Kö-Bogen 2 in Düsseldorf: Ist das Ingenhoven-Tal zu dominant?

„Ingenhoven-Tal“ zu dominant? : Neue Innenstadt-Bauten in Düsseldorf spalten die Fachwelt

Die Neubauten am Gustaf-Gründgens-Platz sind in ihrer endgültigen Größe jetzt zu erkennen. Sie polarisieren, Architekt Walter Brune spricht von einer Ski-Rampe. Und es gibt noch ein Problem.

Am Gustaf-Gründgens-Platz entsteht das neue Herz der Innenstadt. Die beiden neuen Gebäude sind in ihrer Ausdehnung mittlerweile gut zu erkennen: Das Shopping- und Bürocenter (insgesamt gut 30.000 Quadratmeter Mietfläche) sowie das Dreiecksgebäude mit dem aufsteigenden Dach bilden das „Ingenhoven-Tal“, benannt nach Architekt Christoph Ingenhoven. Wer an der Schadowstraße steht und zwischen den Gebäuden in Richtung Schauspielhaus blickt, nimmt den Tal-Effekt wahr – besonders gut ist er zu erkennen, wenn man aus dem P&C-Haus zum Theater schaut.

Die Massivität der Neubebauung polarisiert jedoch: Im Interview mit unserer Redaktion hat jüngst Architekt Walter Brune (Kö-Galerie, Schadow Arkaden) den Ingenhoven-Komplex als „nicht innenstadtgerecht“ bezeichnet. Er sehe aus „wie eine riesige Ski-Rampe“. Brune glaubt auch nicht, dass es mit der geplanten Fassaden-Begrünung klappt. So etwas werde immer wieder mal versucht, aber meist gehe es schief, auch weil die nachhaltige Pflege fehle. Vor Brune hat Juan Pablo Molestina Kritik geäußert. Der Professor hatte den Wettbewerb zur Gestaltung des Gebiets Kö-Bogen II gewonnen, seine Idee einer aufgelockerten Bebauung an der Schadowstraße war aber später verworfen worden. Molestina fragt heute, „warum ein Alpental für Düsseldorfs wichtigsten Kreuzungspunkt die richtige Lösung“ sei. Das geplante Grün kaschiere Baumasse und habe eine Alibi-Funktion. „Ich stelle infrage, ob man jede Baumasse in jede Kubatur packen kann, solange sie grün wird.“

Der Tal-Effekt mit dem Blick aufs Schauspielhaus ist von P&C aus am besten zu erkennen. Foto: Krebs, Andreas (kan)

Stefan Mühling, der Chef der Developer, die mit den Libeskind-Bauten den Kö-Bogen I verwirklicht haben, hält dagegen. Die Betonschrägen wirkten zurzeit zwar schwer verdaulich, dies aber in erster Linie, „weil die Ingenhoven-Idee noch nicht sichtbar ist“. Das Zusammenspiel der Liegeweise auf dem Dreiecksgebäude mit den begrünten Fassaden werde den Eindruck ändern und könne ein großer Wurf werden „und sich sehr positiv auf die Schadowstraße auswirken“.

Marc Böhnke, Chef der „greeen! architects“, die für das Forum Stadtmarketing den Rheinboulevard entworfen haben, fragt, „ob die Bebauung am Ende nicht eine Spur zu massiv ausfällt und die Schneise richtig gewählt ist“. Aber auch er meint, das Tal erst richtig beurteilen zu können, wenn die Zäune weg, das Haus begrünt und frei umgangen werden kann.

Blick auf den Neubau und das dahinter liegende Dreischeibenhaus von der Berliner Allee aus – das Hochhaus wirkt zugestellt. Foto: Krebs, Andreas (kan)

Die Architekten von HPP haben das Dreischeibenhaus saniert. Joachim Faust, geschäftsführender Gesellschafter, hat gegen das Dreiecksgebäude Einspruch erhoben, weil es den Blick auf das schlanke Dreischeibenhaus einschränkt, auch hält er die Position des geplanten Kassenpavillons für unglücklich. Das Hauptgebäude sei „riesig groß“ und der Gründgens-Platz werde kleiner, aber man müsse nun warten, bis es fertig ist. Wichtig sei vor allem, dass der Platz von außen belebt werde mit Cafés, Ein- und Ausgängen zum Handel etc.

Unter Planern diskutiert wird der Blick auf den Komplex von der Berliner Allee aus. Das Dreischeibenhaus wirkt von dort aus zugestellt. Es gibt bereits Vorschläge, die Fläche über der Tunneleinfahrt zu überbauen. Für Alexander Fils (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses, kommt dies als Option nur in Betracht, wenn die benachbarte Tuchtinsel abgerissen und neu bebaut wird. Das neue Shopping-Center an der Schadowstraße ist für ihn ein Stück Stadtreparatur. „Bis zum Krieg gab es dort bereits eine Bebauung.“ Diese werde nun wieder vorgenommen.

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