Rheinkirmes Düsseldorf 2023 So entsteht das Feuerwerk über dem Rhein

Düsseldorf · Schwarzpulver, Sicherheitsabsperrungen, Lichteffekte – wie entsteht eigentlich so ein Feuerwerk? Wir haben mit den verantwortlichen Pyrotechnikern gesprochen und uns den Aufbau genauer angeschaut.

Rheinkirmes Düsseldorf 2023 - Fotos vom Aufbau des Feuerwerks
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So entsteht das große Feuerwerk über dem Rhein

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Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Am Freitagabend geht es los: Gegen 22.30 Uhr startet das Superfeuerwerk, für viele das Highlight der Kirmes. Zahlreiche Pyrotechniker und Helfer sind bereits seit den frühen Morgenstunden damit beschäftigt, sämtliche Vorbereitungen zu treffen und das Feuerwerk aufzubauen. Mittendrin: Chef-Pyrotechniker Martin Schmitz von der Firma Nico-Lünig aus Remscheid und Peter Sobotta. Seit 22 Jahren ist er verantwortlich für die Planung und Koordination des großen Feuerwerks auf der Rheinkirmes.

Über eine Breite von 130 Metern werden seit 8 Uhr morgens die Feuerwerkskörper platziert. Zuvor habe es eine Sicherheitsunterweisung für die 24 Beteiligten gegeben – schließlich arbeiten sie mit explosivem Material. Insgesamt 1.200 Kilogramm Bruttogewicht verbauen sie am Rheinufer, Papphülsen und Batterien abgezogen bleiben rund 500 bis 600 Kilogramm Pulver übrig, sagt Schmitz. 150 Kilogramm CO2 werden dabei emittiert, wie eine Untersuchung der Universität Braunschweig laut Sobotta ergeben habe. „Das entspricht in etwa einer Pkw-Tankladung.“ Die Basis bildet Schwarzpulver, die Leuchteffekte am Himmel werden durch Salze hervorgerufen. „Früher hat man dafür umweltschädlichere Stoffe verwendet“, erklärt Schmitz. Das Pulver wird in Tüten und Kugeln verpackt und in Röhren aus Fiberglas eingesetzt, mit einer Zündschnur wird alles verbunden. Am Ende reicht das Drücken eines einzigen Knopfes in einem Sicherheitskoffer, um alle Ladungen nacheinander zu zünden.

Die Flughöhe bestimmt das Kaliber: „Das Kaliber 100 Millimeter fliegt rund 100 bis 110 Meter hoch“, sagt Schmitz. Das größte verbaute Kaliber schaffe deutlich mehr: Ganze 204 Meter Höhe soll der höchste Feuerwerkskörper des Kalibers 200 Millimeter erreichen. „Der Druck beim Abschuss geht nach unten weg. Deshalb haben die Fiberglas-Röhren einen verstärkten Boden“, sagt Schmitz. Jeder Feuerwerkskörper durchlaufe ein CE-Prüfverfahren, bevor er zum Einsatz komme – sowohl beim Hersteller, als auch auf einem Testgelände der Remscheider Firma. Zum Schutze aller Besucher ist während des Aufbaus ein Bereich von 25 Metern in alle Richtungen auf den Rheinwiesen abgesperrt. Am Abend wird dieser Sicherheitsradius auf knapp 170 Meter erweitert. Wenn der Aufbau gegen 16 Uhr abgeschlossen ist, erfolgt noch eine Abnahme durch die Bezirksregierung.

Um den Zuschauern jedes Jahr etwas Neues zu bieten, wird immer wieder über Innovationen nachgedacht. „Die Smileys, die wir uns so gerne wünschen, sind rechtzeitig angekommen“, sagt Sobotta. Sein persönliches Highlight ist aber ein anderes: „Mein Wunsch war es, dieses Jahr als Finale ein goldenes Lametta zu schießen“, sagt er. „Wie ein Goldregen“ sehe das aus. Wie lange die einzelnen Feuerwerkseffekte am Himmel zu sehen sind, hängt übrigens vom Wetter ab: Je wärmer es ist, desto längen stehen die Lichtbilder in der Luft, erklärt Schmitz. „Die Bedingungen heute sind super“, sagt er zufrieden. Nur der Wind könnte sich noch ein wenig drehen – ideal sei ein Westwind, Südwest wäre aber auch in Ordnung.

25 Minuten lang dauert das Feuerwerk am Abend, rund eine Million Zuschauer erwarten die Verantwortlichen. Nach dem Spektakel und einem langen Arbeitstag ist Feierabend für die Pyrotechniker, Abfall gebe es eigentlich keinen zu beseitigen: „Das Feuerwerk verbrennt rückstandslos“, sagt Schmitz. Nur die Fiberglas-Röhren, die bereits seit knapp 20 Jahren halten, müssen eingesammelt werden.

Doch: „Nach dem Feuerwerk ist vor dem Feuerwerk“, sagen Schmitz und Sobotta. Wenn am 2. August die Manöverkritik mit dem Schützenvorstand ansteht, werden direkt Beschlüsse für das nächste Feuerwerk gefasst. Rheinkirmes ist schließlich jedes Jahr.