Anwohner verärgert: Krach um nächtliche Knöllchen

Anwohner verärgert : Krach um nächtliche Knöllchen

15 Euro fürs Parken auf dem Gehweg sollen die Anwohner des Sperlingswegs zahlen. Sie sind sauer. Denn ihre Wohnstraße wurde mitten in der Nacht kontrolliert – nicht wie üblich vom Ordnungsamt, sondern von der Polizei.

15 Euro fürs Parken auf dem Gehweg sollen die Anwohner des Sperlingswegs zahlen. Sie sind sauer. Denn ihre Wohnstraße wurde mitten in der Nacht kontrolliert — nicht wie üblich vom Ordnungsamt, sondern von der Polizei.

Eigentlich hat Thomas Greiss nichts dagegen, dass die Polizei nachts um zwei auf dem Sperlingsweg Streife fährt. "Es gab hier in letzter Zeit eine ganze Reihe Einbrüche. Und gerade jetzt in den Ferien, wo viele Nachbarn verreist sind, ist das schon eine gute Sache."

In der Nacht zu gestern war die Polizei jedenfalls da. Das lässt sich beweisen. Denn zwei Beamte haben in den frühen Morgenstunden mindestens acht Knöllchen hinterlassen — wegen ordnungswidrigen Parkens auf dem Gehweg. Und das, sagt Greiss, "ist eine Frechheit."

In der Wohnsiedlung stehen ausschließlich Einfamilienhäuser, vor denen nur die Anwohner parken. Touristen, die die Parkgebühren am Flughafen sparen wollen, in dem sie ihre Autos irgendwo in Unterrath abstellen, gibt es hier nicht. Für die wäre auch kein Platz. Die Straße ist schmal, die Gehwege auch. Darum parkt Thomas Geiss seinen Wagen, wenn überhaupt, dann mit zwei Rädern auf dem Bürgersteig. Wie alle seine Nachbarn. "Wir kennen uns, wissen, wem welches Auto gehört und achten schon darauf, dass da noch genug Platz für einen Kinderwagen ist", sagt Geiss.

Seit zehn Jahren wohnt er am Sperlingsweg. Und parkt auch da, so wie Sabine Petry, die gestern ebenfalls ein Knöllchen unterm Scheibenwischer hatte und sich fragt, ob sie ihr Auto künftig erlaubt, aber verkehrsbehindernd auf die Fahrbahn stellen soll. Und wie viele andere, die sich gestern vor allem über eines wunderten: Die Knöllchen kamen nicht vom Ordnungsamt. Sondern von der Polizei.

"Für den ruhenden Verkehr ist eigentlich die Stadt zuständig", bestätigte gestern Polizeisprecher Markus Niesczery. "Aber unsere Beamten können natürlich auch gegen Verkehrsverstöße vorgehen. Etwa dann, wenn sich jemand über verkehrsbehinderndes Parken beschwert." Und auch ohne Beschwerde sei das Ticket-Schreiben seiner Kollegen "rechtlich nicht zu beanstanden". Zwar hatte sich niemand beschwert. Aber das Parken auf dem Gehweg sei nun einmal nicht erlaubt.

Die Nachbarschaft mag das nicht hinnehmen. Viele beschwerten sich gestern Morgen bei der Polizei, die schließlich den Bezirksbeamten vorbei schickte, um die Wogen zu glätten. Und der dabei auch zur Kenntnis nehmen musste, dass die Anwohner zu ihren eigentlichen Stellplätzen zurzeit kaum durchkommen. Denn vor der Zufahrt steht ein Baukran.

Die freundlichen Worte des Bezirksbeamten reichen Thomas Greiss deshalb nicht aus. Er hat für die vergangene Nacht um erneuten Besuch der Polizei gebeten. "Die sollen mir mal zeigen, wo wir mit unseren Autos jemanden gestört haben."