Kraftklub in Düsseldorf: Wie das Konzert in der Mitsubishi-Electric-Halle war

Kraftklub in der Mitsubishi-Electric-Halle: Die Band mit dem K nimmt Düsseldorf die Nacht

Das Konzert von Kraftklub in der Mitsubishi-Electric-Halle war natürlich ausverkauft, so wie alle Auftritte, die die Chemnitzer derzeit geben. Den Erfolg verdienen sie sich mit harter Verausgabung - so viel Energie und Publikumsnähe erlebt man selten.

Frontmann Felix Brummer geht immer wieder auf Tuchfühlung mit seinen völlig euphorischen, ziemlich jungen Fans. Er leitet sie zum Crowdsurfen, Mitsingen, Grölen ("Gebt mir ein 'Keine Nacht für Düsseldorf'!") an. Er singt mit dem Schweizer Gast Faber und einem knutschenden Männerpärchen gegen Homophobie und für freie Liebe und spielt mit Marvin aus der vierten Reihe Glücksrad. Es hält beim Stichwort Coversong - und die Band spielt mit demselben Druck und der Dringlichkeit ihres eigenen Werks das geniale Lied gegen Rechts "Schrei nach Liebe" von den Ärzten.

Danach gellen zum ersten Mal "Nazis raus"-Rufe durch die Halle. "Ihr seid super, Düsseldorf", ruft Brummer.

Wenn man Kraftklub und ihre Fans beobachtet, könnte man meinen, politisch links zu sein läge entgegen der aktuellen Wahlergebnisse wieder im Trend. Mit ihrem aktuellen Albumtitel "Keine Nacht für niemand" bezieht die Band sich klar auf Rio Reisers Band Ton Steine Scherben.

Die Bandmitglieder betonen, aus "Karl-Marx-Stadt" zu stammen, obwohl die Stadt seit der Wiedervereinigung Chemnitz heißt. Sie machen Stimmung gegen die AFD, singen in ihren oft ironischen oder zynischen Texten gegen die Lohnarbeit oder die hysterischen Diskussionen in sozialen Netzwerken, wo Fakten gegen alternative Fakten in den virtuellen Ring gehen.

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Im Zugabenblock spielen sie mit "Ich will nicht nach Berlin" oder "Wie ich" Stücke, die sie groß gemacht haben, auf einer kleinen Hebebühne im hinteren Bereich der Halle. Damit kehren Kraftklub die Klassengesellschaft einer klassischen Konzertbesucherschaft um: Wer hinten stand, ist jetzt vorn.

Vom Sound und der Bühnenästhetik her folgen Kraftklub im schwarz-rot-weißen Look dabei Bands des Post-Punk- und Garage-Rock-Revivals wie The Hives, Art Brut oder Franz Ferdinand und mixen elektronische Beats und Rap-Sprechgesang hinein.

Ihr Publikum haben sie damit nach wenigen Sekunden sowas von im Griff, dass diese Nacht wahrscheinlich wirklich endlos hätte ausfallen können: Keine Nacht für niemand eben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kraftklub beim Big Air in Mönchengladbach

(RPO)