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Kita-Streik in Düsseldorf: Letzter Ausweg Heimarbeit

Düsseldorf : Kita-Streik: Letzter Ausweg Heimarbeit

Arbeitgeber profitieren während des Streiks der Erzieher für mehr Lohn von flexiblen Arbeitszeitprogrammen wie dem "Homeoffice".

Bei den inklusive Tochtergesellschaften mehr als 2000 Beschäftigten der Lufthansa in Düsseldorf wird zurzeit fleißig getauscht. Frühschicht gegen Spätdienst, mal muss die Mittelschicht her. Es wird taktiert, probiert und geschoben bis alles so passt, wie es sein soll. Das kann schon einmal kompliziert werden und auch etwas dauern, aber letztlich funktioniert's.

Die Taktiererei unter den Angestellten des Luftfahrtkonzerns am Düsseldorfer Standort wird nötig, weil einige der Arbeitnehmer Eltern von kleineren Kindern sind. Die gehen normalerweise in die Kita, nur nicht diese Woche.

Weil Erzieher in Düsseldorf für mehr Lohn streiken, bleiben viele Kindertageseinrichtungen geschlossen. Und die Eltern müssen umorganisieren, wenn sie ihr Kind nicht in eine Noteinrichtung bringen wollen. Bei der Lufthansa gelingt das dank flexibler Arbeitszeitregelungen. Dienstausfälle gab es am Düsseldorfer Standort keine; die Streikauswirkungen konnten dank des "Dienstebasars" abgefedert werden.

Viele Branchen kennen derart flexible Arbeitszeiten nicht. Bei ihnen gibt es ein anderes Modell, das Kinder und Beruf miteinander vereinbar macht. Das kommt den Angestellten insbesondere dann zugute, wenn es mal zu Engpässen bei der Betreuung kommt, so wie beim Streik, dessen Ende noch nicht in Sicht ist.

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"Wir bieten unseren Mitarbeitern an, ganz unkompliziert ins Homeoffice zu gehen, wenn es zu solchen Fällen kommt", sagte eine Sprecherin der Düsseldorfer Werbeagentur "Grey". So hielten es gestern viele andere lokale Unternehmen, die ihren Angestellten wegen des Streiks mit flexiblen Regelungen entgegenkommen. Das "Homeoffice", was so viel bedeutet wie "Arbeiten von zu Hause aus" ermöglicht es vielen Eltern überhaupt erst, berufstätig zu werden.

"Ohne Homeoffice könnte ich so, wie ich derzeit arbeite, gar nicht arbeiten. Für unsere Tochter bräuchten wir dann einen öffentlichen Betreuungsplatz, der teurer und für mich zeitintensiver wäre, da ich sie abholen muss", sagt Tanja Vogt, Angestellte von Vodafone in Düsseldorf. "Durch die Arbeit von zu Hause aus kann ich Job und Familie miteinander verknüpfen, das könnte ich so sonst nicht."

Die 42-Jährige ist Mutter von zwei Kindern. Ihr Sohn Niklas ist sieben Jahre alt und geht bereits zur Schule, Tochter Klara ist zwei Jahre alt. 30 Stunden arbeitet die zweifache Mutter pro Woche. Gut vier Stunden täglich im Büro, den Rest aus von zu Hause. Das funktioniert so: Morgens nimmt Vogt, deren Mann Vollzeit berufstätig und in seinem Job wenig flexibel ist, ihre Tochter mit zur Arbeit.

Klara geht in eine Kindertagesstätte des Arbeitgebers ihrer Mutter. "Mittags fahre ich dann nach Hause in unseren Heimatort, nehme die Kleine mit, und mein Sohn kommt zeitgleich von der Schule, ein paar Minuten bin ich vor ihm da", sagt Vogt. Dann gibt es Essen, später stehen Hausaufgaben an, oder eben Arbeit. Oft sitzen Mutter und Sohn dabei am selben Tisch.

"Homeoffice ist anders als die normale Arbeit im Büro", sagt Vogt. "Man muss viel mehr koordinieren, es bietet mir aber dafür mehr berufliche Freiheit." Und nicht immer läuft alles reibungslos. Die zweijährige Klara schläft meistens, wenn sie mittags wieder zu Hause ist. Ab und an ist sie aber auch wach, dann will sie beschäftigt werden. Auf dem Tisch nebenan wartet auf Vogt dann schon einmal ein Stapel Arbeit, der erledigt werden will.

(RP)