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Düsseldorf: Kranke Senioren üben Selbstständigkeit

Düsseldorf : Kranke Senioren üben Selbstständigkeit

In der Tagesklinik des Martinus-Krankenhauses lernen ältere Menschen, die gleich mehrere Krankheiten haben, ihren Alltag zu meistern, trainieren zum Beispiel Gleichgewicht und Ausdauer. Pro Jahr werden 1500 Patienten behandelt.

Das Alter hat für Erna B. (84) zwei Seiten: die Zeit vor dem Unfall und die Zeit danach. Vor dem Oberschenkelhalsbruch ging es ihr ziemlich gut, sie hatte keine Probleme, sich allein zu versorgen. Nach der Operation aber dauerte es lange, bis sie halbwegs wieder auf die Beine kam, außerdem verdüsterte eine Depression ihre Stimmung. Ein typischer Fall für das Martinuskrankenhaus in Unterbilk, die einzige Düsseldorfer Klinik, die eine Akut-Geriatrie mit einer Tagesklinik für ältere Patienten kombiniert. Und dort trainiert Erna B. jetzt wieder, was sie sich nicht mehr zutraut: einen selbstständigen Alltag.

Ein Leiden kommt selten allein — dieser Satz gilt für alle Patienten der geriatrischen Abteilung. Deshalb sind Chefarzt Herbert Durwen und sein Team darauf spezialisiert, ältere Menschen zu behandeln, bei denen gleich mehrere Krankheiten zusammenkommen. "Da ist ein 80-Jähriger, der schon länger eine Gelenkarthrose und Diabetes hat und nun einen Schlaganfall erlitten hat", erläutert Herbert Durwen. Oder eine Patientin, deren Parkinson sich akut verschlechtert hat, denn gleichzeitig hat sie auch eine schwere Harnwegsinfektion.

Der Vorteil des Martinuskrankenhauses: Das Geriatrie-Team setzt sich aus Neurologen, Internisten und Allgemeinmedizinern zusammen, andere Spezialisten können zu jeder Zeit konsultiert werden. Durwen: "Außerdem denken wir über den Krankenhausaufenthalt hinaus."

Denn so unterschiedlich die 1500 Patienten sind, die jedes Jahr in der Geriatrie behandelt werden, ein Ziel gilt für sie alle: Sie sollen nach Möglichkeit wieder nach Hause zurückkehren können. Und wenn das nur mit Unterstützung möglich ist — vom Rollator bis zum Pflegedienst — dann wird auch das von der Klinik organisiert. "Manche unserer Patienten brauchen nach einem längeren Krankenhausaufenthalt noch ein bisschen Unterstützung, damit sie wieder selbstständig leben können", erläutert der Chefarzt. Und die bekommen sie in der hauseigenen Tagesklinik. Erna B. lernt dort gerade, mit sicherem Tritt wieder die Kante zur Dusche zu überwinden und trainiert täglich ihre Muskeln, damit sie wieder kräftiger wird.

Außerdem erforscht das Ärzteteam immer auch die Ursache eines Sturzes. Manchmal wird ein umgeschlagener Teppich zur Stolperkante, aber es kann auch eine Nervenerkrankung in den Beinen dahinter stecken oder ein unregelmäßiger Herzschlag. Drei Wochen bleiben die Patienten meistens in der Tagesklinik, trainieren Gleichgewicht und Ausdauer und erlernen wieder das ABC für ihren Alltag. Das kann beim einen die Feinmotorik in den Händen sein, um wieder ein Besteck halten zu können, während der andere unsicher ist, wieder allein mit dem Bus zu fahren oder einkaufen zu gehen — beides wird an der Seite eines Therapeuten geübt.

Da immer mehr Menschen ein hohes Alter erreichen, werden Einrichtungen wie Akut-Geriatrie und Tagesklinik des Martinuskrankenhauses immer wichtiger. Durwen: "Auch die psychischen Erkrankungen steigen deutlich, wir können davon ausgehen, dass bis zu 25 Prozent aller über 70-Jährigen an einer mehr oder weniger starken Depression leiden." Das Krankenhaus plant daher längst für die Anforderungen der Zukunft: Auf dem Gelände entsteht ein Neubau für Geriatrie.

(RP)