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Kolumne: Darum kann man Düsseldorf doof finden

Kolumne Mein Düsseldorf : Es gibt einige Gründe, Düsseldorf nicht zu mögen

In einem neulich veröffentlichten Ranking zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität kommt Düsseldorf auf Platz 18. Unser Autor aber sieht genug Gründe, die Stadt nicht zu mögen. Stau, teurer Wohnraum und Kö-Klischee können einem die Freude an der Stadt verleiden.

Neulich gab es wieder Lorbeeren für die Landeshauptstadt: Platz 18 aller Städte weltweit mit dem höchsten Lebensstandard, will ein Magazin namens Monocle herausgefunden haben. Untersucht wurden unter anderem die Kulturszene, Verkehrsanbindungen und die Wohnungssituation. Vor wenigen Wochen hat eine weltweit aktive Agentur festgestellt, Düsseldorf liege auf dem 6. Platz der lebenswerten Großstädte – allerdings nach einer Umfrage unter gut verdienenden Zuwanderern, die aus beruflichen Gründen in die Stadt ziehen.

Für solche Menschen ist die Internationale Schule wichtig, oder die Nähe zum Flughafen und das exzellente Angebot an coolem Wohnraum. So oder so: Bei so viel Zuspruch geht dem Lokalpatrioten das Herz auf, denn er bekommt bestätigt, was er schon lange fühlt. Ehrlicherweise müsste er aber einräumen, dass man Düsseldorf durchaus doof finden kann. Oder unansehnlich, nicht liebenswert, schlecht, mies, zum Kotzen oder zum Davonlaufen. 

Und wieso? Wo sind die Gründe dafür, diese Stadt nicht zu mögen?
Sie sind leicht zu finden. Und wir müssen jetzt nicht über Dauerbaustellen am Schauspielhaus, dem Kö-Bogen II oder der Kasernenstraße sprechen.

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Sollten Sie aus den weiter entfernten Stadtteilen kommen, fahren Sie mal an einem verregneten Montagmorgen aus dem Süden kommend über die Friedrichstraße in die City. Sie werden im Stau stehen. Der Grund: Die Einfallstraße wurde durch eine angeblich Fahrrad- und umweltfreundliche Politik absichtlich verengt, vermutlich von nicht betroffenen Verkehrsplanern mit Parkplätzen in der Tiefgarage ihrer Behörde oder im Rathaus-Innenhof. Das Motto scheint zu lauten: Wer dort lang fährt, ist selbst schuld, wenn er nicht voran kommt. Er könnte ja auch eine andere Route nehmen. Oder Busse und Bahnen nutzen. Leider sind die meisten auf ihr Auto angewiesen. Das ist einer der Momente, in denen man Düsseldorf nicht schön findet.

Ähnliches auf der anderen Seite der Stadt, in Heerdt. Die Heerdter Landstraße ist die wichtigste Verbindung Richtung Neuss. Vor Jahren schon wurde sie verkehrsberuhigt. Das hat geklappt – meist steht der keinesfalls geringer gewordene Verkehr. Wenn sich dort an einem trüben Nachmittag mal wieder hunderte von Autos die Reifen eckig stehen, werden die Anwohner wenig Gutes an ihrer Stadt finden.

Noch mehr Beispiele? Bitte sehr. Die Glas- und Papiercontainer am Barbarossaplatz. Mitten in Oberkassel, einer der begehrtesten Stadtteile. Alle paar Tage sieht er aus wie ein Müll-Slum in Manila. Weil benachbarte Gastronomen die Container für ihre leeren Flaschen nutzen und weil jemand die Papiercontainer mit Kartons verstopft. Laufen sie über und liegt die Pappe daneben, gibt es kein Halten mehr: Wo schon alles vermüllt ist, legt man seinen Dreck gern hinzu. Und das in einer der teuersten Wohngegenden Düsseldorfs.

Apropos Wohnen: Da schwelt ein Problem vor sich hin, das in wenigen Jahren zum Flächenbrand werden könnte. Wohnungen sind knapp und für Normalverdiener immer häufiger unbezahlbar. Das schürt Sozialneid und eine ungünstige Struktur in den Vierteln. Schon heute haben Bäckereien oder Metzgereien Probleme, Personal zu finden. Denn wer als Verkäuferin arbeitet, kann im angesagten Viertel, dessen neue Bewohner gerade die kleinen Läden so nett finden, nicht mehr wohnen, muss sich weit entfernt was Bezahlbares suchen. Da lohnt womöglich die Anreise nicht mehr. Zumal diese Fahrt zum puren Stress wird.

Und die Anreise mit dem Fahrrad? Eine Sache für Abenteurer. Düsseldorf dürfte einige der gefährlichsten Radwege der Republik haben. Man pinselte schlicht einen knapp zwei Meter breiten Streifen von den Fahrspuren und suggeriert den Radlern, dort fahren zu können. Theoretisch geht das, aber das Risiko ist hoch. Und der Zorn der Autofahrer, die direkt daneben im durch die neue Enge verursachten Stau stehen, ist einem sicher. 

Bleiben wir beim Verkehr. Bei einigen hunderttausend Pendlern täglich schwebt ein Dieselfahrverbot über der Stadt wie die Wolke aus den Abgasen der täglich über den Rhein tuckernden Lastschiffe. Dass deren Motoren mehr Feinstaub in die Luft pusten als alle Pkw zusammen, wird ausgeblendet. Wie die Tatsache, dass bei einem Rückgang der Selbstzünder die nun mehr genutzten Benziner auch nicht gerade Lavendelduft versprühen. 

Womit wir bei den großen Autos wären – den SUVs. Cayenne, Q7, Range Rover, gerne auch martialische Defender mit meterlangen Luftschnorcheln für Flussdurchfahrten – ihre Dichte ist in Düsseldorf so hoch wie sonst nur auf den Firmenparkplätzen der Hersteller. Diese Stadt scheint sie magisch anzuziehen – vermutlich, weil man an den Bordsteinkanten der Kö so großartig die Geländegängigkeit beweisen kann.

Wer sich über modische Torheiten aufregen mag, ist in Düsseldorf ebenfalls goldrichtig. Auf der Kö die im teuren, löchrigen Shabby-Stil gekleideten Mädchen und Frauen, bis zum Geht-nicht-mehr aufgebretzelte Damen aus den östlichen Rändern Europas oder reifere Herren mit umgeschlagenen Hosen, um die Socken in grellem Grün, Blau oder Rot zu präsentieren, dazu viel zu enge Jacketts, nur mit dem mittleren Knopf geschlossen, der mühsam das Bäuchlein bändigt. Nur Insider erkennen das Markenzeichen in Form des offenen Knopfes am Ärmel – ein maßgeschneidertes Stück, signalisiert er, und ist eines der diskretesten Statussymbole. Gar nicht diskret sind dagegen die nach oben gegelten Frisuren über dem radikal geschorenen Shortcut, die – sorry – an Klobürsten erinnern.

Auch bei einem solchen Anblick kann man schon mal ins Grübeln kommen, warum man diese Stadt attraktiv finden soll.