Düsseldorf: Kraftakt an der Kniebrücke

Düsseldorf : Kraftakt an der Kniebrücke

Nicht leichter als das: Um die Lager der Rheinkniebrücke auszutauschen wurde sie am Freitag erfolgreich angehoben. Währenddessen fließt der Verkehr weiter. Doch bis Ende des Monats müssen die Arbeiten beendet sein.Thomas Achterberg ist entspannt. Der Bauleiter der Firma Maurer Söhne hat so etwas schließlich schon öfter gesehen. Das Anheben einer Brücke, selbst einer Rheinbrücke, ist nicht ungewöhnlich für ihn.

"Die Rheinkniebrücke ist natürlich schon ein etwas größeres Exemplar, aber technisch ist das unproblematisch hier", sagt er und schaut nach oben, wo unter den linksrheinischen Pfeilern seine Mitarbeiter die Rheinkniebrücke nun tatsächlich heben, gleichzeitig, nur ein ganz kleines bisschen, etwa zehn Millimeter reichen schon.

Es knirscht und knackt, "das sind die hydraulischen Pressen", erklärt Achterberg, dann hört es auf, die Brücke ist angehoben. Mit Hilfe von 170 Bar Hydraulikdruck.
Der Verkehr auf der Rheinkniebrücke läuft unterdessen weiter. Achterbergs Handwerker können nun damit beginnen, die alten Lager auszubauen und die neuen einzusetzen, die am Brückenpfeiler bereitliegen.

Bis spätestens Ende Oktober müssen die Arbeiten abgeschlossen sein, weil die Pfeiler der Widerlager im Hochwassergebiet des Rheins stehen. Die erste Phase ist der Ausbau der alten Lager, dann werden die neuen einbetoniert. Wenn der Beton trocken ist, wird die Brücke wieder herabgesenkt. Da es im linksrheinischen Widerlager keinen Platz für den Einbau einer Hebekonstruktion gibt, wurde ein etwa zwölf Meter hohes Gerüst vor den Pfeilern als Untergerüst für die Pressen errichtet. Das Gerüst aus Stahlträgern steht auf extra für die Maßnahme gegossenen Betonklötzen, sie tragen 330 Tonnen.

Der Abbau der Konstruktion ist der letzte Schritt der Maßnahme.
Achterberg ist zuversichtlich, dass seine Leute im Zeitplan bleiben. Schließlich haben sie das schon hundertmal gemacht. Maurer Söhne, die ihren Hauptsitz in München haben, sind Weltmarktführer in ihrem Bereich. So lagert etwa auch die Tejo-Brücke "25. April" in Lissabon auf Lagern der Münchner, genau wie die Sutong-Brücke über den Yangtse in China, eine Schrägseilbrücke, die mit 1088 Metern allerdings die weltweit größte Stützweite aufweist (Rheinkniebrücke: 320 Meter). Achterberg selbst war beim Bau der Öresundbrücke dabei, was schon ein anderes Kaliber als die Rheinkniebrücke sei.

Unter der Rheinkniebrücke müssen die alten Topflager neuen, einseitig beweglichen Kalottenlagern weichen, die den Druck der Brücke gleichmäßig verteilen und temperaturbedingte Schwankungen von bis zu 30 Zentimetern nach links und rechts ausgleichen. Die Lager bestehen aus extrahartem Stahl und Kunststoff. Sie können bis zu 640 Tonnen Vertikallast aufnehmen.

Die Kosten für den Austausch belaufen sich auf rund 210 000 Euro. Die Lager beider Pylone werden bei dieser Maßnahme nicht gewechselt. So eine Brücke ist wie ein Auto, sagt Achterberg, und so eine Lagerwechsel sei eben wie ein Ölwechsel.