1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Klaus Doldinger spielt selbst im Tatort

Düsseldorf : Klaus Doldinger spielt selbst im Tatort

Als Komponist der Titelmelodie hat er sich einen großen Namen gemacht. Morgen hat der Ausnahmemusiker, der sein Herz einst in Düsseldorf verlor, seinen längst überfälligen Auftritt in dem Krimi mit Kult-Charakter.

Sein Aufstieg war bei seinem Talent vermutlich unaufhaltsam, aber dass er einmal eine Melodie komponieren würde, mit der er solche Berühmtheit erlangt, das konnte Klaus Doldinger damals noch nicht absehen, niemand konnte das. In den Geschichtsbüchern steht der 80-Jährige jetzt schon als der Komponist der Tatort-Melodie - die ARD-Krimireihe ist immer noch ein Top-Quotengarant. Im Kölner Tatort morgen um 20.15 Uhr hat Klaus Doldinger nun seinen großen Auftritt, wenn auch nur kurz, aber mit einem gewissen Charme: Er ist als das zu sehen, was ihn berühmt machte: als Saxofonspieler.

Interessanterweise sieht er das völlig unprätentiös: "Das ist nichts Außergewöhnliches, im Gegenteil, es wurde höchste Zeit", sagt er schmunzelnd und ernst zugleich. "Es war sehr nett, mitzuwirken. Ein halber Tag ging dabei drauf", erinnert sich der viel beschäftigte Musiker. Gesehen habe er seine Szene noch nicht, aber er sei sehr gespannt. Besuche in der Domstadt nutzt er übrigens sehr gerne, um in seine alte Heimat Düsseldorf zu fahren. Zu Düsseldorf hat der Musiker nämlich ein ganz besonderes Verhältnis: Als gebürtiger Berliner kam er früh in die Stadt, weil seine Familie im Krieg fliehen musste. Von 1945 an lebte er hier - bis 1968. Und trotz des Horrors des Krieges hat er an seine ersten Jahre in Düsseldorf sehr gute Erinnerungen: "Ich besuchte das Rethel-Gymnasium, nach der Schule haben wir immer Steine gekloppt", erzählt Doldinger. "Diese Straße hatte ja damals schon eine recht zwielichtige Bedeutung, und das fanden wir Kinder natürlich irgendwie faszinierend."

Eine Zeit voller Ereignisse sei das gewesen, sagt er mit erfrischender Herzlichkeit. "Mein Vater war bei der Bundespost, und wir lebten an der Gneisenaustraße in einer Dienstwohnung über dem Postamt, mit Gemeinschaftstoilette. In den Tagen nach dem Krieg lebten dort drei Familien gleichzeitig. Und das war auch schön irgendwie." Als eine wilde Zeit hat der Künstler die Düsseldorf-Ära zudem in Erinnerung. "Ich konnte die Künstlergruppe Zero kennenlernen, mit Heinz Mack war ich eng befreundet und mit Konrad Klapheck." Die Kunstszene habe ihn damals schon "tief beeindruckt", das Schauspielhaus fand er "toll" - hier inszenierte Doldinger 1966 auch Hello Dolly. Dass er einmal so berühmt sein wird für eine Melodie, "das konnte keiner wissen", sagt Doldinger.

Noch bedeutsamer für ihn ist aber die Liebe seines Lebens, und die toppt sogar noch die Leidenschaft für seine Musik - seine Ehefrau. "Als junger Musiker spielte ich mit einer Truppe an der Kö. Wir bekamen sogar ein kleines Trinkgeld", erinnert sich Doldinger amüsiert an das Jahr 1955. "Am frühen Nachmittag in der Höhe vom Kaufhof sah ich sie dann. Sie machte eine Lehre in einem Stoffladen. Nach drei Wochen sprach ich sie an, und dann kam irgendwann der Heiratsantrag." 1960 heiratete er Inge Beck - an der Inselstraße. Ein großer Schritt, denn Doldinger zog aus der Wohnung über dem Postamt zu seiner Liebsten nach Unterrath. Rasten kommt für ihn übrigens auch heute nicht in Frage. Er sitzt in der Jury der Düsseldorfer Jazz Rally, die wieder vom 1. bis 4. Juni stattfindet. Und im Mai kommt eine DVD mit Orchesterwerken auf den Markt, die er mit seiner Band Passport aufnahm und die den Titel trägt "Symphonic Project". Sein Sohn Nicolas nahm das Konzert auf und hat den Film "ordentlich geschnitten", wie Doldinger stolz erzählt.

(RP)