Analyse: Kö-Bogen: Diskussion ist Flickwerk

Analyse : Kö-Bogen: Diskussion ist Flickwerk

Zuerst der Fassadenwettbewerb für den Kö-Bogen, kurz danach wieder Diskussionen über Verkehrskonzepte und Verlegung von Stranbahnlinien - dieser Ausschnitt aus dem Terminplan des Rats ist symptomatisch für die Planung des Projekts: Es wird nebeneinanderher geplant, und ein Durcheinander ist kaum zu vermeiden, Diskussionen für wichtige Entscheidungen laufen ins Leere, Chancen für eine breit abgestimmte, qualitätsvolle Stadtplanung werden aufs Spiel gesetzt.

Die komplizierte Lage ist nur aus der Geschichte des Projektes zu verstehen, die 2003 mit der Vorstellung der Pläne von Christoph Ingenhoven begann. Dessen Vorschlag - ein geschwungener Bau auf dem Jan-Wellem-Platz und Abriss des Tausendfüßlers - wurde in nichtöffentlichen Werkstattverfahren verändert. Das Ergebnis sind die beiden Bauten auf dem Jan-Wellem-Platz. 2004 wurden die Grundzüge in einem Bebauungsplan-Entwurf festgeschrieben. Der verschwand in der Schublade, weil andere Projekte vordringlich schienen und kein Investor in Sicht war. Die Verkehrsplanung wurde nicht ausgearbeitet. Vorausgesetzt wurde nur, dass ein Tunnel gebaut wird und der Tausendfüßler abgerissen werden sollte. Auswirkungen der Pläne auf die weitere Umgebung - angefangen von der Maximilian-Weyhe-Allee bis hin zum Martin-Luther-Platz, von Schadowstraße und Gustaf-Gründgens-Platz bis zur Altstadt - wurden nicht durchdacht. Das alles erwies sich als Nachteil, seit Ende 2006 mit dem Bankhaus Trinkaus ein Investor für das Projekt auftrat, der die beiden vorgesehenen Bauten verwirklichen will. Schlagartig wurde klar, dass ein kleiner Tunnel von der Berliner Allee und Hofgartenstraße zur Elberfelder Straße der Stadt kaum nützen wird.

Das Durcheinander wuchs. Varianten für längere Tunnel wurden vorgeschlagen, eine Tieferlegung der Straßenbahn auf der Kaiserstraße und die Umwandlung der Schadowstraße in eine Fußgängerzone wurden erwogen. Und jetzt kam auch die Anbindung der Tiefgarage Schauspielhaus an den Tunnel ins Spiel. Das sind keine reinen technischen Probleme, sondern hat Auswirkungen auf das künftige Aussehen der Stadt: Wachsen die Teile des Hofgartens zusammen? Kann der Gustaf-Gründgens-Platz belebt werden? Wird der Martin-Luther-Platz abgeklemmt? Das sind nur einige Fragen. Vor allem ist unklar, ob die 2004 geplanten Bauten neue, großzügige Pläne verhindern. Ob die vorgesehene Büronutzung die Stadtentwicklung blockiert.

Zu diesen grundlegenden Fragen hat sich ein Bürgerforum gegründet, das die Verabschiedung des Bebauungsplans für die beiden Gebäude und den kleinen Tunnel verschieben und einen städtebaulichen Rahmenplan erarbeiten lassen will. Der wiederum soll Grundlage für einen offenen städtebaulichen Wettbewerb sein, der alle Möglichkeiten durchspielen könnte. Dass dabei überraschende Ideen auftauchen können, ist sicher. CDU und FDP lehnen den Rahmenplan ab: Die neuen Gebäude würden nichts verstellen. Allerdings geben sie zu, dass die Verkehrsfragen noch geklärt werden müssen. Das heißt, ohne ein schlüssiges Konzept für Autos und Busse wird auf dem Jan-Wellem-Platz nicht gebaut.So steht die Aufgabe an, Baupläne und Verkehrskonzepte zusammen zu führen. Fachleute sehen darin eine Gefahr: Weil nur in Teilstücken gedacht wird, können wichtige Konsequenzen übersehen werden. Flickschusterei in späteren Jahren wäre die Folge. Düsseldorf hätte die große Chance verspielt, Weichen für die Zukunft richtig zu stellen.

(RP)
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