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Kommunalwahl 2020 Düsseldorf: Stefan Engstfeld kandidiert für Grüne als OB

Kommunalwahl 2020 in Düsseldorf : Stefan Engstfeld kandidiert für Grüne als Oberbürgermeister

Der Parteivorstand der Grünen in Düsseldorf schlägt den 50-jährigen Landtagsabgeordneten Stefan Engstfeld vor. Er gilt als bestens vernetzt – und könnte auch ein schwarz-grünes Bündnis vertreten.

Die Grünen schicken den Landtagsabgeordneten Stefan Engstfeld als Kandidaten um das Oberbürgermeister-Amt in Düsseldorf ins Rennen. Der Vorstand des Kreisverbands schlägt den 50-Jährigen den Mitgliedern zur Nominierung vor. Die Personalie wird bei einer Versammlung am 21. Januar beschlossen, eine Gegenkandidatur wäre noch möglich.

Der Parteivorstand lobt in einem Schreiben an die Mitglieder, Engstfeld könne auf Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebenswelten zugehen. „Stefan besitzt eine klare, einnehmende und respektvolle Sprache, die wir zur Sprache der Düsseldorfer Grünen im Wahlkampf machen wollen“, heißt es in dem Schreiben, das am Mittwoch per E-Mail an die Mitglieder versendet wurde. Er habe zudem politische Erfahrung und Durchsetzungskraft.

Engstfeld selbst schreibt, er wolle in dem Spitzenamt im Rathaus „Brücken bauen und Partizipation an politischen Entscheidungen“ ermöglichen. Düsseldorf sei kein Großkonzern, der gemanagt werden kann, schreibst er weiter – eine Anspielung auf Amtsinhaber Thomas Geisel (SPD), dem die Grünen zu viele Alleingänge und einen zu wenig moderierenden Stil vorwerfen. Inhaltlich will sich Engstfeld unter anderem für Klimaschutz, eine Verkehrswende und bezahlbaren Wohnraum einsetzen.

Engstfeld ist der dritte Kandidat, der für die Wahl am 13. September feststeht. Kostenpflichtiger Inhalt Amtsinhaber Geisel tritt wieder an, die FDP hat bereits im September die Kreisparteichefin und Bundestagsabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann nominiert. Die Personalie bei den Grünen wird diesmal mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt: Die Partei hat bei der Europawahl im Mai 2019 in Düsseldorf mit 29,2 Prozent das beste Ergebnis aller Parteien eingefahren und wurde erstmals stärkste Kraft noch vor der CDU. Es ist damit nicht ausgeschlossen, dass die Grünen erstmals das Amt an der Stadtspitze erringen, das in einer Direktwahl vergeben wird. Am 13. September werden außerdem der Stadtrat und die Bezirksvertretungen neu gewählt. Falls kein Bewerber 50 Prozent der Stimmen erhält, erfolgt zwei Wochen später eine Stichwahl um das OB-Amt.

Engstfelds Ruf als Brückenbauer ist für die Grünen in noch einem weiteren Punkt interessant: Er gilt als offen sowohl für eine Fortsetzung des Ampel-Bündnisses mit SPD und FDP als auch für eine schwarz-grüne Koalition im Stadtrat. Die Zusammenarbeit mit der CDU wird in der Partei kritisch beäugt, könnte aber je nach Wahlergebnis das einzige Zweierbündnis mit einer Mehrheit werden.

Engstfeld gehört dem Landtag mit einer Unterbrechung seit 2010 an und ist derzeit rechtspolitischer Sprecher der Fraktion, in der letzten Wahlperiode lagen seine Schwerpunkte auf Europa- und Strukturpolitik. Er wuchs in Ratingen auf. Er absolvierte seinen Zivildienst an der Uni-Klinik und blieb in Düsseldorf. An der Universität Duisburg-Essen studierte er Sozialwissenschaften und beendete das Studium ohne Abschluss, um als persönlicher Mitarbeiter in der NRW-Landtagsfraktion der Grünen und später der Bundestagsfraktion zu arbeiten. Bei der Landtagswahl 2017 verlor er wegen des schlechten Abschneidens der Grünen sein Mandat und rückte ein Jahr später nach dem Abschied von Barbara Steffens nach.

Er gilt als einer der am besten vernetzten Grünen in der Düsseldorfer Stadtgesellschaft. Stefan Engstfeld ist unter anderem Mitglied der Karnevalsgesellschaft KG Regenbogen und des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges und ist Stammgast bei den Heimspielen der Fortuna. Verheiratet ist er mit der Journalistin Kerstin Jäckel-Engstfeld, die Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) nach seinem Antritt 2014 zur Stadtsprecherin gemacht hatte. 2018 erklärte sie nach einem Zerwürfnis mit Geisel ihren Rücktritt.

Die Kandidatur war zuletzt erwartet worden. Der Weg für Engstfeld war frei geworden, nachdem die beiden prominentesten Düsseldorfer Grünen im Land, Landtags-Fraktionschefin Monika Düker und Landeschefin Mona Neubaur, kein Interesse an der Kandidatur angemeldet hatten. Auch die Kandidatin von 2014 und spätere Flüchtlingsbeauftragte, Miriam Koch, wollte nicht wieder antreten. Falls Engstfeld nun sein Landtagsmandat niederlegt, wird übrigens kein Düsseldorfer nachrücken: Martin-Sebastian Abel könnte laut Reserveliste zum Zug kommen, hat sich aber beruflich neu orientiert und bereits abgewunken.

Alle Blicke richten sich nun auf die CDU, die ihren Kandidaten für den Oberbürgermeister-Posten noch nicht verkündet hat. In Parteikreisen wird derzeit vor allem der Landtagsabgeordnete Olaf Lehne genannt. Die Partei will sich in den nächsten Wochen äußern.