"Kleeblatt Düsseldorf - Trisomie 21" hilft Familien mit Down-Syndrom-Kind

Verein in Düsseldorf unterstützt Familien mit Down-Syndrom-Kind : „Die gute Laune der Natur“

Der Verein „Kleeblatt Düsseldorf“ unterstützt Familien, in denen ein Kind mit Down-Syndrom lebt. 2006 gegründet, sind inzwischen 50 Familien in den Verein eingebunden.

Mit einem Jauchzer springt Clemens (5) von der Rückenlehne auf die riesige Wohnzimmer-Couch. Klettert erneut hinauf, lässt sich wieder in hohem Bogen fallen und lacht dabei. Sein Bruder Lorenz (7) tut es ihm gleich, die beiden kabbeln sich, wie es unter Brüdern halt so ist. Nur Henri (2) fehlt bei diesem munteren Treiben. Simone Eßer beobachtet die Szene. „Das Leben mit einem Down-Kind ist nach meiner Erfahrung wesentlich lustiger“, sagt sie.

Wohl aber stellte das erste Jahr mit Clemens die Familie vor große Herausforderungen. „Wir hatten so viele Fragen, auf die wir keine Antwort bekamen. Wie sollten wir das alles schaffen? Man steht vor einem Berg und weiß nicht, wie man hochkommt.“

Eine glückliche Fügung, dass Simone Eßer 2014 bei der „Lebenshilfe“ die Mutter von Down-Kind Annalena traf. Eva Schwientek und ihr Mann lebten vorher in Stuttgart, wo ihre Tochter bei der Frühförderung gut aufgehoben war. Auf der Suche nach einer Anlaufstelle in Düsseldorf stießen auch sie auf die „Lebenshilfe“.

Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb und hatten ein gemeinsames Ziel: „Wir wollten nicht, dass andere Eltern mit Down-Syndrom-Kindern so hilflos sind wie wir am Anfang.“ 2016 gründeten Eva Schwientek und Simone Eßer „Kleeblatt Düsseldorf – Trisomie 21“.

Die Initiative wuchs zügig, inzwischen sind 50 Familien eingebunden. Etwa alle zwei Monate gibt es entweder einen Elternstammtisch oder einen Familiennachmittag mit Geschwisterkindern und Großeltern. „Das Gute ist, dass wir ganz ehrlich zueinander sind, da wird nichts beschönigt. Für die meisten ist das sehr befreiend“, berichtet Simone Eßer. Mit Eva Schwientek hat sie einen Leitfaden für Eltern entwickelt, die sich nach der Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom auf die Situation einstellen müssen. Beide erinnern sich sehr genau, wie es ihnen damals erging und wie dankbar sie für jeden Tipp waren.

Als sie 2012 mit Annalena schwanger war, stellte man bei Eva Schwientek ein erhöhtes Down-Syndrom-Risiko fest. Eine Stunde nach der Geburt war die Diagnose klar. „Ich hab’s gewusst“, sagte sie nur. Ihren Mann traf es mit voller Wucht, „aber er hat sich rasch wieder gefangen. Das lag an Annalena, sie holte uns schnell aus der Schockstarre, weil sie so glücklich und zufrieden war.“

Die Sechsjährige besucht die Heinrich-Heine-Grundschule in Heerdt, wo Inklusion schon lange erfolgreich umgesetzt wird. Auch Clemens soll auf diese Schule gehen. „Ich habe mich bei allen drei Kindern gegen eine Nackenfalten-Untersuchung entschieden, weil ich dachte, etwas Schwerwiegendes entdeckt man auch im Ultraschall“, erzählt Simone Eßer. „Aber nach der Geburt von Clemens fiel mir sofort auf, dass er nicht aussah wie sein Bruder.

Dass die Nachricht „Trisomie 21“ erst verkraftet werden muss, verhehlen die Mütter nicht. Sie wurden in ihren Familien gut aufgefangen und haben das Glück, dass Clemens und Annalena mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit alle Herzen gewinnen. Aber nicht überall läuft es so glatt, das wissen sie auch.

Was wünschen sie sich für den Umgang mit Down-Syndrom-Kindern? „Dass die Öffentlichkeit uns wahrnimmt und Berührungsängste abbaut“, sagt Schwientek. Wenn Tochter Lucie (2) in den Kindergarten kommt, will die Fremdsprachen-Sekretärin wieder arbeiten. Simone Eßer tut das bereits. Sie hilft ihrem Mann, einem Landschaftsgärtner, im Betrieb und springt bei Banketten im Industrieclub ein, wo sie früher Restaurantleiterin war: zwei tatkräftige und positiv denkende Frauen.

Das erklärt auch ihren Slogan für Down-Syndrom-Kinder: „Die gute Laune der Natur.“

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