Düsseldorf: Mehr als 3000 Schützen ziehen durch die Altstadt

Düsseldorf : Mehr als 3000 Schützen ziehen durch die Altstadt

Marschmusik, Hufgeklapper, Pferdeäpfel und Deutschland-Rufe: Die Parade der Sebastianer war wohl noch nie so fahnenreich wie in diesem Jahr.

Dass es voll werden würde und manchmal auch eng in der Altstadt, war klar. Doch, dass der diesjährige Schützenumzug der St. Sebastianer mit der Finalteilnahme der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der WM in Brasilien zusammenfallen würde, konnte ja wirklich kaum jemand ahnen. Und so drängten sich Schützen, Schaulustige und Fans in der Altstadt, ein bunter Mix, dem vor allem die Touristen gestern mit Erstaunen begegneten. "Ob diese Militärparade wegen des Fußballspiels stattfinde", fragte ganz unvoreingenommen eine Japanerin. Und vier amerikanische Freundinnen, die in der Stadt unterwegs waren, fanden das Ganze "sehr lustig". Viele machten Fotos, tanzten zur Marschmusik mit. Oft wurde den rund 3000 Schützen auf dem Zugweg zugejubelt, besonders wenn die Nationalfarben im Zug zu sehen waren. Deutschlandtrikot und Schützengrün - eine Kombination, die viele Düsseldorfer in der Altstadt zum Klatschen animierte. Selten war die Stimmung am Rande der großen Schützenparade wohl so gut wie gestern, was die Protagonisten sicher erfreute. Sie machten gute Mienen zu einem Spiel, von dem man am Nachmittag noch nicht wusste, ob es gut oder böse ausgehen sollte.

Die Reitallee stand in diesem Jahr nicht zur Verfügung. Von den Schützen, allen voran von Schützenoberst Günther Pannenbecker, wurde sie schmerzhaft vermisst. Doch es waren ja die äußeren Umstände, "höhere Gewalt" eben, die sie unmarschierbar machte. Wegen des Orkans "Ela" musste die Route geändert werden, das Gartenamt konnte die Sicherheit nicht garantieren, weite Teile Hofgartens sind immer noch gesperrt.

"Zum 33. Mal erstatte ich Bericht, zum ersten Mal hier vor dem Rathaus", sagte Pannenbecker und verband die Ansage mit der Hoffnung, im nächsten wieder den Hofgarten nutzen zu können. Zufrieden waren die Sebastianer trotzdem, auch wenn der neue Weg viel Arbeit gemacht hatte, obwohl die Pferde wegen des Pflasters anders beschlagen werden mussten, obwohl einiges bedacht und vieles mit den Behörden geklärt werden musste. Mehr Arbeit, die von den ehrenamtlichen Organisatoren erst einmal geleistet werden musste, von der aber beim Umzug wenig zu spüren war.

"Ich habe den Eindruck, dass sogar deutlich mehr Beifall kam als in den Jahren zuvor", sagte ein Teilnehmer. Schützenchef Lothar Inden fasste seine Eindrücke nach der Parade so zusammen: "Es war anders als sonst, auch wenn wir uns gut, um nicht zu sagen hervorragend präsentiert haben. Klar ist aber: Wir wollen auf die Reitallee zurück."

Und wahrscheinlich hat der Mann ja recht. Ein bisschen prallten die Welten auf der Bolkerstraße schon aufeinander. Die Schützen in ihren tadellosen Uniformen unterstützt von zackiger Marschmusik, Standarten vor sich hertragend, feierlicher Blick, "Ordnung und Bürgersinn führen uns zum Ziele hin"; und am Rand die "Schland-Fans", eingehüllt in Deutschland-Fahnen aus dem Baumarkt, schwarz-rot-goldene Mützchen tragend.

Das Rathaus allerdings bot eine passende Kulisse, historisch, schmuck. Das musste dann auch Schützenchef Inden anerkennen.

(RP)
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