Kitas in Düsseldorf: Werden Kinder krank, weil Reinigung gespart wird?

Angst vor Infektionen : Eltern beklagen dreckige Kitas in Düsseldorf

Werden Kinder krank, weil an der Reinigung von Kitas und Schulen gespart wird? Davon sind einige Mütter und Väter in Düsseldorf fest überzeugt. Sie kritisieren die Auslagerung der Putzarbeiten an Fremdfirmen. Die Stadt kündigt eine rasche Verbesserung an.

Mangelnde Sauberkeit entwickelt sich an vielen Düsseldorfer Kitas zum Ärgernis. Die Leiterin einer Einrichtung in Bilk hatte das Thema auf der städtischen Personalversammlung angesprochen, da sie durch dreckige Sanitärräume sogar eine Infektion der Kinder durch Noro-Viren befürchtet. Aber auch aus anderen Stadtteilen kommen Beschwerden. Der Jugendamtselternbeirat (JAEB), die stadtweite Interessenvertretung der Kita-Eltern, hat sich schriftlich über die Lage beschwert. "Wir haben Jugenddezernent Burkhard Hintzsche einen Brief geschrieben, in dem wir vorschlagen, Richtlinien und Standards zu erarbeiten, die dann auch eingehalten werden müssen", sagt JAEB-Vorsitzender Marcel Preukschat.

Probleme mit der Hygiene seien kein Einzelfall, sagt der Sprecher der Kita-Eltern. Betroffen seien Einrichtungen der Stadt und der freien Träger gleichermaßen. "Es gab bereits ein Gespräch mit Jugendamtsleiter Johannes Horn, der unser Anliegen unterstützt und Verbesserungen angekündigt hat", sagt Preukschat.

Der Sprecher der Düsseldorfer Kita-Eltern Marcel Preukschat (hier vor dem Rathaus) fordert verbindliche Standards zur Sauberkeit in Kitas. Foto: Bretz, Andreas

Kritiker wenden allerdings ein, die Stadt habe durch das Auslagern von Reinigungsleistungen das Problem erst geschaffen oder zumindest verschärft. Mit Blick auf die Qualität dieser Dienstleistungen hatten sich zuletzt auch Hausmeister von Schulen beschwert. An Schärfe gewinnt die Debatte durch eine aktuelle Beschwerde einer Kita aus dem Osten der Stadt, die unserer Redaktion vorliegt.

Für die Reinigung der Kitas beauftragt die Stadt aus Kostengründen in der Regel Fremdfirmen - offenbar nicht immer mit befriedigendem Ergebnis. Eltern beklagen, dass zum Teil über Monate angesammelter Dreck zu finden sei, sanitäre Einrichtungen stänken nach Urin. Die Sorge: Kinder und Mitarbeiter könnten sich durch fehlende Hygiene mit Keimen infizieren. Nach Ansicht der Kritiker haben die Reinigungskräfte in vielen Fällen schlicht zu wenig Zeit, um die Arbeit zu schaffen. So berichten Eltern aus einer Kita, dass dort zwei Personen in rund drei Stunden eine Fläche von 770 Quadratmeter mit sieben Waschräumen säubern müssen. Von der Stadt heißt es dazu, der Umfang der Arbeiten werde jeweils in einer Begehung abgesprochen. Die Angebote der Firmen würden dabei "intensiv auf Umsetzbarkeit und Plausibilität geprüft".

Reinigung zum Großteil an Fremdfirmen abgegeben

Die Stadt hat die Reinigung ihrer Gebäude inzwischen zu großen Teilen an Fremdfirmen abgegeben. Für rund 500 Objekte gibt es Verträge. "Dass bei einer so hohen Anzahl von Reinigungsobjekten auch Beschwerden anfallen, liegt in der Natur der Sache", heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. Der Stadtbetrieb Zentrale Dienste, der für diese Aufgabe zuständig ist, habe aber eigens geschulte Mitarbeiter, die jedem Hinweis nachgingen. "Bei mehreren Verstößen gegen die vertragliche Leistung wird eine Vertragskündigung ausgesprochen." Der Personalrat kritisiert die Folgen des Outsourcings. "Die Stadtverwaltung gibt zu wenig Geld für die Reinigung aus", sagt Britta Tessarek. Auch die Gewerkschaft Verdi übt Kritik.

Die Verwaltung kündigt eine schnelle Verbesserung der Situation an. Der zuständige Dezernent Andreas Meyer-Falcke habe die Beschwerden auf der Personalversammlung am Dienstag "sehr ernst genommen" und sei sofort im Anschluss tätig geworden, heißt es. "Als Ergebnis konnte eine gemeinsame Lösung, die nun zeitnah zu einer Verbesserung führen wird, vereinbart werden", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung. Details zu den Lösungsvorschlägen werden allerdings nicht genannt.

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(RP)