen. ein rascher Wechsel, und nun packt die Schwester mit der rosa Bluse aus, die 'blaue' schaut aus dem Fenster.

Zeitraffer, Schnitte, unvollständige Szenen. Die Zeit vergeht und mit ihr steigert sich der Konflikt. Erste Annäherungsversuche der einen Schwester provozieren die andere dazu, unter einer Wolldecke Schutz zu suchen. Weitere Eskalation ist vorprogrammiert, gipfelt schließlich darin, dass beide sich schlagen. Erschöpft liegen sie in der Mitte der beiden Räume, der Übergang ist geschaffen. Nun beginnt die Phase der vorsichtigen Annäherung, Blumen und Zärtlichkeit ebnen den Weg. Schließlich packen sie die Wolldecke, Symbol für die Schutzsuche, weg und setzen sich nebeneinander. Sie haben wieder zusammengefunden. Schnitt. Alles wird wiederholt...

Bettina Grossenbacher hat in nur sechs Wochen Arbeit einen faszinierenden Einblick in das Leben zweier Menschen geschaffen. "Annäherung durch Aggression, Nähe und Flucht sind Kernelemente", sagt Grossenbacher. "Besonders wichtig war mir aber, dass genug Platz für eigene Erfahrungen und Eindrücke bleibt", meint sie weiter.

Grossenbacher ist Stipendiatin des Landes NRW, sie bekommt in Düsseldorf ein Gastatelier gestellt und ein kleines Taschengeld zum Leben. Auf Einladung der Stadt Düsseldorf hat sie die Videoproduktion kreiert, die noch bis zum 18. April im Kunstraum zu sehen sein wird.

Von Andreas Petermeier

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