St.-Sebastianus-Schützenverein 1316 Düsseldorf: So war der Umzug 2019

Schützenumzug bei der Rheinkirmes in Düsseldorf : Tränen, Trommeln und viel Tamtam beim St. Sebastianus-Umzug 2019

Eine der Höhepunkte der Düsseldorfer Rheinkirmes ist alljährlich der Umzug der St. Sebastianus-Schützen. Bei der diesjährigen Parade auf der Reitallee gab es viele emotionale Momente – nicht nur Oberst Günther Pannenbecker hat sich verabschiedet.

Es wird ein Nachmittag der Tränen werden. Tränen der Aufregung, Tränen der Freude und Tränen des Abschieds. Selten war der historische Umzug des St.-Sebastianus-Schützenvereins Düsseldorf 1316 so emotional. Aber alles der Reihe nach: Schon eine ganze Weile, bevor die Schützen die Reitallee erreichen, schluchzt ein Mädchen. Kaum 1,20 Meter groß, blonde Haare, die Hände vor dem Gesicht. Es japst: „Ich kann die Pferde gar nicht sehen, wenn sie kommen“, sagt das Mädchen. So viele Leute haben sich schon positioniert im Hofgarten hinter den Absperrungen. Doch der Papa weiß Rat: Er setzt die junge Dame auf die Schultern und nach ein paar Hicksern sind die Tränen vergessen.

Vergessen wird Oberst Günther Pannenbecker seine Tränen wohl nicht so schnell, der historische Umzug ist diesmal ein ganz besonderer für ihn. Zum letzten Mal hat Pannenbecker das Regiment angeführt, zum letzten Mal Schützenchef Lothar Inden begrüßt, zum letzten Mal überbringt er die Nachricht, „dass das Regiment vollständig angetreten ist“. Spätestens als die Ehrengäste für den Oberst aufstehen, ihm zujubeln und applaudieren, glitzert es in seinen Augen. Und so geht es weiter bei der großen Parade, zum Beispiel als die 2. Grenadiere Jakobus ihre selbst gebastelten Fahnen Richtung Oberst schwenken mit der Aufschrift: „Danke Günther“. Oder als Patricia Pannenbecker als Anna Maria Luisa de Medici an ihrem Papa vorbeireitet und ausnahmsweise als Kurfürstin ihren Hut hebt und ihrem Vater zunickt. Das berührt einen Papa, das sehen die Menschen rundherum. Und weil die Emotionen so groß sind an diesem Tag, kullern auch bei Regimentskönigin Kerstin Eichenberg ein paar Tränchen, für die die große Parade natürlich der Höhepunkt ihrer Amtszeit ist.

Viele emotionale Augenblicke gab es für Regimentskönigin Kerstin Eichenberg. Foto: Bretz, Andreas (abr)
Obwohl sie schon einen langen Fußweg hinter sich hatten, marschierten die ganz kleinen Schützen stolz über die Reitallee. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Von einem weiteren Abschied werden viele Schützen und Besucher überrascht, als am Ende der Parade ein Satz durch die Lautsprecher tönt: „Nach 25 Jahren ist Schluss“, sagt Jürgen Hilger, der den historischen Zug ein Vierteljahrhundert lang von der Tribüne aus moderiert hat. Das sei keine Entscheidung von Jetzt auf Gleich gewesen, sondern wohlüberlegt. Irgendwas Neues wird kommen, ist sich der 61-Jährige sicher, der eigentlich aus dem Winterbrauchtum kommt. Er wird sich gern erinnern an die guten und auch die schlechten Momente – Pannen hat es einige gegeben. Im letzten Jahr wurde er bei der Moderation angerempelt, sodass sich die Ansicht auf seinem iPad veränderte. „Ich habe dann zwei Mal das Gleiche gesagt“, erzählt Hilger. Papierseiten waren aber auch keine Alternative: In einem Jahr regnete es so stark, dass die Tinte verlief. Den Job wird Heinz Haferung übernehmen, der seit 40 Jahren Mitglied im Schützenverein ist und „ihn in- und auswendig kennt“, sagt der 70-Jährige.

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