Rheinkirmes in Düsseldorf So feierte die queere Community den Pink Monday

Düsseldorf · Trotz der warmen Temperaturen haben viele Schwule und Lesben bei der Düsseldorfer Rheinkirmes den Pink Monday gefeiert. Einige Gäste kamen in Kostüm.

Rheinkirmes 2023 - So toll war der Pink Monday - Bilder
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Pink Monday 2023 auf der Rheinkirmes in Düsseldorf

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Foto: RP/Anne Orthen

Angelica Glitzer ist Künstlerin. Am späten Montagnachmittag ist sie geschminkt, in buntem Kostüm und mit roten Haaren an der Traditionshütte „Schwarzwaldchristel“ auf der Rheinkirmes anzutreffen. Auftreten wird sie an diesem Abend nicht, das übernehmen andere.

Die Gruppe „Fada‘s Family und Delux Show Girls“ zum Beispiel, die im Biergarten noch an diesem Abend eine Travestie-Show präsentiert. Angelica Glitzer ist gekommen, um Spaß zu haben. „Es ist toll, dass jetzt wieder so was Schönes stattfinden kann“, sagt sie. Sie erhofft sich ein tolles Showprogramm. Und es gehe ihr auch ums „Sehen und gesehen werden.“

Genau das ist in der englischen Version „see and be seen“ das Motto des Pink Monday. Das Regenbogen-Event wird seit mehr als 40 Jahren auf der größten Kirmes am Rhein gefeiert. Mehrere tausend Besucher aus der queeren Community kommen zusammen.

Gegen halb sieben am Montag baut sich die Stimmung langsam auf in der Schwarzwaldchristel. Hits von Bruno Mars und Taylor Swift laufen. DJ Eisbaer legt auf. „Ich spiele Musik von den 70ern bis heute“, sagt er. Er sei ein großer Helene-Fischer-Fan. Ihr Lied „Regenbogenfarben“ möchte er im Laufe des Partyabends unbedingt noch spielen.

„Heute ist die ganze Gay-Community in Düsseldorf vereint“, freut sich Künstler Mike aus Luxemburg. Gemeinsam mit drei weiteren Kollegen tritt er als „Fada‘s Family und Delux Show Girls“ auf. Auch wegen der Hitze ist der Programmpunkt in den späteren Abend verlegt. „Damit es für jeden angenehm ist“, sagt Mike.

32 Kostüme hat die Gruppe aus dem Nachbarland im Gepäck. Zum fünften Mal sorgt sie beim Pink Monday in Düsseldorf für Stimmung. Die vier Travestiekünstler schlüpfen in die Rollen von Nena, Andrea Berg, Marilyn Monroe und Cher. Dazu ist jeweils passende Musik zu hören. „Ein großer Dank gilt der Familie Bruch, die dieses Event ins Leben gerufen hat“, so die Luxemburger.

Rheinkirmes Düsseldorf 2022 Attraktionen - der Karussell-Check
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Karussell-Check auf der größten Kirmes am Rhein

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Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Die Geschichte des Pink Monday auf der Kirmes ist eng mit Schwarzwaldchristel-Betreiber Harry Bruch und der Regenbogen-Bar „Nähkörbchen“, die in der Hafenstraße zu Hause ist, verbunden. „Vor mehr als 40 Jahren kam die Inhaberin des ,Nähkörbchens‘ immer montags zur Kirmes“, erinnert sich Bruch.

Die Bar in der Altstadt sei dann geschlossen gewesen. Viele Schwule und Lesben, die sich an dem Tag dort getroffen hätten, nutzten die Rheinkirmes als neuen geselligen Anlaufpunkt. „Alle haben sich dann in der Schwarzwaldchristel getroffen“, so Bruch. Über die Jahre hinweg sei aus diesen Treffen der Pink Monday entstanden.

Rheinkirmes Düsseldorf 2023 - So lief die Eröffnung - Bilder
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Die Düsseldorfer Rheinkirmes 2023 ist eröffnet

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Foto: Anne Orthen (orth)

An die Anfänge der Veranstaltung erinnert sich auch Jürgen Kehm. Er ist schon lange beim Pink Monday dabei und in diesem Jahr mit seinem Stammtisch, den „Golden Gays“ aus Köln, in die Landeshauptstadt gefahren. „Wir haben extra die Reisepässe eingepackt“, scherzt sein Stammtisch-Kollege Klaus Mathieu.

Kehm sagt: „Früher war die Schwarzwaldchristel ein heimlicher und diskreter Treffpunkt.“ Heute sei das anders. „Es ist eine tolle und lockere Party, bei der Toleranz lebt“, bestätigt Peter Euler, der aus Gelsenkirchen angereist ist. „Wir freuen uns darauf, viele Leute wiederzutreffen“, sagt sein Mann Ralf. „Hier können wir herumlaufen, wie wir wollen.“ Peter Euler ist einer der ersten, der auf dem Holzboden der Schwarzwaldchristel trotz der Wahnsinns-Hitze zwischen Bänken und Tischen tanzt.

Höhenretter der Feuerwehr auf der Düsseldorfer Rheinkirmes
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Höhenretter der Feuerwehr auf der Düsseldorfer Rheinkirmes

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Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)

Beste Laune gibt es am Pink Monday auch am Traber-Ausschank auf der Kirmes. Liebevoll geschmückt hatte das Team das Zelt und den von Künstler Claus Föttinger gestalteten „Bierwagen“: rosa Fähnchen hingen überall. Nur die zahllosen rosa Ballons waren in der Hitze geplatzt – sie lagen nur noch als Fetzen auf der Erde. „Ist nicht schlimm, gleich kommt neuer Nachschub“, erzählt eine Mitarbeiterin lachend. Schnaps mit rosa Glitter steht bereit, aber auch Wasser, natürlich mit pink-farbenem Touch.

 Kein Pink Monday ohne die Grandes Dames der Düsseldorfer Szene: Käthe Köstlich (l.) und Angelica Glitzer freuten sich auf eine heiße Nacht im Festzelt.

Kein Pink Monday ohne die Grandes Dames der Düsseldorfer Szene: Käthe Köstlich (l.) und Angelica Glitzer freuten sich auf eine heiße Nacht im Festzelt.

Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)
Am Pink Monday sind Fabelwesen keine Seltenheit. Und dass die Einhörner dann Regenbogenfarben tragen, ist Ehrensache.

Am Pink Monday sind Fabelwesen keine Seltenheit. Und dass die Einhörner dann Regenbogenfarben tragen, ist Ehrensache.

Foto: Anne Orthen (orth)/Anne Orthen (ort)

Das Partyzelt der Brauerei Kürzer füllte sich gegen frühen Abend ebenfalls zusehends. Peter Klinkhammer, Dä-Spiegel-Chef und einer der Betreiber des Zeltes auf der Kirmes, sagt erwartungsvoll: „Erfahrungsgemäß bringt der Pink Monday ein volles Zelt und auch einen Top-Umsatz. Insofern glaube ich, dass das ein sehr guter Abend werden könnte.“ Später wollte noch Klinkhammers Frau Cida mit Freunden dazu kommen. Die Vorsitzende der Närrischen Marktfrauen ist nämlich auch ein großer Kirmes-Fan.

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