Peter Achten: "Kö-Bogen: Schnelle Eröffnung wichtig"

Peter Achten: "Kö-Bogen: Schnelle Eröffnung wichtig"

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands NRW über den Brand im Kö-Bogen, die steigenden Mieten für Einzelhändler in seinem Umfeld und die Frage, ob die neuen Geschäfte den traditionsreichen Läden der Stadt schaden werden.

Herr Achten, wird der Brand des Kö-Bogens Beeinträchtigungen für die geplante Eröffnung oder den Einzelhandel in Düsseldorf haben?

Achten Ich bin nicht im Detail informiert, aber ich muss sagen, dass zum Glück nur ein Ladenlokal beeinträchtigt ist und nicht noch mehr. Für diese Filiale ist das natürlich eine enorme Belastung. Der Termin für die Eröffnung bei Breuninger am 17. Oktober wird ja gehalten werden können, das hoffe ich zumindest sehr. Das ist enorm wichtig, denn Ende Oktober beginnt schon das für den Einzelhandel sehr wichtige Weihnachtsgeschäft.

Wie wird der Kö-Bogen die Einzelhandelslandschaft in Düsseldorf verändern?

Achten Der Kö-Bogen ist ein wichtiges Prestigeobjekt, auch architektonisch. Und seine Lage ist einzigartig. Er verbindet die wichtigen Einzelhandelsachsen vom Wehrhahn über Schadowstraße und Altstadt zum Rhein einerseits und die Königsallee entlang andererseits. Das ist eine Bereicherung für alle Händler.

Das würden nicht alle unterschreiben. Am Schadowplatz mussten traditionsreiche Händler aufgeben, weil die Mieten explodiert sind. Teilweise haben sie sich vervierfacht ...

Achten Der Mietanstieg ist ein Problem, da gebe ich Ihnen recht. Aber die Steigerungen haben ja auch zu sehr wünschenswerten Investitionen durch die Eigentümer geführt. Außerdem muss man als Händler ja auch sehen, dass die Mietsteigerungen dadurch aufgefangen werden, dass sich die Passantenfrequenz und dadurch der Umsatz in den Läden rund um den Kö-Bogen signifikant erhöht.

Aber werden die hohen Mieten nicht alteingesessene Geschäfte verdrängen und nur noch Platz für Luxuslabels lassen?

Achten Es werden sich natürlich nur die Geschäfte im Kö-Bogen und im Umfeld halten können, die diese hohen Mieten zu zahlen in der Lage sind. Und die werden zu einem großen Teil aus dem Luxussegment mit hochpreisigen Artikeln kommen.

Wird Breuninger selbst andere Geschäfte verdrängen?

Achten Ich denke, dass Breuninger volkswirtschaftlich betrachtet dazu führen wird, dass die Bedeutung Düsseldorfs als Shopping-Destination deutlich wächst. Problematisch könnte es aber für Ladenlokale werden, die heute bestimmte Marken exklusiv in Düsseldorf anbieten. Breuninger ist im Bereich Haute Couture sehr stark. Man könnte sagen, es gibt nun einen guten Esser vom Umsatzkuchen mehr am Tisch.

Wird der Kö-Bogen und sein Umfeld dazu führen, dass die Königsallee geschwächt wird?

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Achten Es könnte eine Verschiebung des Schwerpunktes nach Norden geben. Die nördliche Kö wird unmittelbar vom Kö-Bogen profitieren und stärker auf den Modeschwerpunkt setzen. Und der bereits eingeleitete Wandel der südlichen Kö wird verstärkt — denken Sie an den Discounter Aldi, der jetzt eine Genehmigung zur Eröffnung an der Süd-Kö erhalten hat.

Und wie wird sich die dunkle, die Bankenseite der Kö entwickeln. Manche unken, durch den schwächelnden Abercrombie & Fitch wäre die Entwicklung zum Einzelhandelsstandort gefährdet.

Achten Das sehe ich nicht so. Diese Seite entwickelt sich auch langsam zu einem Einzelhandelsstandort. Da ist viel in Bewegung.

Wird der Kö-Bogen innerhalb Düsseldorfs kannibalisieren? Oder anders gesagt, wer ist der Verlierer im Kampf um die Kunden?

Achten Ich glaube nicht, dass der Kö-Bogen innerhalb Düsseldorfs groß Kaufkraft abziehen wird. Und auch das Umland wird nicht unter dem neuen Zentrum leiden. Kein Einzelhändler in Solingen oder Wuppertal wird im Umsatz spüren, dass es in Düsseldorf einen Breuninger gibt. Ich sehe eher ein Wachstum des Shopping-Tourismus. Schon heute kommen 2000 Busse mit Kunden aus dem Ausland pro Jahr nach Düsseldorf. Und der Kö-Bogen wird, wenn er neu ist, Viele neugierig machen. Die Fluggesellschaften werden dafür sorgen, dass mehr Kunden kommen, denken Sie an die vielen Gäste aus dem arabischen Raum, die vor allem zum Einkaufen nach Düsseldorf fliegen.

Normalerweise stellt sich Ihr Verband eher gegen neue Einkaufszentren, weil sie oft die gewachsenen Einzelhandelsstrukturen gefährden...

Achten Diese Debatte hatten wir vor fünf Jahren bei den Bilker Arkaden. Aber beim Kö-Bogen stellt sich diese Frage überhaupt nicht. Wo, wenn nicht an dieser zentralen Stelle, sollte ein solches Objekt stehen.

Skeptiker fürchten, die Geschäfte in der Altstadt, insbesondere an der Flinger Straße, könnten unter den verschobenen Passantenströmen oder dem kommenden Textildiscounter Primark an der Schadowstraße leiden.

Achten Die Flinger Straße wird nicht leiden. Das sind drei ganz unterschiedliche Quartiere. Die Königsallee deckt das Luxussegment ab. Die Schadowstraße wird für die täglichen Einkäufe genutzt. Und die Altstadtgeschäfte stehen seit langem für ein hippes Angebot. Das wird so bleiben, und der Kö-Bogen verbindet das ganze.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)
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