Düsseldorf: Kirmesraub-Opfer hatte Todesangst

Düsseldorf : Kirmesraub-Opfer hatte Todesangst

Ein 22-jähriger Student schilderte vor dem Landgericht, wie er bedroht wurde.

Stundenlang schwebte ein 22-jähriger Student im Juli 2016 in größter Todesangst, wird seitdem als Folge noch immer von Schlafstörungen und innerer Unruhe geplagt, sobald er bei Dunkelheit unterwegs sein muss. Mit dem Rad hatte er damals nachts die Rheinkirmes verlassen. Plötzlich wurde er aufgehalten von drei jungen Männern, in Oberkassel war er mindestens drei Stunden lang in der Gewalt dieses Trios, die ihn ausgeplünderten und ihn immer wieder mit dem Tode bedrohten. Als er ihnen unter Schock noch die falsche PIN zu seiner Bankkarte genannt hatte, sollen die Täter diskutiert haben, ihn zu töten. Das sagte der Opferzeuge gestern im Landgerichtsprozess gegen zwei der Verdächtigen (24/21). Ein dritter (19) ist noch auf der Flucht.

Nüchtern und sachlich, ohne dramatische Ausschmückungen, schilderte der Student im Zeugenstand seine damals verzweifelte Lage. Erst habe einer der Täter nach einer Zigarette gefragt. "Dann habe ich ein Messer bei ihm gesehen, bin zurückgeschreckt." Da war jede Flucht schon unmöglich. Einer der beiden anderen Täter habe sein Fahrrad genommen, dann räumte das Trio seine Bauchtasche mit 130 Euro Bargeld aus, fand dort auch seine Bankkarte. Mit dem Messer eines Täters am Hals habe er in Panik und Todesangst die PIN dazu genannt, aber nicht in der korrekten Reihenfolge. Als zwei der Räuber vergeblich versuchten, bei einer nahen Bank Geld abzuheben, während der Student vom dritten Mann samt Messer in Schach gehalten wurde, hätten die Täter kurz danach auf Englisch beraten, ob sie den Studenten "jetzt umbringen sollen". Der 22-Jährige: "Das habe ich verstanden und auf Englisch geantwortet, dass sie mir doch noch eine neue Chance geben sollten." Diesmal stimmte seine Bank-PIN, zwei der Räuber hoben 330 Euro ab, hätten ihn dann gezwungen, sich bis auf die Boxershorts auszuziehen - und haben ihr schwer traumatisiertes Opfer, gefesselt mit seinen eigenen Schnürsenkeln und geknebelt, an einem Baum am Kaiser-Friedrich-Ring zurückgelassen.

Der 22-Jährige gab an, er habe "gewartet, bis ich sicher war, dass die weg sind", bevor er sich loszumachen versuchte. Da ein Arm zunehmend taub geworden sei, habe das nicht geklappt. Erst durch Passanten war das halbnackte Opfer befreit worden. Beide Angeklagte, die damals in einer Flüchtlingsunterkunft in Meerbusch lebten, hatten zu Prozessbeginn den Raub gestanden, sich aber gegenseitig die Hauptlast zugeschanzt. Im weiteren Prozessverlauf soll nun das wahre Alter des vermeintlich jüngeren Angeklagten per Gutachten geklärt werden. Er hatte behauptet, er kenne sein Alter nicht genau.

(RP)
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