Kommt das Fotozentrum doch nicht nach Düsseldorf?

Interview sorgt für Verunsicherung : Kommt das Fotozentrum doch nicht nach Düsseldorf?

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hält die Standortfrage weiter für offen – und widerspricht damit der NRW-Landesregierung.

(arl) Kommt das neue Fotozentrum doch nicht nach Düsseldorf? Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat jetzt in einem Interview betont, dass die Entscheidung noch nicht gefallen ist – und widerspricht damit unter anderem der NRW-Landesregierung. Die hatte im November genau wie die Stadt verlauten lassen, dass die Weichen für Düsseldorf gestellt seien, nachdem Bundestag und Landtag jeweils 41 Millionen Euro für den Bau des Instituts freigegeben hatten. Die neue Einrichtung soll das fotografische Kulturerbe des Landes bewahren.

Grütters betonte nun in einem  Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass die Kommission, die das Vorhaben inhaltlich vorbereiten soll, im Frühjahr ihre Ergebnisse vorlegen wird. Erst auf dieser Basis werde über Standort und Finanzierung entschieden. Grütters sagte zu den Meldungen über eine Entscheidung für Düsseldorf, sie habe sich „über diese Initiative auch ein bisschen gewundert. Das kam aus der Stadt Düsseldorf und aus dem Haushaltsausschuss“. Düsseldorf sei aber in der „engsten Wahl“, so Grütters.

Die Staatsministerin stellt damit überraschend die Parlamentsbeschlüsse infrage. Sowohl Bundestag als auch Landtag hatten ihre Finanzierungsentscheidungen explizit mit dem Standort Düsseldorf verknüpft. Auch die Landesregierung war in einer Stellungnahme von einer Vorentscheidung für Düsseldorf ausgegangen. Unklar ist, wie genau es zur Entscheidung im Bundestag kam. Vertreter von Land und Stadt sowie private Befürworter wie Fotokünstler Andreas Gursky hatten sich für Düsseldorf auf allen Ebenen eingesetzt. Möglicherweise wurde Grütters von der politischen Entscheidung in der Regierungskoalition überrumpelt – und betont daher nun die Bedeutung der Kommission, auf deren Votum eigentlich gewartet werden sollte.

Aus Sicht von Hagen Lippe-Weißenfeld, der sich mit der Kulturberatung Projektschmiede für Düsseldorf eingesetzt hatte, steht die Standortfrage nicht mehr zur Debatte. „Die Beschlusslage von Bundes- und Landesparlament ist eindeutig“, meint er.

Auch der geplante Standort am Rande des Hofgartens ist politisch nicht unheikel. Eingriffe in die Park­anlage werden von vielen Bürgern traditionell mit Misstrauen beäugt. Zuletzt hatte sich die Aktionsgemeinschaft der Heimatvereine gegen eine Vergrößerung des Opernhauses ausgesprochen, falls dafür der Park verkleinert werden muss.