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Düsseldorf: Klärwerk filtert Medikamente aus Abwasser

Düsseldorf : Klärwerk filtert Medikamente aus Abwasser

Versuche des Stadtentwässerungsbetriebs und der Uni Bochum, mit Hilfe von Aktivkohlepulver Spurenstoffe von Arzneimittel aus dem Abwasser zu entfernen, sind erfolgreich. Eine mögliche Gefahr für die Umwelt ist entschärft.

Wichtiger Schritt für die Gesundheitsvorsorge: Die Kläranlage Düsseldorfs kann leistungsfähiger werden, kann bald auch Reste von Medikamenten wie des Schmerzmittels Diclofenac oder des Anitibiotikums Sulfamethoxazol aus dem Abwasser herausfiltern. "Die Versuche, die Spurenstoffe von Arzneimitteln zu eliminieren, waren erfolgreich, die Menge der Substanzen im Abwasser konnte signifikant verringert werden", berichtet Bernd Pehl, Laborleiter des Stadtentwässerungsbetriebs Düsseldorf. Dessen Wissenschaftler und Techniker haben zusammen mit Forschern der Uni Bochum in einer Versuchsanlage im Klärwerk Süd den Beweis erbracht, dass Pulver von Aktivkohle in den Klärbecken eine Barriere für die unerwünschten Chemikalien sind.

Die Spurenstoffe machen Umweltschützern Sorge, weil sie sich allmählich im Wasser anreichern. So werden beispielsweise Medikamente achtlos in der Toilette entsorgt, Spurenstoffe gelangen aber auch beispielsweise in Urin-Ausscheidungen von Patienten über die Toiletten in das Abwasser. Weil die Stoffe in der Natur nicht abgebaut werden, verbreiten sie sich letztlich in Flüssen und im Grundwasser, können Tiere schädigen und müssen, wenn sie im Lauf der Zeit in Trinkwasserbrunnen landen, aufwendig in den Wasserwerken entfernt werden. Das NRW-Umweltministerium will das Übel bereits an der Quelle, also im Abwasser, bekämpfen und hat deshalb ein Kompentenzzentrum Mikroschadstoffe für Untersuchungen eingerichtet.

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"Die Idee, sich für Testreihen beim Kompetenzzentrum zu bewerben, kam bei Überlegungen für eine kostensparende Rationalisierung", berichtet Pehl. Denn die Wasserwerke der Stadtwerke benötigen für die Trinkwasseraufbereitung Aktivkohle, die regelmäßig aufbereitet werden muss. "Bei den Spülvorgängen fallen pro Jahr etwa 800 Tonnen eines pulvrigen Aktivkohle-Abriebs an, der bisher entsorgt wird", berichtet Pehl. Dieses Pulver könnte genutzt werden, um Spurenstoffe aus dem Abwasser herauszufiltern — so die Vorstellung.

"Die Voraussetzungen für eine Versuchsreihe im Klärwerk Süd waren günstig, weil für die Testreihen eine Anlage genutzt werden konnte, die seinerzeit für Untersuchungen beim Ausbau des Klärwerks errichtet worden war", so Pehl.

In einem Mini-Klärbecken wurde dort dem Abwasser mit biologischen Klärstoffen zusätzlich ein dosiertes Gemisch mit Aktivkohlepulver zugegeben, wurden Mischung und Durchlauf des Abwassers dosiert und so das Ergebnis optimiert. Mit Erfolg: Bei drei Wirkstoffen wurden mehr als 60 Prozent der Rückstände aus dem Wasser gefiltert. "Das ist eine signifikante Verbesserung", sagt Pehl und betont, dass dieses Filterverfahren relativ einfach in den Ablauf der Abwasserklärung einbezogen werden kann. "Große Umbauten in der Kläranlage sind nicht nötig, und das Beimischen des Aktivkohlefilters ist einfach, so dass sich die Mehrkosten in Grenzen halten und die Gebühren nicht übermäßig erhöht werden müssen", erläutert Pehl. Das seien gute Voraussetzungen, diese zusätzliche Reinigungsstufe in der Kläranlage einzurichten.

Einen Haken gibt es laut Pehl aber noch: die reibungslose Entsorgung des Aktivkohle- Pulvers mit den Medikamenten-Rückständen. Das Pulver sei nämlich in dem Klärschlamm enthalten, der in Faultürmen behandelt und später getrocknet wird. Das Wasser aus den Faultürmen läuft jetzt wieder zurück in die Kläranlage. "Es wird noch getestet, ob sich die Spurenstoffe aus der Aktivkohle bei diesen Behandlungsprozessen lösen und mit diesem Wasser in die Klärbecken zurücklaufen", erklärt Pehl. In diesem Fall müsse diese Filtermethode noch einmal geprüft werden.

(RP)