Rheinkirmes 2016 in Düsseldorf gedenkt der Opfer von Nizza

Eröffnung in Düsseldorf : Rheinkirmes gedenkt der Opfer von Nizza

Die Rheinkirmes begann mit einer Schweigeminute und der Marseillaise, die Türme strahlten in den französischen Nationalfarben. Das Feuerwerk wurde gezündet, obwohl Oberbürgermeister Thomas Geisel eine Absage angeregt hatte.

Zum Auftakt der 115. Rheinkirmes haben Schausteller, Schützen und Besucher der Opfer des Anschlags von Nizza gedacht, bei dem am Vorabend mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen waren. Vor der offiziellen Kirmeseröffnung um 18 Uhr gab es eine Schweigeminute, anschließend wurde die französische Nationalhymne, die Marseillase, gespielt. Außerdem setzten die Schausteller viele Zeichen auf dem Festplatz. Das spektakulärste: Die Freifall-Türme "Hangover" (85 Meter) und "Power Tower" (66 Meter) erstrahlten in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot. Zudem hingen französische Fahnen an vielen Buden. Den 15 Meter großen Eiffelturm im französischen Dorf, einer Gruppe von Buden im Stil einer französischen Altstadt, schmückte eine schwarze Schleife.

Bis zum Nachmittag hatte sogar eine Absage des Feuerwerks im Raum gestanden, mit dem der Düsseldorfer Schaustellerverband den Sebastianus-Schützen zum 700-jährigen Bestehen gratulieren wollte - zusätzlich zum regulären Kirmesfeuerwerk der Schützen, das am kommenden Freitag gezündet wird. Oberbürgermeister Thomas Geisel kontaktierte bereits am frühen Morgen Schützenchef Lothar Inden, um darüber zu sprechen, wie man angemessen auf die Ereignisse reagiert. Er regte an, aus Respekt vor den Opfern auf das Feuerwerk zu verzichten. Der Attentäter in Nizza war in eine Menschenmenge gefahren, die sich ein Feuerwerk zu Ehren des französischen Nationalfeiertags angeschaut hatte.

Rheinkirmes 2016 - das Feuerwerk vom Freitag

Schützen und Schausteller wollten das Feuerwerk aber trotz des Anschlags zünden und teilten diese Entscheidung schließlich am Mittag dem Oberbürgermeister mit. "Wenn man auf ein solches Zeichen purer Lebensfreude verzichtet, dann haben die Terroristen gewonnen", sagte Schausteller-Sprecher Oliver Wilmering. Man stehe aber "Seite an Seite" mit den Franzosen und habe großes Mitgefühl mit den Opfern, so Wilmering. Auch Schützenchef Lothar Inden betonte die Solidarität mit Frankreich. Man werde jedoch nicht dem Wunsch von Menschen nachkommen, die alles zerstören wollten, sagte er bei der offiziellen Eröffnung der Kirmes. Die Besucher im Schützenzelt applaudierten für diese Entscheidung. Unter den Gästen war auch der französische Generalkonsul Vincent Muller, der sich für die Zeichen des Mitgefühls bedankte.

Beim Deutsch-Französischen Kreis war man bestürzt über die Ereignisse. "Vor wenigen Jahren waren wir vom Verein aus in Nizza. Es war Freude pur, als wir auf der Promenade des Anglais waren. Und heute? Fassungslosigkeit und tiefe Mitgefühl empfinden wir für alle Franzosen, die nach zwei Attentaten in Paris und jetzt in Nizza so grausam getroffen worden sind", sagte Christiane von der Groeben, die Geschäftsführerin des Deutsch-Französischen Kreises. Evelyn Wenzel, die in Nizza wohnt und dem Vorstand des Vereins nahe steht, berichtete gestern Abend am Telefon davon, dass viele Menschen dort Angst haben und Ansammlungen strikt meiden.

Auswirkungen auf das Sicherheitskonzept für die Jubiläums-Kirmes hat der Anschlag zunächst nicht. Die Schützen sehen ohnehin mehr Ordnungskräfte als in den Vorjahren vor. Zusätzlich zu diesen privaten Sicherheitsdiensten sind 100 Polizisten, uniformierte wie zivile, für die Werktage eingeteilt, an den Wochenenden seien "deutlich mehr" im Einsatz, heißt es. Konkrete Zahlen werden mit den Hinweis auf taktische und sicherheitstechnische Erwägungen nicht genannt, aber: "Wir stehen in engem Austausch mit allen Sicherheitsbehörden, passen unsere Konzepte laufend der aktuellen Lage an", sagt eine Präsidiumssprecherin. Im sogenannten BOS-Dörfchen (BOS = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) am Rande des Festplatzes hat die Polizei wie üblich eine Kirmeswache eingerichtet.

Zur Kirmeseröffnung herrschte trotz der Ereignisse gute Stimmung. Am Nachmittag setzten sich die Fahrgeschäfte in Bewegung. Erstmals steht auf der Kirmes auch ein Tennisplatz. Der Rochus-Club und die Agentur Jung von Matt/Sports wollen damit den Tennissport populärer machen. Die ersten Matches bestritten Prominente wie Christoph Metzelder, Ex-Fußball-Nationalspieler und Gründungsgeschäftsführer der Sport-Agentur, Ex-Schalke-Profi Hans Sarpei und Ex-Tennisprofi Alexander Watzke.

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(RP)
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