Mobile Redaktion zur Rheinkirmes 2019 - das sagen die Düsseldorfer

Düsseldorfer zur Rheinkirmes : „Es muss im Magen kribbeln“

Am Freitag startet die Rheinkirmes. Wenn man die Menschen auf der Straße nach ihren Erlebnissen rund um das große Volksfest fragt, haben die meisten viel zu erzählen.

Eigentlich ist niemand zu jung oder zu alt, zu groß oder zu klein, zu dick oder zu dünn für die Kirmes: Und deshalb freuen sich auch so viele Düsseldorfer auf das zehntägige Spektakel zwischen Oberkasseler und Rheinkniebrücke.

Einen Nachmittag lang haben uns die Menschen an der Schadowstraße und am Belsenplatz erzählt, warum sie so gerne auf die größte Kirmes am Rhein gehen. Manche Geschichten liegen schon über 50 Jahre zurück. Wie die von Rolf Löffelsend: Als Jugendlicher fand der 71-Jährige auf der Kirmes einen Batzen Geld, brachte den Großteil zur Polizei, behielt aber ein paar Mark für sich, um sie auf der Kirmes zu verprassen. Heute verzichtet er auf wilde Fahrten.

Shara Weiler-Buschhüter (73) geht es da anders: „Es muss im Magen kribbeln“, schwärmt sie vom Karussell fahren. Und ihr Lebensgefährte Rainer Sann (75) seufzt belustigt: „Da sehen Sie, was ich für Konkurrenz habe...“

Die meisten Erwachsenen, die früher Loopings liebten, machen heute einen Bogen um hohe Fahrgeschäfte – und treffen sich lieber gemütlich mit Freunden auf ein Bier oder einen Wein.

Fabian Stratmann (l., 27) und Johannes Hollekamp (28) freuen sich auf die gute Stimmung in den Zelten und die lustigen Abende mit Freunden. Füchschen, Schumacher, Alpenwelt – da hat es auch schon den einen oder anderen Kater gegeben. Foto: Nicole Kampe
Guiseppe Mangano (77, mit Freundin Monika Sommer) kommt aus Norditalien. „Deshalb fühle ich mich im Tiroler Dorf natürlich besonders wohl.“ Inzwischen fährt er nicht mehr Achterbahn, nimmt aber gerne seine Enkelkinder mit. Das kann richtig ins Geld gehen. „Letztes Mal habe ich insgesamt 145 Euro ausgegeben.“. Foto: Helene Pawlitzki
Auf das Kettenkarussell bekommen Frank Duklau keine zehn Pferde, „da geht mit mir die Fantasie durch“, sagt der 54-Jährige. Lieber ist ihm eine Fahrt auf der Wilden Maus, mit seinen Töchtern, und am Ende ist eine Tüte gebrannte Mandeln Pflicht. Foto: Nicole Kampe
Simona Nedyalkowa (23) kommt aus Bulgarien und will in Düsseldorf als Schauspielerin durchstarten. Seit dreieinhalb Jahren ist sie am Rhein und hat schon viele Male die Rheinkirmes besucht. „Ich liebe die Fahrgeschäfte, bei denen man denkt: Gleich sterbe ich“, gesteht sie. Foto: Helene Pawlitzki
Sandra Fink (28) liebt die Rheinkirmes. „Auf jeden Fall brauche ich Alkohol“, lacht sie, „und dann geht es auf die abgefahrenen Sachen, die wirklich crazy sind.“ In diesem Jahr hat sie sogar einen Freund überredet, der noch nie auf der Kirmes war. Foto: Helene Pawlitzki
Im Enten Angeln ist Ibrahim Letaief ein Experte. Und von Propcorn bekommt der Fünfjährige nicht genug. Ob er wirklich zur Kirmes kann in diesem Jahr, hängt von Mama Hazar ab, die im neunten Monat schwanger ist. Foto: Nicole Kampe
Für Saskia Rosic (50) ist die Kirmes „immer ein Riesenspektakel. Sie gehört einfach zum Sommer in Düsseldorf dazu.“  Während sie „ein Bierchen“ trinkt, gibt es für Sohn Paul (12) eine Bratwurst und eine Fahrt auf der Achterbahn: „Das Kribbeln ist toll, kurz bevor es runtergeht.“ . Foto: Anna Heckhausen
Achterbahnen, freier Fall, alles kein Problem für Volker Halterbeck (33) und Laura Gail (27), die schon die verrücktesten Fahrgeschäfte ausprobiert haben, die aber noch nie auf der Rheinkirmes waren. Das wollen sie dieses Jahr ändern. Foto: Nicole Kampe
Eigentlich ist Anna Drachenberg kein großer Kirmesfan. Doch mit Sohn Elias (4) kommt die 34-Jährige nicht drumrum. „Wir wohnen um die Ecke“, erzählt Drachenberg, und ihr Sohn freut sich schon seit Tagen auf die Karussells und das Popcorn. Foto: Nicole Kampe
Als Jugendlicher fand Rolf Löffelsend (71) 35 Mark auf der Kirmes, knapste zehn Mark für sich ab. Davon kaufte er sich Marken für die Raupe. Und weil sechs Fahrten eine Mark kosteten, stieg er praktisch nicht mehr aus aus der Gondel. . Foto: Nicole Kampe
Gute Laune, nette Menschen und die allerschlimmsten Fahrgeschäfte: Drei Gründe, warum es Fatih immer wieder auf die Kirmes zieht. Kein Looping kann dem 38-Jährigen etwas anhaben. Und danach ist eine Banane in Schokolade Pflicht. Foto: Nicole Kampe
Als die Enkel noch klein waren, ist Elsa Thöring oft mit ihnen auf der Kirmes gewesen. Damals seien die Fahrgeschäfte kleiner gewesen, „heute erschlägt es einen ein bisschen“, findet die 81-Jährige, die deshalb auch nicht mehr auf die Kirmes geht. Foto: Nicole Kampe
Finja Rendchen (r., 10) und Schwester Luisa gehen jedes Jahr auf die Rheinkirmes, „seit... schon immer.“ Sie mögen das Kettenkarussell, die Wildwasserbahn, das Riesenrad und natürlich Zuckerwatte, Lakritze und Mandeln. Nach dem Kirmesbesuch am Wochenende geht’s direkt in den Urlaub. Foto: Helene Pawlitzki
Für Lara Hermanns, Jana Brüggemann und Lukas Hermann (v.l., alle 18 Jahre alt) ist die Rheinkirmes Pflicht. Lukas ist allerdings zur besten Kirmeszeit im Urlaub. Die Mädels freuen sich schon – besonders auf das Fahrgeschäft Infinity. „Es war so toll – ich dachte, wir sterben.“ Das muss natürlich wiederholt werden. Foto: Helene Pawlitzki
Mats Sorge (12) geht am liebsten mit seiner Mutter und Freunden auf die Kirmes. Mats mag besonders die Schieß-Spiele. „Treffen ist nicht das Problem“, sagt er stolz. Im vergangenen Jahr hat er ein ziemlich großes Plüsch-Lama gewonnen. Seine Tante Milka Adamovic (59) ist weniger ein Fan: „Ich gehe nur wegen der Kinder.“. Foto: Helene Pawlitzki

Einig sind sich jung und alt: Die Kirmes macht gute Laune, weil die Menschen dort gut gelaunt sind. Es ist eine andere Welt, bunt und verrückt, wild und laut. Und Jedes Jahr ein bisschen anders, ein bisschen mehr, ein bisschen wilder und verrückter. Gleichzeitig gibt es nichts, was so viel Nostalgie hat, wie die größte Kirmes am Rhein.

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